Atomzug mit 51 Uran-Containern rollt Richtung NRW nach Südfrankreich. Foto: Pay Numrich
Der Atomzug mit nun insgesamt offenbar 51 Containern voller Uran ist auf direktem Weg Richtung Südfrankreich – ohne den sonst üblichen Halt am Rangierbahnhof in Hamburg-Maschen. Die Innenbehörde in Hamburg soll dem vernehmen nach bestätigten, dass das Uranerzkonzentrat, aus dem Brennelemente für Atomkraftwerke hergestellt werden sollen, nicht mehr auf Hamburger Gebiet ist.
Vermutlich geht es von Hamburg über Bremen, Osnabrück, Münster, Köln, Bonn und weiter die Mosel entlang nun weiter Richtung Südfrankreich.
Atomzug mit Uran-Containern: Aktion ist beendet. Foto: Pay Numrich
Die Aktion gegen den Atomtransport aus Hamburg mit 50 Container voller Uranzerkonzentrat (Yellow Cake) ist beendet. Heute Morgen gegen sieben Uhr hatten sich AktivistInnen vor und hinter dem Zug mit Rohren unter der Schiene angekettet. Nachdem die Polizei zunächst hinter dem Zug per Flex die AktivstInnen von der Schiene holten und 13 der 50 Container wieder zurück auf den Südwest-Terminal transportierten, sind gegen 11.30 Uhr auch die AktivistInnen vor dem Zug geräumt worden.
Der Atomzug wird voraussichtlich dann im Laufe des Tages zunächst zum Rangierbahnhof nach Hamburg-Maschen rollen. Dort wird er einige Zeit bleiben, um die Behälter in einen Regel-Güterzug zu sortieren. Vermutlich gegen Mitternacht könnte er dann über Niedersachsen und Bremen sowie NRW und Rheinland Pfalz Richtung Südfrankreich weiterfahren – wenn nichts dazwischen kommt.
Hamburg ist internationale Drehscheibe im Urangeschäft. Über 180 Atomtransporte gingen in 2013 über Hamburg, der größte Teil davon über den Hafen. Dabei kommt es immer wieder zu Beanstandungen und auch Beförderungsverboten. AtomkraftgegnerInnen fordern deshalb, dass der Hamburger Senat endlich für ein Verbot der Atomtransporte im Hafen sorgt.
Mehr Informationen auf umweltFAIRaendern.de über Atomtransporte und:
Angekettet vor dem Atomtransport mit Uran-Kontainern. Foto: Pay Numrich
Ein Atomtransport mit 50 strahlenden Uran-Containern ist heute morgen kurz nach sieben Uhr von AtomkraftgegnerInnen am Güterbahnhof Hamburg-Süd (erreichbar über die S-Bahn Veddel) an der Abfahrt gehindert worden. Vor und hinter dem Zug haben sich AktivistInnen angekettet. Seit Tagen wird über die Atomtransporte mit dem Uran aus Namibia und Kasachstan berichtet. Zu diesen 36 Containern sind nun – wie schon gestern berichtet weitere 14 mit Uranzerzkonzentrat – so genanntem Yellow Cake – hinzubekommen. Die Herkunft soll Usbekistan sein. Außerdem hatte sich durch Beobachtungen der AktivistInnen herausgestellt, dass der Hamburger Senat jüngst über einen der letzten Atomtransporte falsch informiert hatte. (Pressekontakt und Info der AktivistInnen siehe unten!)
