Umweltbehörde Hamburg: Der Haussegen hängt schief

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MitarbeiterInnen in der Umweltbehörde Hamburg: Not very amused.

Es kommt nicht oft vor, dass über die Stimmung in einem Ministerium berichtet wird. Die Hamburger Umweltbehörde unter der Leitung der Senatorin Jutta Blankau hat es jetzt geschafft: „Stimmung innerhalb der Behörde bewegt sich in Richtung Nullpunkt“ berichtet das Hamburger Abendblatt vor wenigen Tagen. Die Behörde ist für Stadtentwicklung (Wohungsbau) und Umwelt (BSU) zuständig.

Deutlich wurde der Unmut der Behörden-MitarbeiterInnen auf einer Personalversammlung im CCH. Hintergrund für die „schlechte Stimmung“ sind deutliche Haushaltkürzungen bei der Umweltbehörde und drohende Personalkürzungen, und das obwohl schon jetzt viele MitarbeiterInnen eine hohe Zahl von Überstunden anhäufen. Aber das ist nur ein Teil der Verärgerung.

Auch die ehemalige Bezirksleiterin der IG Metall Küste und jetzige Umweltsenatorin Blankau erzürnt offenbar viele MitarbeiterInnen in der Behörde. Denn laut Abendblatt wird auch der Vorwurf mangelnder Wertschätzung erhoben: „Jutta Blankau, SPD-Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt, machte die Lage nicht besser, als sie die Personalversammlung nach Aussagen von Anwesenden schon nach knapp 90 Minuten wieder verließ. „Das sagt alles über die Wertschätzung für die Kollegen“, so ein Mitarbeiter. Vor allem das Personal des Umweltressorts fühlt sich zunehmend abgehängt und gegängelt.“ Die Presseabteilung widerspricht derartigen Vorwürfen.

Doch: Während sich die Senatorin vor allem um den Wohnungsbau kümmert, bleibt die Umweltpolitik auf der Strecke. Unter den MitarbeiterInnen im Umweltbereich, so das Abendblatt, heißt „es schließlich zynisch, es würden jetzt wohl nur noch Maurer gebraucht.“

Die zuständige Gewerkschaft weiß zu berichten: „Die Kollegen haben den Eindruck, dass der Umweltbereich von diesem Senat zerschlagen wird“, sagt Ver.di-Bereichsleiterin Sieglinde Frieß. „Das Thema Umwelt spielt kaum noch eine Rolle.“, schreibt das Abendblatt.

Eine Kritik, die vor einigen Wochen massiv auch von mehreren Hamburger Umweltorganisationen zur Halbzeitbilanz des allein regierenden SPD-Senat vorgetragen worden war: Zwei Jahre SPD-Senat – „Basta-Politik“ zulasten von Mensch und Natur.

Auch der NABU und andere kritisierten den Senat massiv: Zwei Jahre SPD-Senat – Zwischen Baumpflanzpartei und Schwarz-Schill-Politik

Bereits im Dezember 2012 hatte der BUND Hamburg kein gutes Haar an den Haushaltskürzungen bei der Umweltbehörde gelassen: Umwelt- und Naturschutz fallen im Doppelhaushalt hinten runter.

Den BUND zitiert das Abendblatt: „Die meisten Mitarbeiter der BSU haben wir als in der Sache hoch engagiert kennen gelernt“, sagt etwa der Hamburger BUND-Geschäftsführer Manfred Braasch. Derzeit aber scheine es so, als werde „der Umweltbereich systematisch kaputtgespart“. Auch einen anderen Vorwurf erhebt Braasch: „Stellungnahmen der Fachämter, die der Behördenleitung nicht in den Kram passen, werden nicht mehr zugelassen – mehr Demotivation geht kaum noch.“ Das Ganze sei „ein Armutszeugnis für die Behördenleitung und für Europas einstige Umwelthauptstadt“.

Weitere konkrete Hinweise sind dem Artikel im Abendblatt zu entnehmen.

Energie-Themen im neuen ROBIN WOOD MAGAZIN: Fukushima – Proteste – Risiken beim AKWs stilllegen – Uranfabrik Gronau – Rekommunalisierung der Energienetze – AKW-Neubau in Polen

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Auch online: Schwerpunkt Energie im neuen ROBIN WOOD MAGAZIN.

Vor wenigen Tagen ist das neue ROBIN WOOD MAGAZIN mit einem Schwerpunkt zum Thema Energie erschienen. Mit Artikeln über die Situation in Fukushima zwei Jahre nach dem mehrfachen Super-GAU, über die Proteste für den Atomausstieg am 9 März in Deutschland, über die Probleme und Risiken, die es bei der Stilllegung von Atomkraftwerken gibt, über die Uranfabrik Gronau, mit Infos über die Kampagnen für die Rekommunalisierung der Energienetze in Berlin und Hamburg und mit einem Bericht über den Versuch, in Polen ein neues Atomkraftwerk zu bauen. Infos über das ROBIN WOOD Magazin, das als Printausgabe auch bestellt werden kann, hier.

