Hamburg radioaktiv: 160 Atomtransporte in 2015 und kein Ende – Aktionen angekündigt

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In bester Hafenlage: Atomtransporte finden wie hier u.a. mit der Atlantic Cartier statt. Im Mai 2013 kam es an Bord des Schiffes im Hafen zu einem Großbrand – an Bord: Munition und radioaktive Container.

„Mindestens 160 Atomtransporte sind im letzten Jahr durch Hamburg gegangen, darunter 88 mit Kernbrennstoff, zwei mit Mischoxidbrennelementen und drei mit bestrahlten Brennstäben. Uranhexafluorid macht weiterhin einen Großteil dieser Transporte aus.“ So fassen Stephan Jersch und Norbert Hackbusch von der Hamburger Linksfraktion in einer PM die Ergebnisse ihrer regelmäßigen Kleinen Anfragen zum Thema Atomtransporte durch Hamburg zusammen. Die aktuellste Drucksache hat die Nr: Drs. 21/3338 (PDF). AtomkraftgegnerInnen kündigen weiteren Protest an.

Erst gestern hatten AtomkraftgegnerInnen erneut gegen einen Urantransport über den Hamburger Hafen quer durch Deutschland nach Südfrankreich protestiert (siehe hier). Mit Blick auf den kommenden Fukushima-Jahrestag kündigten sie eine Mahnwache im Hafen gegen die Atomtransporte an. „Es wird in Hamburg Mahnwachen am 11.3. (ab 16 Uhr) und am Tag X (Ab Verladung der Urancontainer auf den Zug, voraussichtlich an einem Mo. oder Do. Nachmittag) vor den Toren von C. Steinweg im Hafen und am Tag X zusätzlich zwischen „Am Saalehafen“ und „Veddeler Damm“, südlich der Bushaltestelle “S Veddel (Westseite)“ geben.“ (Siehe auch hier)

Die vielen Transporte mit Uranhexafluorid stehen im Zusammenhang mit der Urananreicherungsanlage der URENCO in Gronau. Die Brennelemente kommen entweder aus der Fabrik in Lingen oder z.B. aus Schweden für deutsche, französische oder schweizerische Atommeiler. Die Anlagen in Gronau und Lingen versorgen mit ihren Uranprodukten den Weltmarkt und sind vom bundesdeutschen Atomausstieg ausgenommen. Sie verfügen über völlig unbefristete Genehmigungen.

Die Links-Fraktion erinnert daran, dass der rot-grüne Senat in Hamburg im Koalitionsvertrag erklärt hat, einen freiwilligen Atomtransporte-Verzicht mit den Hafenunternehmen verhandeln zu wollen. Einige der Betriebe sind ganz oder mehrheitlich im Besitz der Stadt Hamburg. Geschehen ist aber in dieser Sache bis heute nichts. Jersch stellt fest: „Doch weder was die Anzahl noch was die Art der Atomtransporte angeht gibt es einen Wandel: Die HHLA Container Terminal Altenwerder GmbH hat im August 2015 eine neue Umschlaggenehmigung erhalten, damit haben weiterhin fünf Hafenbetriebe eine Genehmigung nach §7 StrlSchV. Wo bleiben da die versprochenen Vereinbarungen der Stadt mit den Terminalbetreibern?“

In Bremen hat der ebenfalls rot-grüne Senat schon vor einigen Jahren zumindest die sogenannten Kernbrennstoff-Transporte auf rechtlichem Weg untersagt. Unternehmen versuchen dieses Verbot seitdem mit Klagen zu Fall zu bringen. Bislang jedoch ergebnislos. Hamburg will diesen Weg jedoch nicht gehen und damit den BremerInnen nicht zur Seite springen. Deswegen erneuert die Hamburger Linksfraktion ihre Forderung, „den Hamburger Hafen für Atomtransporte zu sperren, wie dies bereits in Bremen umgesetzt ist.“ Bereits in der letzten Legislatur sind entsprechende Anträge vom damaligen SPD-Senat abgelehnt worden. Die Grünen hatten sich enthalten und die freiwillige Vereinbarung ins Spiel gebracht.

Außerdem verweisen die Linken mit Blick auf die Senatsantworten zu Sicherheitsmängeln bei den Atomtransporten darauf, dass diese weiterhin auf hohem Niveau sind. Vor allem Transporte mit Thorium überschreiten oft die Grenzwerte und sind falsch deklariert.