Der NDR berichtet über die Aktion hier. :“Um kurz nach 7 Uhr hatten sich drei Atomkraftgegner mithilfe einer Rohrkonstruktion, die unter den Gleisen verläuft, vor und hinter dem Zug angekettet. Seitdem stehen die Waggons mit mehr als 50 Containern Uranerzkonzentrat am Güterbahnhof Hamburg-Süd auf der Veddel. Mit der Aktion wollen die Aktivisten darauf aufmerksam machen, dass fast täglich radioaktives Material über den Hamburger Hafen transportiert wird.“
Die PM der AktivistInnen als Dokumentation:
„Hamburg: Ankettaktion stoppt Uranzug
Aktivist_innen haben in den frühen Morgenstunden einen Zug mit mehr als 50 Containern Uranerzkonzentrat gestoppt. Am Güterbahnhof Hamburg-Süd ketteten sich Personen vor und hinter dem Zug an. Über den Umschlag der Uranerzkonzentrat-Container durch die Firma C. Steinweg am Süd-West-Terminal hatte es zuletzt Diskussionen gegeben, die Bürgerschaft hatte falsche Auskünfte dazu gegeben und das Uran stand einen Monat lang im Hamburger Hafen.
Das Uran stammt aus Namibia, Kasachstan und Usbekistan. Dort wird der Brennstoff für Atomkraftwerke unter Verursachung großer Umweltschäden abgebaut. Für eine Tonne Uran müssen bis zu 100.000 Tonnen Gestein abgebaut werden, die Reste strahlen radioaktiv und der Staub wird von Menschen eingeatmet, gravierende Krankheiten sind die Folge. Der große Wasserverbrauch in trinkwasserarmen Regionen führt zudem zur Absenkung des Grundwasserspiegels. „Schon der Abbau von Uran verursacht so viel Schäden, dass allein deshalb die Atomkraft abgelehnt werden muss. Um darauf aufmerksam zu machen, blockieren wir genau diesen Zug am Anfang der Atomspirale.“, erklärt Johannes die Aktion.
Angeliefert wurde ein Großteil des Uranerzkonzentrat mit der „Sheksna“ und der „Green Mountain“ über das Süd-West-Terminal in der vergangenen Woche. Bestimmt ist das auch als „Yellow Cake“ bekannte Material für die Konversionsanlage in Malvesi (nahe Narbonne in Frankreich). In weiteren Schritten werden daraus Brennelemente für Atomkraftwerke in aller Welt produziert.
Die ebenfalls beteiligte Aktivistin Hanna führt aus: „Wir blockieren Atomtransporte, weil sie die Archillesferse der Atomindustrie sind. Wir wollen die Stilllegung aller Atomanlagen weltweit und sofort. Außerdem kämpfen wir für eine Welt, in dem eine solche menschenverachtende Technologie überhaupt nicht möglich ist.“
Erst am Wochenende war ein Camp gegen Atomtransporte am Nord-Ostsee-Kanal zu Ende gegangen.
Güterbahnhof am Wilhelmsburger Spreehafen: Die Container mit Uranzerzkonzentrat aus Namibia und Kasachstan, die mit den Schiffen Sheksna und Green Mountain vor einige Tagen in Hamburg angekommen sind, sind auf Schiene verladen und auf dem Weg nach Maschen. Foto: Impi
Der Atomtransport mit Uranerzkonzentrat ist auf einen Güterzug verladen und auf dem Weg zum Rangierbahnhof Maschen. Impis Blog berichtet, dass er am Wilhelmsburger Spreehafen eine Zug mit 36 Containern gesehen hat. Von ihm stammen die Fotos der Container mit Radioaktivitäts-Zeichen. Per Mail bestätigt Impi, dass er diese Fotos heute am Nachmittag gemacht hat.
Die Wagons werden dann vermutlich heute Abend zu einem Güterzug zusammen gestellt und könnten gegen Mitternacht die Weiterfahrt Richtung Bremen – Münster – Köln – Bonn antreten. Mehr dazu hier:
Radioaktives Uran so weit das Auge reicht. Über Maschen geht die Reise vermutlich gegen Mitternacht weiter quer durch Deutschland zur nächsten Zwischenstation nach Narbonne, Südfrankreich. Foto: Impi
Auch die Links-Fraktion aus der Hamburgischen Bürgerschaft hat sich heute noch einmal zu Wort gemeldet – allerdings bevor der Atomzug losfuhr. In der PM (PDF) heißt es mit Blick auf die Falschaussagen des Senats zu vier Uran-Containern, deren Weitertransport weg aus Hamburg die Innenbebehörde schon von Wochen unzutreffenderweise vermeldet hatte: „Senat verkauft Öffentlichkeit für dumm: Atom-Container lagern seit Juli im Hamburger Hafen“. Dora Heyenn, Fraktionsvorsitzende sagte: „Dieser Vorgang lässt die Skepsis gegenüber der Informationspolitik des Senats leider noch mehr wachsen“. Über die jüngsten Vorgänge kündigte sie eine weitere Kleine Anfrage an.
