Konzern-Seilbahn Hamburg und Bürgerentscheid – Nein Danke

Fotomonage - Hamburger Hafen mit Seilbahn-Träger.
Fotomontage – Hamburger Hafen mit Seilbahn-Träger.

Hamburgs Tourismuszentrale leistet sich einen Bürgerentscheid. Am 24. August gibt es im Hamburg Bezirk Mitte einen Bürgerentscheid, bei dem über den Bau einer Seilbahn als Zulieferer für die Musicals auf der südlichen Elbseite entschieden werden soll. Wirtschafts-Verbände rufen die BürgerInnen zur Wahl. So war das mit mehr Bürger-Demokratie eigentlich nicht gemeint. „Unternehmer sponsern Bürgerinitiative“ schreibt die taz-hamburg.

„Die Bürgerinitiative „Ja zur Seilbahn“ hat ihre Finanzen offengelegt. Dabei bestätigte sich, was Seilbahn-KritikerInnen schon länger vermutet haben: Die Initiative erhält ihre Mittel – auf Umwegen – von genau den Unternehmen, welche die Seilbahn betreiben oder anderweitig von ihr profitieren wollen.“ Vor wenigen Tagen hatte das Bezirksamt Mitte die „Rechenschaftslegung“ veröffentlicht (hier als PDF).

Eine dringende Frage drängt sich auf: Wie lassen sich derart offenkundige Wirtschaftsinteressen aus dem Projekt „Mehr Bürgerdemokratie“ ausschließen? Schon beim Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ über die Rekommunalisierung der Energienetze von Vattenfall und E.on hatte sich z.B. die Handelskammer mit Millionenbeträgen gegen die Initiative gestellt und versucht, den Volksentscheid zu Fall zu bringen.

Katharina Schipkowski zeigt in der taz detailliert die Verflechtung der Initiatoren für die Seilbahn mit den dahinter stehen Unternehmen und Wirtschaftsverbänden auf. Maßgeblich dabei auch der Vorstand des Tourismusverbandes.

Die Seilbahn sorgt für viel Wirbel im vom Tourismus und zahllosen Großevents gebeutelten St. Pauli. Auch die Methoden der Seilbahn-Initiatoren werden schwer kritisiert. Erst vor wenigen Tagen hatten sie – kurz vor dem Bürgerentscheid nächste Woche – mit viel Medien-Tam-Tam versprochen: Kommt die Seilbahn gibt es Spenden der Betreiber für soziale Projekte. Erpressung war nur einer der Kritikpunkte.

Norbert Aust, langjähriger Partner von Corny Littmann beim Schmitts-Theater auf der Reeperbahn ist Vorsitzender des Tourismusverbandes. Nicht ganz so begeistert dürfte er nun sein, dass sein ehemaliger Mitstreiter bei der Seilbahn nun nicht mehr mitmachen will.

Die Mopo verkündet, dass sich Littmann nun in einem offenen Brief von dem Projekt distanziert habe und erklärt hat, mit Nein gegen das Projekt zu stimmen.

Unter anderem heißt es dort: „“Mit einigem Erstaunen habe ich zur Kenntnis genommen, dass ich in Ihren Publikationen (Internet & Print) und in der Hamburger Tagespresse mit Foto und Zitat als einer der prominenten Hamburger Unterstützer Ihres Seilbahnprojekts erwähnt werde. Ich kann mich nicht erinnern, Ihnen dieses Zitat oder ein Foto zur Veröffentlichung und zur Unterstützung Ihrer Initiative zur Verfügung gestellt zu haben.“ Und Littmann schreibt außerdem: „Mein zweites grundsätzliches Bedenken richtet sich gegen die alleinige private Betreiberschaft. Ein neues, umweltfreundliches und dazu noch touristisch attraktives Verkehrsmittel gehört nach meiner Meinung in die Hände des Hamburger Verkehrsverbundes, die HADAG-Schiffe nach Finkenwerder sind hierfür ein gutes Beispiel.