Atomtransporte: Namibias Uran für Europas Atommeiler

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Hafen Hamburg: Atomtransporte zwischen Elbphilharmonie und Kreuzfahrtschiffen. Foto: Dirk Seifert

Erneut hat in Hamburg ein Atomtransport mit Uranerzkonzentrat (Yellow Cake) stattgefunden. Sechs Container mit dem radioaktiven Material, aus dem im weiteren Verlauf angereichertes Uran für Brennelemente zum Einsatz in Atommeilern hergestellt wird, kamen per Schiff über den Hafen. Die mit  CATU beschrifteten Container sind vermutlich mit der „Golden Karoo“ (Korrektur) „Green Mountain“ aus Namibia nach Hamburg gelangt. Von hier aus ging die strahlende Reise per Zug weiter. Vom Süd-West-Terminal zunächst nach Maschen und dann über Bremen, Osnabrück, Münster, Köln und Bonn weiter bis nach Südfrankreich. Ab Hamburg startete der Transport am 29.1. und passierte Köln-Bonn am frühen Morgen des 31.1.2015. In Narbonne beginnt dann in einem ersten Schritt die Umwandlung zum Atombrennstoff.

Über Atomtransporte aus Namibia wird auch hier im Überblick informiert.

Uranbergbau ist besonders riskant und bringt zahlreiche Umwelt- und Gesundheitsrisiken mit sich. In den Minen wird das radioaktive Radon in großen Mengen freigesetzt und eingeatmet. Rund um die Minen entstehen radioaktive Geröllhalden, der Staub wird mit dem Wind weiträumig verbreitet. Zum Auslaugen des Urans aus dem Gestein werden hochgiftige Chemikalien eingesetzt. Oft wird über schlechte Arbeitsbedingungen und fehlende oder geringe Schutzmaßnahmen berichtet. Die Minen in Namibia gehören zu den ältesten und größten der Welt.

Atommüll-Alarm: Radioaktives Uran in Bonn – Fahrtrichtung Atommüll

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Atomtransport in Bonn. Foto: AntiAtomBonn

webheader_atomalarm_originalgroesseSeit vorgestern ist erneut ein Atomtransporte mit Uranerzkonzentrat auf der Schiene von Hamburg aus unterwegs durch Deutschland in Richtung Frankreich. Nachdem er gestern mit seiner radioaktiven Fracht zur Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke von Hamburg aus u.a. Bremen, Osnabrück und Münster durchquerte, ging seine Reise heute über Köln und Bonn weiter. Die Bonner Anti-Atom-Gruppe hatte heute morgen die Durchfahrt in Bonn beobachtet und dazu eine Presseerklärung heraus gegeben. Die ist hiermit dokumentiert: „Dauergefährdung Atomtransporte

Erneut hat ein Güterzug mit atomarer Fracht das Stadtgebiet von Bonn überquert. Am frühen Morgen um 6.15h passierte der Zug mit 9 Containern Uranerzkonzentrat den Beueler Bahnhof. Das ist bereits der fünfte Urantransport innerhalb weniger Wochen, und zum wiederholten Male waren weder die Stadt Bonn noch die Bevölkerung informiert worden, so Herbert Hoting von der Initiative AntiAtomBonn. Erneut handelt es sich bei diesem Transport um Uranerzkonzentrat aus Kasachstan oder Usbekistan, das über St. Petersburg und den Hamburger Hafen zur Weiterverarbeitung in das südfranzösische Narbonne transportiert wird. Deutschland fungiert hierbei nur als Transitland, eine Belieferung der Urankonversionsanlage in Narbonne wäre aber auch über einen französischen Hafen möglich. Hoting fordert deshalb die rot-grüne Landesregierung auf, entsprechend ihrer Koalitionsvereinbarung aktiv zu werden, nach der „unnötige“ Atomtransporte verboten werden sollen.

In Frankreich wird das Uranerzkonzentrat (Yellow Cake) in das hochgiftige Uranhexafluorid umgewandelt, um es in dieser Form zur Urananreicherungsanlage nach Gronau bei Münster zu transportieren. Auch diese Transporte finden ohne vorherige Information der Bevölkerung oder der örtlichen Katastrophenschutz-behörden statt und werden auch nicht von Sicherheitskräften begleitet.