Ausgesperrt: Beschäftigte der Uranfabrik von Honeywell in Metropolis, USA. Foto: USW
Uran-Geschäfte der anderen Art: In den USA kämpfen die Beschäftigen einer Anlage zur Herstellung von Uranhexafluorid (UF6) – einem Zwischenprodukt auf dem Weg zur Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke – seit Jahren für bessere Tarifbedingungen und besseren Gesundheitsschutz. Wieder einmal hat die zum Honeywell-Konzern gehörende Geschäftsleitung im Werk in Metropolis, Süd-Illionois, die Belegschaft ausgesperrt. Darüber berichten US-Medien und The Militant.
Herstellung von Uranhexafluorid: Honeywill, Metropolis, USA. Foto: Ncollida1106
Seit Jahren gibt es bei Honeywell Metropolis Probleme: Insgesamt 14 Monate dauerten in den Jahren 2010/11 die Auseinandersetzungen zwischen den rund 350 Beschäftigten mit der Konzernleitung um die Tarifverträge. Mit Hilfe von angelernten Streikbrechern sorgte die Konzernleitung dafür, dass zumindest ein Teil der Uranproduktion fortgesetzt werden konnte. Die zuständige Gewerkschaft, die United Steel Workers (USW), Local 7-669 warf der Konzernleitung wiederholt vor, damit die Sicherheitsstandards zu gefährden und schwere Unfälle in Kauf zu nehmen.
Im September und Dezember 2010 kam es während der Aussperrung zu Explosionen im Werk. The Militant berichtet: „In September 2010, a hydrogen explosion rocked the plant after the company started up production with replacement workers during the lockout. A second release of hydrogen fluoride used in uranium enrichment took place on Dec. 22 that year. “
Zu einer Schließung des Werks kam es nach der Katastrophe von Fukushima. Die US-Regierung hatte Nachrüstungen angeordnet, z.B. weil es Risiken bei der Erdbeben- und Tornado-Auslegung der Anlage gab. (Honeywell Metropolis makes earthquake modifications) Zwischen 2012 und 2013 ging die Anlage für neun Monate offline, mit der Folge, dass ein Teil der Beschäftigten in dieser Zeit kein Gehalt bekamen.
Auf der Homepage der lokalen Stahl-Gewerkschaft wird in einer Übersicht dargelegt, worum es bei den Auseinandersetzungen geht: „What We Are Fighting For!“ Die lange Liste, in der es auch um Fragen des Gesundheitsschutzes im Zusammenhang mit der Radioaktivität und Krebserkrankungen geht, zeigt, wie massiv der Konflikt ist.
Sinngemäß heißt es dort u.a.: „UnsereMitglieder arbeitenmit einigen dergefährlichsten Chemikalienauf dem Planeten undKrebs verursachendenUran undsollte ein angemessenesGesundheitswesenerwarten. Unser Vorschlagzielt darauf ab, einen Kompromiss mit dem Unternehmen inüber ein „Sub-Standard-Gesundsheitsprogramm“ zu erreichen, aber das Unternehmen hat sich geweigert,ernsthafte Verhandlungen darüber zu führen. “ Auf die Forderung nach verbessertem Gesundheitsschutz reagiert der Konzern mit dem Vorschlag, die Gehälter zu senken, um die Kosten nicht übernehmen zu müssen.