So sehr ich also prinzipiell die Idee einer Seilbahn befürworte, so skeptisch bin ich aus den genannten Gründen gegenüber Ihrem Projekt. Deshalb werde ich beim Bürgerentscheid mit ,Nein‘ stimmen.““

Da wird offenbar mit allen Tricks gearbeitet – auch mit unlauteren. Darauf musste auch das Hamburger Abendblatt jüngst hinweisen: „Werbung für Seilbahn mit falschem Versprechen?“ fragte das eher wirtschaftsnahe Blatt und brachte diverse Vorwürfe gegen die Werbekampagne der Seilbahn-Initiatoren: „In Wilhelmsburg heißt es auf Plakaten „Künftig schweben wir zum Dom“. Gondeln sind aber nur zwischen St. Pauli und Steinwerder geplant“ und stellte fest: „Die SPD startet eine Aktion gegen das Projekt.“

Aktiv sind auch Leute aus dem Stadtteil. Keine Seilbahn über Hamburg heißt die Initiative, die gerade ein paar Fotomontagen hergestellt hat, um die baulichen Veränderungen durch die Seilbahn zu veranschaulichen (siehe oben und hier weitere Beispiele).

„Warum wir diese Seilbahn nicht brauchen“ heißt der Titel eine Veranstaltung, die am kommenden Mittwoch, dem  20.08.2014 um 19 Uhr  im Jugend- und Kulturzentrum am Stintfang stattfinden wird. Organisiert und durchgeführt wird diese von den Anwohnerinnen und Anwohnern, die sich ganz klar gegen die geplante Seilbahn der Stage aussprechen.

 

Atomtransporte Hamburg: Dreckiges Namibia-Uran auf dem Weg zu hochradioaktivem Atommüll

Urangestein-Wismut-2014-Ippnw-TagungInsgesamt 36 Container mit radioaktivem Uranzerkonzentrat, so genanntem Yellow Cake lagern derzeit im Hamburger Hafen. AtomkraftgegnerInnen hatten diese geheimen Atomtransporte erneut vor einige Tagen im Hamburger Hafen entdeckt. 14 Container haben ihren Ursprung in Namibia, wo das Uran aus sogenannten Open-Pit-Minen wie der „Rössing“ oder der „Langen Heinrich“ im Tagebau aus der Erde geholt wird. Das geht nur mit massiven Umweltzerstörungen und mit hohen gesundheitlichen Risiken für die Bergarbeiter und die AnwohnerInnen. Was mit Umweltzerstörung beginnt wird nach einer Weltreise über zahlreiche Atomanlagen zu hochradioaktivem Atommüll. Was mit dem geschehen soll, weiß weltweit kein Mensch.

Mehr Infos auf umweltFAIRaendern zu den Atomtransporten in Hamburg

Hamburg und Uran aus Namibia

Die Grube der Rössing-Mine bei Swakopmund: Foto: Ikiwaner http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Ikiwaner
Die Grube der Rössing-Mine bei Swakopmund: Foto: Ikiwaner

Die Bilder von Tagebau-Minen wie der Rössing sind grausam: Riesige und tiefe Löcher sind in die Erde gegraben, täglich werden sie größer. Gunter Wippel vom Uranium Network schreibt in einer Mail an umweltFAIRaendern: „Der Rössing-Tagebau ist eine der größten open-pit-Minen der Welt, 3,5 Kilometer lang, 1,5 Kilometer breit und über 300 Meterm tief, mitten in der Namib-Wüstenregion.“

Nicht nur die radioaktive Strahlung durch das Uran wird beim Tagebau an die Oberfläche gefördert. In hohem Masse wird auch das radioaktive Radon als Gas freigesetzt.Die Rössing-Mine ist eine der größten der Welt. Mit schwerem Gerät und Sprengstoff werden hunderttausende Tonnen uranhaltiges Getein aus der Erde gefördert. Am Rande der Mine wird das Uran mit hochgiftigen Chemikalien und enormen Wassereinsatz aus dem Stein gelöst. So entsteht das Uranerzkonzentrat, wegen seiner Farbe auch Yellow Cake genannt. Rio Tinto, ein Rohstoff-Gigant, ist Eigentümer der Rössing- Mine.

