Wismut AG: Alles strahlt weiter – Fachtagung der internationalen Ärzteorganisation IPPNW in Ronneburg
Zu den „GESUNDHEITLICHEN AUSWIRKUNGEN BEIM URANBERGBAU“ hat die internationale Ärzteorganisation IPPNW vom 19. bis 22. Juni 2014 in Ronneburg eine Fachtagung durchgeführt. Ronneburg? Genau: Da ist die Wismut AG drum herum und da sind die riesigen radioaktiven Abraumhalden aus fast 40 Jahren Uranbergbau in Deutschland (Ost). Seit den 90er Jahren läuft dort eine Sanierung der Umweltkatastrophe, die die SteuerzahlerInnen mindestens sieben Milliarden Euro kosten wird und die noch lange nicht abgeschlossen ist. Und nicht nur Umweltschäden bleiben: Tausende Bergbaukollegen haben für das Uran ihre Gesundheit ruiniert und sind gestorben. Bis heute werden die Folgen der Niedrigstrahlung weltweit unterschätzt. Grund, für die Ärtzeorganisation, die Risiken weiter zu untersuchen.
Auf der Seite „Nuklear Risks“ dokumentiert die IPPNW umfänglich das Programm der Fachtagung in Ronneburg. Dort lassen sich die Vorträge nachlesen und als PDF-Dateien downloaden. Außerdem finden sich dort Fotos und ein Video.
U.a. heißt es in einer Pressemitteilung der IPPNW zur Wismut und zur Tagung: „Die Schäden für Menschen und die Umwelt waren und sind bisheute immens. Ganze Landstriche wurden verwüstet. Über 100 Millionen Tonnen radioaktive Abfälle hat die Wismut in Thüringen und Sachsen hinterlassen. Zehntausende Bergleute sind an Silikose gestorben, tausende an Bronchialkarzinom, ausgelöst durch das radioaktive Radon in den Gruben. Bedingt durch die langen Latenzzeiten zwischen Krebsauslösung und Ausbruch der Krankheiten geht das Sterben auch heute noch 25 Jahre später weiter.“
Die rot-grüne Landesregierung in NRW verweigert die weitere Genehmigung zur Lagerung von 152 Castor-Behältern mit hochradioaktiven Brennelemente-Kugeln am ehemaligen Atomforschungszentrum in Jülich. Darüber berichten u.a. die Westfälischen Nachrichten. Auch nach einer zweimaligen Notverordnung konnte der Betreiber die erheblichen Sicherheitsmängel bis heute nicht beseitigen. Wegen der weiterhin fehlenden Erdbebensicherheit hat jetzt das zuständige Wirtschaftsministerium die weitere Lagerung in Jülich untersagt. Nur: Was mit dem Atommüll jetzt passieren soll, hat sie vergessen zu erwähnen. Den es gibt eigentlich auch sonst keinen wirklich sicheren Ort, wo das atomare Erbe aus dem Versuchsreaktor gelagert werden könnte. Immer mehr steht die atomare Entsorgung vor dem Kollaps.
Denn nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Schleswig ist auch die Sicherheit der Castor-Lager an den AKW-Standorten nicht gewährleistet. Im Sommer 2013 hatte das Gericht die Genehmigung für das Castor-Lager am Vattenfall-AKW Brunsbüttel aufgehoben und erklärt, dass Sicherheitsnachweise entweder falsch oder mangelhaft erbracht worden sein. Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig, weil Betreiber und die Genehmigungsbehörde, das Bundesamt für Strahlenschutz auf eine Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht klagen. Doch allzu groß sind die Hoffnungen nicht, dass diese Klage Erfolg haben wird. Bestätigt das BVerwG das Schleswiger Urteil, dann befindet sich die gesamte Atommülllagerung von hochradioaktiven Abfällen quasi im „rechtsfreien Katastrophenzustand“. Auch für die Castor-Halle in Esenshamm steht noch ein Urteil im Verfahren um Sicherheitsmängel aus, das am OVG in Lüneburg anhängig ist.
Wie umfangreich und gravierend die aktuellen Atommüllprobleme sind, zeigt auch ein interner Bericht aus Baden-Württemberg. Dort wird zusätzlich zu den wachsenden Mängeln bei den hochradioaktiven Abfällen auch das Desaster bei dem leicht- und mittelaktiven Atommüll ausführlich dargestellt (Die Anti-Atom-Initiativen haben eine Atommüllbilanz als Sorgenbericht vorgelegt, siehe dazu unten.).
Auch das Zwischenlager in Ahaus, unweit von Jülich und ebenfalls in NRW gelegen, dürfte diese Sicherheitsmängel haben. Dennoch dürfte die Landesregierung nun die Einlagerung der Jülich-Castoren in Ahaus auf die Tagesordnung setzen . 152 Transporte mit hochradioaktiven Brennelementen müssen dann auf den Autobahnen von Jülich nach Ahaus transportiert werden – von einem unsicheren Zwischenlager zum nächsten unsicheren Zwischenlager.