Ein Unfall mit diesen Substanzen in einer dicht besiedelten Region wie Bonn hätte verheerende Folgen für die Anwohner, so Hoting weiter. Das betrifft insbesondere sensible Einrichtungen wie Altenheime und Kindergärten, die umgehend evakuiert werden müssten. AntiAtomBonn kündigt an, erneut einen entsprechenden Antrag vorzubereiten, mit dem der Rat der Stadt Bonn aufgefordert wird, sich gegen Atomtransporte auszusprechen und vorherige Informationen darüber einzufordern.“

Vgl. Artikel ZEIT ONLINE vom 28. Mai 2014
http://www.zeit.de/hamburg/aktuell/2014-05/28/atom-zahl-der-sicherheitsmaengel-bei-atomtransporten-gestiegen-28114003/komplettansicht

Herbert Hoting, AntiAtomBonn, herbert.hoting@posteo.de

Atommüll-Alarm: 16 Uran-Container von Hamburg Richtung Frankreich

webheader_atomalarm_originalgroesse16 Container voller Uranerzkonzentrat (Yellow Cake) sind auf der Schiene seit letzter Nacht vom Rangierbahnhof Hamburg-Maschen aus auf dem Weg nach Südfrankreich. Kurz nach zwei Uhr morgens durchfuhr der Atomtransport Osnabrück. Die strahlende Reise geht weiter über Köln, Bonn entlang der Mosel und bis nach Narbonne. AtomkraftgegnerInnen beobachteten das Verladen zuvor im Hamburger Hafen und an weiteren Orten. Das Yellow Cake stammt vermutlich aus Usbekistan oder Kasachstan und wird in Frankreich für die Herstellung von Brennelementen zum Einsatz in Atomkraftwerken vorbereitet.

Immer wieder ist es in Hamburg und anderen Orten zu Protesten gegen die Atomtransporte gekommen. Bei Kontrollen im Hamburger Hafen hatte die Polizei in vielen Fällen Mängel festgestellt, auch zu Beförderungsverboten ist es immer wieder gekommen.

Atomtransporte Hamburg: Senat räumt Falschmeldung ein.

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Hamburger Senat räumt Falschmeldung ein: Uranerzkonzentrat aus Kasachstan lagert seit rund drei Wochen im Hamburger Hafen. AtomkraftgegnerInnen protestieren gegen Atomtransporte im Hamburger Hafen.

Während AtomkraftgegnerInnen im Hamburger Hafen heute gegen Atomtransporte protestieren, räumt der Hamburger Senat ein, dass er falsche Informationen über den Verbleibt von vier Containern mit radioaktivem Material veröffentlicht hat. AtomkraftgegnerInnen hatten gestern diese Container aus Kasachstan am Südwest-Terminal im Hamburger Hafen entdeckt, die laut Senats-Auskunft in einer Kleinen Anfrage längst Richtung Frankreich abtransportiert worden sein sollten. Das aber ist – wie die AtomkraftgegnerInnen feststellten –  falsch. Seit rund drei Wochen lagert das radioaktive Material im Hamburger Hafen auf dem Gelände der Firma C. Steinweg. Das Abendblatt meldet: „Senat räumt Fehler bei Atomtransport im Hafen ein„.

Der Senat hatte in der Antwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage mitgeteilt: “Vor diesem Hintergrund wurden die vier Container von der BGV am gleichen Tage zum Weitertransport freigegeben. Sie wurden mit der Bahn zu dem nächstmöglichen Termin abtransportiert. Für die zwischenzeitige Lagerung auf dem Süd-West-Terminal liegt eine Genehmigung gemäß § 7 Strahlenschutzverordnung vor.” (Drucksache 20/12462).

Das Abendblatt schreibt: „Jetzt räumte die Innenbehörde im Abendblatt ein, dass die Senatsantwort auf eine Anfrage der Linken falsch war. „Es trifft zu, dass wir leider in der Senatsantwort unzutreffend angegeben haben, die Container würden sich nicht mehr in Hamburg befinden. Da die Container durch die für Containersicherheit zuständige Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) für den Weitertransport freigegeben worden waren, ist man auf Behördenseite davon ausgegangen, dass die Container im Zeitpunkt der Beantwortung der Anfrage tatsächlich auf dem Weg waren“, heißt es in einer Stellungnahme der Innenbehörde von Senator Michael Neumann (SPD).“

Das aber war nicht der Fall: „Im Hafen habe der zuständige Mitarbeiter kurzfristig umdisponiert und die Container dabehalten. Eine Gefährdung sei damit nicht verbunden gewesen. Der Zwischenaufenthalt der Container sei genehmigt worden.“

Durch die Aktionen und Beobachtungen der AtomkraftgegnerInnen sind in den letzten Monaten zahlreiche Verstöße gegen Vorschriften und Sicherheitsmängel bei den Atomtransporten bis hin zu Beförderungsverboten öffentlich bekannt geworden, die sonst meist im geheimen stattfinden und die unbekannt bleiben.

Am 1. Mai wäre es in Hamburg beinahe zu einer Katastrophe gekommen, als die Atlantic Cartier mit 20 Tonnen Uran, Ethanol und anderen gefährlichen Stoffen in Brand geriet. 16 Stunden dauerte der Großeinsatz der Feuerwehr, bis der Brand unter Kontrolle war.

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