Nur rund 0,5 Prozent beträgt der Anteil des Urans im gesamten Gestein, das aus der Erde gesprengt und von den Minenarbeitern verladen und verarbeitet wird. So entstehen riesige und immer noch strahlende Abraumhalden rund um die Mine herum. „Rössing war bereits mehrfach in der Kritik wegen der radioaktiven Kontamination der Umwelt, die von dem Bergwerk und insbesonderen von den Millionen Tonnen Abraum-Halden und Schlammrückhaltebecken ausgehen“, berichtet Wippel und verweist auf eine Studie des Labour Resource and Research Institute (LaRRI) (PDF) vom Februar 2009. Darin wird über die schwerwiegenden Gesundheitsfolgen bei den Bergarbeitern berichtet.

Es ist an vielen der Uranminen das Gleiche, – im nordafrikanischen Niger, wo AREVA das Uran für seine Atomkraftwerke herbekommt oder eben bei Rössing in Namibia: Umweltschäden und gesundheitliche Folgen: Die Minenbetreiber haben damit nichts zu tun und in keinem Fall ist die Radioaktivität und der schlechte Schutz dafür verantwortlich.

Auch darauf weist Wippel hin: „Die medizinische Versorgung der Bergarbeiter läßt viele Fragen offen – sie haben bis heute keinen Einblick in ihre Gesundheitsakten und müssen sich an Ärzte weit außerhalb wenden, um eine unabhängige Einschätzung ihres Gesundheitszustandes zu erhalten; es wird immer wieder berichtet, daß Bergarbeiter an „unerklärlichen Krankheiten“ sterben, kurz nachdem sie entlassen worden sind, weil sie als nicht mehr „fit for work“ befunden worden waren.“

Immer mehr Studien (Links siehe unten) liefern inzwischen deutliche Hinweise, dass der Uranbergbau katastrophale Folgen hat. Erst im Frühjahr 2014 wurden im Rahmen des EJOLT Projektes (EJOLT = Environmental Justice Organisation, Liabilites and and Trade), das von der EU finanziert wird, zwei Berichte veröffentlicht, die auf die zunehmende radioaktive Verseuchung in der Umgebung des Rössing Bergwerkes hinweisen: So ist der Gehalt von Uran im Wasser unterhalb des Bergwerks 2.155-fach erhöht gegenüber Werten oberhalb des Bergwerkes, auch die Konzentration von Schwermetallen ist erheblich erhöht – beides stellt eine massive Gefahr für die Gesundheit dar.

Wippel weiter: „Bezüglich der Gesundheitssituation der Bergarbeiter bestätigten sich die Befunde von 2009: Die Arbeiter werden über ihre Gesundheits- bzw. genauer gesagt, Krankheitssituation im Dunkeln gelassen, bis sie zu krank sind, um weiterzuarbeiten – erst dann werden sie in Kenntnis gesetzt – und so manche sterben bald darauf. Umfassende Gesundheitserhebungen gibt es nicht – sie werden von dem EJOLT-Bericht massiv angemahnt.“

Über den 80 Kilometer entfernten Hafen von Walvis-Bay wird das Yellow Cake auf Schiffe wie die „Green Mountain“, registriert auf den Marshall Islands, weiter transportiert. Regelmäßig ist das 200 Meter lange Schiff im Hamburger Hafen. Nicht nur Uran aus Namibia ist dann an Bord. Auch Touristen können sich gleicht hinter der radioaktiven Fracht für eine Passage einmieten. Buchbar über die Globoship – Globetrotter Tours AG in Bern (PDF).