Über Energiepolitik und -Aktionen informiert ROBIN WOOD auf seiner Homepage.

Die Artikel der aktuellen Ausgabe vom März 2013 sind auch online verfügbar (alle als PDF).

Vattenfall-Krise: 1.000 Jobs weniger in Deutschland?

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Vattenfall-Krise: Arbeitsplatzabbau droht. Foto: Dirk Seifert

Die Milliardenverluste von Vattenfall in den letzten Jahren und deutliche Gewinnrückgänge haben jetzt offenbar auch für die Beschäftigten in Deutschland Konsequenzen. Nach einem Bericht des Hamburger Abendblatts sind „mehr als 1000 Jobs in Gefahr“. Erst vor wenigen Tagen waren Pläne bekannt geworden, dass Vattenfall europaweit 2.000 Stellen abbauen will. Die Hälfte davon soll nun offenbar in Deutschland gestrichen werden.

Die Spekulationen, dass die Probleme bei dem schwedischen Staatskonzern dazu führen könnten, dass sich Vattenfall insgesamt aus dem deutschen Markt zurückziehen könnte, nehmen seit Wochen immer mehr zu: Vattenfalls Stern auf dem Rückzug – Was hat dich bloß so ruiniert?

Der Abbau von Arbeitsplätzen spitzt sich nun weiter zu. Aber längst ist ein weitergehender Personalabbau im Gange: Bereits Mitte November 2011 setzte Vattenfall den Kolleginnen und Kollegen des Kundenservice das Messer auf die Brust: 900 von ihnen sollten drastische Gehaltssenkungen hinnehmen, oder sie würden verkauft, hatte der Vorstand angedroht. Im Januar 2012 einigten sich Betriebsrat und Vattenfall, dass der Kundenservice zwar im Unternehmen bleibt, aber 300 Stellen in den nächsten Jahren sozial verträglich abgebaut werden. Siehe auch hier: Vattenfall – Streit mit Beschäftigten nimmt zu!

Laut Abendblatt wird der Aufsichtsrat von Vattenfall am 7. März zu einer Strategiesitzung zusammenkommen. „Es geht um viel an diesem Tag. Denn der schwedische Staatskonzern hat sich in den vergangenen Jahren durch immer neue Zukäufe verschuldet. Jetzt zieht Vattenfall-Chef Øystein Løseth die Notbremse. Um zu sparen, sollen nach Informationen des Abendblatts auch Stellen gestrichen werden. Mehr als tausend Mitarbeiter könnten in Deutschland betroffen sein – auch in Hamburg. Vattenfall versucht jedoch, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.“

Gestern war bekannt geworden, dass Vattenfall bereits seit November letzten Jahres mit zwei Banken den Verkauf eines 920 MW-Blocks des Braunkohlekraftwerk im sächsischen Lippenstedt sondiert. Dabei geht es Vattenfall nicht nur um die Erlöse aus dem Verkauf, um die Bilanzen zu verbessern, sondern auch darum, dass „400 Mitarbeiter an den neuen Eigentümer übergeben“, berichtet das Abendblatt. Interessenten gibt es aber noch nicht.

Die Beschäftigten bei Vattenfall sollen für den 7. März Proteste in Berlin angekündigt haben.(siehe hier die Seite der Verdi-Betriebsgruppe Berlin)

Gespannt sein darf man, wie die Gewerkschaften Verdi, IG BCE und die IG Metall weiter reagieren. Aktuell laufen bei Vattenfall Tarifverhandlungen, bei denen es nicht nur um mehr Gehalt geht, sondern auch darum, dass Vattenfall betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahr 2020 ausschließt. Die ersten beiden Verhandlungsrunden sind bislang ergebnislos verlaufen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Meldungen dürfte das keine leichte Aufgabe für die Gewerkschaften werden. Bereits im Dezember 2012 hatte die die Verdi-Betriebsgruppe von Vattenfall in Berlin in einem Flugblatt die Konzernstrategie von Vattenfall kritisiert (PDF): „Mit der Verlagerung der Konzernsteuerung nach Schweden erscheint Vattenfall nach außen und innen immer führungs- und konzeptloser. Die Zentralisierung der Konzernstruktur wirkt kontraproduktiv in Zeiten einer Energiewende mit ausgeprägt dezentralem Charakter.“ Ohne es weiter zu erläutern stellte die Betriebsgruppe fest, dass weitere Probleme drohen: „Ein weiterer teurer Managementfehler, den am Ende wieder die Beschäftigten bezahlen müssen, bahnt sich an.“ (Hier das Flugblatt „Vattenfall auf dem Irrweg“ der Verdi-Betriebsgruppe zum download).