Unfälle bei der UF6-Herstellung jedenfalls kommen vor. Auf dieser Seite von Energy-Net.org ist zu lesen, dass es im Dezember 2003 zu einem Feuer in der Anlage kam, bei dem efl Arbeiter „kontaminiert“ wurden : „There was a December 2003 fire at the 1,100 acre facility that required public evacuation of the nearby area. Eleven workers were contaminated by a UF6 leak.“
Anlagen zur Herstellung von Uranhexafluorid
Informationen über die Anlagen zur Herstellung von Uranhexafluorid gibt es vergleichsweise wenig. Vielleicht auch, weil es weltweit nur wenige gibt. Diese befinden sich in Kanada, Großbritannien, Russland, Frankreich, China (im Aufbau) und eine kleine Anlage in Brasilien. Außerdem die Anlage in Metropolis, USA. Converdyn ist der offizielle Name der dortigen Fabrik, die zu jeweils 50 Prozent den Konzernen Honeywell und General Atomic gehört. Etwa 15.000 Tonnen Uran als UF6 hat die Anlage bei einer Auslastung von rund 70 Prozent laut Angaben der World-Nuclear.org jeweils pro Jahr in den letzen Jahren hergestellt.
Ausgangsprodukt für die Herstellung von Uranhexafluorid ist das aus den Uranminen stammende Konzentrat, so genanntes Yellow Cake. Der Uranbergbau gilt als besonders umwelt- und gesundheitsschädigend.
Wikipedia schreibt über das Uranhexafluorid: „Es ist ein farbloser, kristalliner Feststoff, der leicht flüchtig, radioaktiv und äußerst giftig ist. Es ist eine sehr aggressive Substanz, die nahezu jeden Stoff und auch jedes biologische Gewebe angreift. Uranhexafluorid ist beständig in trockener Luft, reagiert jedoch sehr heftig mit Wasser. In den meisten Fällen wird es aus Uran(IV)-fluorid (UF4) durch Umsetzung mit elementarem Fluor (F2) gewonnen. Bei Normaldruck und einer Temperatur von 56,5 °C geht Uranhexafluorid durch Sublimation direkt vom festen in den gasförmigen Zustand über.“ Kontakt mit dem Gas kann unter bestimmten Wetterbedingungen nach einem Unfall noch im mehreren hundert Meter tödliche Folgen haben.
Atomtransporte: Uran von Honeywell für Anreicherung in Gronau!
Die Anlage in den USA ist auch im großen Stil Lieferant für den deutschen Uranmarkt. In einer aktuellen Schriftlichen Kleinen Anfrage (Drucksache 18/01726, PDF) des Linken-Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel vom Juni 2014 taucht Honeywell bei den Einfuhren von Natururan in Form von Uranhexafluorid zwischen 2007 und 2012 mit großen Liefermengen auf (Siehe dazu Bild mit Tabelle gleich unten). Erkennbar ist auch, dass die Mengen sich zwischen 2010 und 2012 auf jeweils rund 197.000 kg Uran gegenüber den Vorjahren reduzierten und in 2013 überhaupt keine Einfuhr erfolgte.
Ob dies mit den Arbeitskämpfen und den sicherheitstechnischen Nachrüstungen in Verbindung steht, muss offen gelassen werden. Denkbar wäre auch, dass sich die Importe aus anderen Gründen verschoben haben (z.B. Kosten).
Der größte Anteil der Einfuhren steht im Zusammenhang mit der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau bei Münster. Hier wird das UF6 benötigt, um den Anteil des spaltbaren Uran 235 auf das für den Betrieb in Atomkraftwerken erforderliche Niveau von rund o,7 Prozent (Natururan) auf 3 – 5 Prozent zu erhöhen. Die Anlage in Gronau ist ebenso wie die Brennelemente-Fabrik in Lingen vom Atomausstieg ausgeschlossen und verfügt über eine unbefristete Dauergenehmigung. In Gronau ist die Gewerkschaft IG BCE zuständig. Ob die sich in irgendeiner Weise mit den Arbeitskämpfen bei Honeywell in Metropolis befasst hat, ist mir derzeit unbekannt.
Ohne Atomtransporte wäre der internationale Uranhandel natürlich nicht denkbar. Viele dieser Transporte gehen durch den Hamburger Hafen, wo AtomkraftgegnerInnen derzeit aktiv sind.