Weltreise auf dem Weg zum hochradioaktiven Atommüll

Von Namibia über Hamburg geht es zunächst quer durch Niedersachsen, NRW und Rheinland-Pfalz bis nach Narbonne in Südfrankreich. Dort wird das Yellow Cake für die Herstellung von Uranhexafluorid (UF6) vorbereitet. Von Narbonne geht es in eines der größten französischen Atomzentren rund um Pierrelatte an der Rhone bei Avignon. Hier entsteht in der einzigen westeuropäischen Anlage das UF6. Nicht nur leicht radioaktiv, sondern nun auch durch das Fluor chemisch hochgefährlich. Erst in diesem chemischen Zustand kann der nächste wichtige Schritt erfolgen: Die Anreicherung des spaltbaren Uran 235. Bislang besteht dieser Anteil im Natururan/Yellow Cake nur rund 0,7 Prozent. Für die Atomkraftwerke in aller Welt zu wenig, die brauchen einen Anteil von 3 – 5 Prozent.

Während Frankreichs Atomkonzern AREVA direkt vor Ort das Uran anreichert, geht ein Teil des UF6 wiederum auf Reise: Eines der Ziele ist die Urananreicherungsanlage der URENCO im westfälischen Gronau. Andere Reiseziele sind die ebenfalls zu URENCO gehörenden Anreicherungsanlagen in Almelo (Niederlande) oder Capenhurst (England). Hier wird das Uran235 in Gas-Zentrifungen hergestellt. Eine Technik, die auch die Herstellung von atomwaffenfähigem Uran ermöglicht.

Das das Uran235 nur zu rund 0,7 Prozent in dem UF6 enthalten ist, wird es nun durch die Rotation in den Zentrifugen vom nicht-spaltbaren Uran 238 getrennt. So entsteht auf der einen Seite das „Produkt“ – auf der anderen Seite in großen Mengen das abgereicherte Uran. Eigentlich ist das Atommüll. Aber die URENCO darf ganz legal nach Atomgesetz dieses Material als Wertstoff behandeln – und damit an dern Atommüllentsorgung vorbei schleusen.

Das „Produkt“ ist nun angereichertes UF6 und die Reise geht weiter. Um nun die Brennelemente herzustellen muss das UF6 zu Urandioxid umgewandelt werden. Daraus werden dann die so genannte Pellets hergestellt, kleine Zylinder, die in Brennstäben aufgereiht und gebündelt werden. Das erfolgt z.B. in Lingen (Niedersachsen bei der zum AREVA-Konzern gehörenden Advanced Nuklear Fuels (ANF). Oder in Schweden oder den USA oder in Japan. Sind die Brennelemente z.B. in Lingen hergestellt, geht es zu den Atomkraftwerken in aller Welt. In Deutschland oder der Schweiz werden die Atommeiler meist per LKW mit den frischen Brennelementen versorgt. Ansonsten geht es per LKW z.B. wieder in den Hamburger Hafen und von dort per Schiff in alle Welt.

Bis zu diesem Teil der Reise erklären Behörden, Landesregierungen jeglicher Couleur, Atomkonzerne und viele Experten, dass ja alles gar nicht so schlimm sei, weil es sich um schwachradioaktives Uran handelt. Harmlos eigentlich. Auch Behörden in Hamburg oder in Kiel betonen das gern. Ausgeblendet bleibt, was mit dem Uran schließlich gemacht wird:

In den Atomreaktoren – mit dem jederzeitigen Risiko einer Atom-Katastrophe – wird das Uran zur Kernspaltung eingesetzt und zu hochradioaktiven Atommüll verwandelt, der derart gefährlich ist, dass er mindestens eine Million Jahre lang von Mensch und Umwelt abgeschirmt werden muss. Was mit gravieren Umwelt- und Gesundheitsschäden in Namibia beim Uranbergbau begann ist jetzt zu einem bis heute ungelösten Problem der Menschheit geworden – zugunsten der Profite einiger Konzerne.

Quellen zu den von Gunter Wippel genannten Studien:

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