Auch für das Personal bei Vattenfall zeichnet die Betriebsgruppe ein dramatisches Bild: „Auf klarem Kurs bleibt Vattenfall beim Umgang mit den Mitarbeitern. Permanent wird die Belegschaft mit Plänen zum Personalabbau – und in dessen Folge – auch mit betriebsbedingten Kündigungen bedroht. Zeitgleich wird die Ausbildung in Frage gestellt. Für alle wahrnehmbar werden die Unternehmen weiter strukturell zerschlagen. Endzeitstimmung bei den Kolleginnen und Kollegen!“

So offenkundig der Druck der Konzernleitung angesichts der Krise bei Vattenfall ist: Alternativen jenseits von Vattenfall kommen bei den Betriebsräten und deren Gewerkschaften nicht an: In Hamburg und Berlin haben sich starke Bürgerbündnisse auf den Weg gemacht, die heute noch von Vattenfall betriebenen Stromnetze und in Hamburg zusätzlich noch das gesamte Fernwärmenetz samt Kraftwerken und Kunden vollständig zu rekommunalisieren. Während in Berlin derzeit das Volksbegehren läuft, ist in Hamburg klar, dass es am 22. September zum Volksentscheid kommen wird.

Für die Beschäftigten könnte das bedeuten, jenseits einer privatwirtschaftlich organisierten Aktiengesellschaft mit dem Streben nach hohen Gewinnmargen wieder im öffentlichen Bereich tätig zu sein. In einem kommunalen Unternehmen, dass nicht maximalem Profit verpflichtet ist, sondern der Daseinsvorsorge. (Siehe auch: Heinz-J. Bontrup und Ralf-M. Marquardt, Arbeitspapier derBöckler-Stiftung, “Chancen und Risiken der Energiewende” (download als PDF).)

Doch mit dieser Perspektive tun sich die Gewerkschaften schwer, die sonst gern die Energieversorgung als Bereich der Daseinsvorsorge immer wieder als wichtigen Grundpfeiler betonen.

Gewerkschaften, Energiewende und Rekommunalisierung:

Rekommunalisierung – Schweres Thema ausgerechnet für Gewerkschafter

Die Energiewende ist eine Chance für Arbeitsplätze

Chancen und Risiken der Energiewende

 

Rückschlag für Vattenfall – Schadensersatzklage für Atomausstieg ausgesetzt!

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Vattenfalls Schadensersatz-Klage für die Abschaltung der AKWs Brunsbüttel und Krümmel vor dem ICSID in Washington ist derzeit ausgesetzt. Foto: Dirk Seifert

Vattenfall muss einen weiteren Rückschlag hinnehmen: Die Schadensersatzklage vor dem Schiedsgericht ICSID in Washington ist derzeit ausgesetzt. Vattenfall hat dort die Bundesrepublik Deutschland auf eine Summe von rund 3,5 Mrd. Euro für die Stilllegung der AKWs Krümmel und Brunsbüttel verklagt. Nach dem Atomdesaster in Fukushima vor rund zwei Jahren hatte die Bundesregierung per Atomgesetzänderung die beiden und sechs weitere Atommeiler aus Sicherheitsgründen abgeschaltet.

Der Rechtsstreit in Washington wird sich nun in die Länge ziehen. Laut Informationen der Süddeutschen Zeitung von Anfang Februar 2013 ist das Verfahren vorerst ausgesetzt worden, „weil der zuständige Richter Dan Price des Schiedsgerichts ICSID in Washington im Januar zurücktrat, verlautete aus Verfahrenskreisen. Der Konzern bestätigte dies.“

UPDATE: Neuere Informationen finden sich hier: Vattenfalls Anwälte gegen Deutschland: “Wenn du Frieden willst, sei kriegsbereit”

Weiter berichtet die SZ: „Der ehemalige US-Regierungsberater Price trat den Angaben zufolge zurück, nachdem das Gericht Klarheit über seine früheren Regierungskontakte nach Deutschland haben wollte. Vattenfall muss nun einen neuen Schiedsrichter benennen. Bis der sich in den komplexen Fall eingearbeitet hat, dürften jedoch erneut Monate vergehen, hieß es aus Verfahrenskreisen. Damit ist offen, wann der Prozess fortgesetzt werden kann.“

Vattenfall klagt nicht zum ersten Mal vor dem Weltbank-Gericht gegen die Bundesrepublik. Bereits vor einigen Jahren nahm Vattenfall die Umweltauflagen der Umweltbehörde für das im Bau befindliche Steinkohlekraftwerk Hamburg-Moorburg zum Anlaß, in Washington Klage gegen Deutschland zu erheben.

Als in Deutschland aktives Unternehmen mit Hauptsitz in Schweden kann es vor diesem Gericht wegen Diskriminierung klagen. E.on, RWE und EnBW steht dieser Weg nicht zur Verfügung. Daher haben sie – und auch Vattenfall zusätzlich – ihre Schadensersatzklagen an das Bundesverfassungsgericht adressiert. Mit Klagen vor dem Washingtoner Gericht versuchen Unternehmen sich oftmals inzwischen auch gegen kostspielige Umweltauflagen zu wehren.

Dazu mehr hier: Vattenfalls Entschädigungsklagen gegen die Bundesrepublik – Weltbankgericht als Politik und

Vattenfall und Konzern-Klagen – Demokratieabbau als Standortfaktor und

Neue AKWs und Entschädigungsklagen – Energiewende nur mit ohne Vattenfall

Volksentscheid Energienetze Hamburg – Gutachten zerlegt Vorwürfe der CDU

energiewende_retten_sonne-SunEnergyEuropeGmbHDie Volksentscheids-Initiative „Unser Hamburg – Unser Netz“ hat sich jetzt auf Basis eines Gutachtens gegen die Vorwürfe aus den Reihen der CDU und anderer zur Wehr gesetzt, sie würde rechtswidrig Steuermittel für politische Kampagnen einsetzen. Die CDU und andere politischen Vertreter in Hamburg versuchen derzeit den Volksentscheid in Hamburg zu verhindern (Verfassungsklage) und die Träger-Initiativen in Mißkredit zu bringen. Der Grund: Den Unternehmen Vattenfall und E.on droht in Hamburg mit dem Volksentscheid im September 2013 der Verlust der Energienetze für Strom, Fernwärme und Gas. Das hat zuletzt eine repräsentative Umfrage des Hamburger Abendblatts gezeigt.

Jetzt hat die Professorin Dr. Birgit Weitemeyer vom „Lehrstuhl für Steuerrecht“  und  Direktorin des Instituts für Stiftungsrecht und das Recht der Non-Profit-Organisationen von der Bucerius Law School mit einem Gutachten zu Wort gemeldet. Die Rechtsexpertin kommt, so berichtet das Hamburger Abendblatt, zu einem klaren Ergebnis: „Danach ist das auch finanzielle Engagement des BUND in der Netze-Initiative zulässig. „Die von der Rechtsprechung (…) aufgestellten Anforderungen an das zulässige Maß politischen Engagements im Rahmen gemeinnütziger Tätigkeit werden (…) eingehalten“, heißt es darin.“

Auch die Verbraucherzentrale und deren Geschäftsführer Günter Hörmann weisen die Vorwürfe aus der CDU zurück. Auf ihrer Homepage nimmt die VZ-HH ausführlich Stellung, warum sie sich für die Interessen der VerbraucherInnen bei der Rekommunalisierung der Energienetze engagiert.

Das Abendblatt berichtet: „Die Verbraucherzentrale habe 2010 und 2011 insgesamt 9500 Euro an die Initiative gezahlt – bei jährlichen Eigeneinnahmen von rund einer Million Euro. „Es ist kein Cent Steuergeld an die Initiative geflossen“, sagte Hörmann. Im Übrigen wundere er sich, warum jetzt die Initiative auf diesem Wege angegriffen werden, anstatt sachlich über den Rückkauf der Netze zu diskutieren.“

Haltlos waren und sind auch die Vorwürfe gegen die Kirche, die gemeinsam mit der Verbraucherzentrale und dem BUND Hamburg zu den „Vertrauenspersonen“ der Volksentscheids-Initiative gehört. Der Vertreter Theo Christiansen stellte fest, dass „es im Falle der Kirche keines Anerkennungsaktes des Finanzamtes bedürfe, „sodass eine Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt auch nicht aberkannt werden kann“.“

Scheuerl und seine CDU-Fraktion dürften mit ihren Vorwürfen gegen die Initiative nun erst mal einiges zu verdauen haben, denn hinter der Studie von Professorin Dr. Birgit Weitemeyer steht einiges an Know-how. Zu den Sachfragen jedenfalls hat die CDU bis heute wenig zu bieten. Schon deshalb hat sie sich zum Schutz von Vattenfall- und E.on-Interessen auf Argumente aus der Trickkiste verlegt.

Siehe auch hier: Vollständige Rekommunalisierung der Energienetze in Hamburg ist machbar

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