Vor allem diese Transporte hatte die rot-grüne Landesregierung im Koalitionsvertrag ausgeschlossen. Der Atommüll in Jülich sollte nur noch einmal transportiert werden – nämlich in ein Endlager. Das gibt es bis heute nicht und der Jülich-Betreiber hat die erforderlichen Sicherheits-Nachrüstungen bis heute nicht auf die Reihe bekommen. NRW ist auch die zuständige Atomaufsichtsbehörde und muss sich daher auch fragen lassen, wie das eigentlich passieren konnte.
Weil es für die Entsorgung dieses Atommülls keinerlei Konzepte und schon gar kein Endlager gibt, hatte die rot-grüne Landesregierung in den letzten Jahren verstärkt an einer weiteren Lösung gearbeitet, die die beteiligten Parteien sonst immer ausgeschlossen hatten. Der Atommüll soll möglichweise zur vermeintlichen „Wiederaufarbeitung“ in die USA abgeschoben werden.
Während von Atommüll-Standort zu Atommüll-Standort die offiziell als Zwischenlagerung deklarierte Aufbewahrung hochradioaktiver Abfälle angesichts bestehender Sicherheitsmängel oder falscher Nachweise zusammenbricht, sitzt in Berlin eine Kommission, die sich um ein künftiges Endlager Gedanken machen soll. Ob man sich in dieser Kommission auch über die heutigen Probleme mit den radioaktiven Abfällen Gedanken machen wird, steht noch in den Sternen. Umweltverbände haben das als dringend erforderlich verlangt, konnten sich damit aber gegen einen Parteien-Konsens von Grünen, SPD, CDU/CSU und FDP nicht durchsetzen. Rechtlich soll sich die mit dem Standort-Auswahl-Gesetz eingesetzte Such-Kommission nur um Endlager-Möglichkeiten kümmern, nicht aber um die heute akuten Probleme. Dabei gäbe es wahrlich genug zu tun. Auf der letzten und zweiten Sitzung diskutierte der Kreis erstmal in aller Ausführlichkeit eine Geschäftsordnung.
Uranhexafluorid (UF6) auf einem LKW aus der Uranfabrik Gronau im Hamburger Hafen. Foto: ZDF
Tausende Atomtransporte rollen weiterhin über Autobahnen, Landstraßen und Schienen. Für viele dieser Transporte mit radioaktiven Stoffen ist der Hamburger Hafen eine bedeutsame Drehscheibe. Über diesen Hafen kommen und gehen diese Stoffe zu Atomanlagen in aller Welt – darunter auch die Uranfabriken in Gronau und Lingen. Selbst wenn das letzte AKW in der Bundesrepublik abgeschaltet ist, werden sie weiterhin Brennstoff für Atommeiler in Europa, Asien und den USA herstellen. Eine Dokumentation über „Deutschlands geheime Atomtransporte“ ist heute beim ZDF in der Sendereihe „planetE“ gezeigt worden.
Während das AKW Grohnde nach heftigen Auseinandersetzungen über Sicherheitsmängel am letzten Freitag Abend die Zustimmung zur Wieder-Inbetriebnahme erhalten hat, geht nun das AKW Brokdorf in Schleswig-Holstein in Revision und vom Netz (alles zum Thema AKW Brokdorf auf dieser Seite). Erneut sollen dabei auch die besonders gefährlichen Plutonium-Brennelemente (MOX) eingesetzt werden. Das teilte das von den Grünen geführte Energieministerium in Schleswig-Holstein mit. Der Atommeiler an der Unterelbe darf nach der Katastrophe von Fukushima und der danach erfolgten Befristung im Atomgesetz noch bis Ende 2021 riskanten Atomstrom und Atommüll produzieren (die PM in vollem Wortlaut unten). Zuletzt kam es am 10. Juni in Brokdorf zu einem Zwischenfall: Leckage in der Entlüftungsleitung eines Motorluftkühlers im Kernkraftwerk Brokdorf
E.ons Mitarbeiter engagieren sich derweil munter privat für die Atomenergie. Sie haben jetzt laut SHZ „erste Bürgerinitiative pro Kernkraft gebildet. Eine Gruppe von bislang rund 15 Personen, etwa die Hälfte von ihnen Mitarbeiter an den Standorten Brokdorf und Brunsbüttel, will der Kernenergie wieder eine Stimme geben. Wortführer sind der Münsterdorfer Hauke Rathjen und der Itzehoer Physiker Dr. Roland Wink. „Wir stellen die Energiewende nicht in Frage“, versichert Rathjen. Man wolle vor allem aber „zur Versachlichung der Diskussion beitragen“. Ausdrücklich versteht sich die Gruppe als Gegengewicht zu den Aktivisten von „Brokdorf akut“, die nach Ansicht der Initiative MIT Kernenergie „häufig mit Unwahrheiten operiere““. Rathjen und Wink sind E.on Mitarbeiter aus dem AKW Brokdorf.
Die Beschäftigten in den Atommeilern beschweren sich auch bei E.on: „Heute aber sei das in der Politik kein Thema mehr. Gleichzeitig hat Brokdorf-Betreiber Eon die Öffentlichkeitsarbeit praktisch eingestellt.“
Vor allem aber treibt die Atom-Angestellten die Sorge um einen Strom-Blackout um. Der SHZ erklärten Wink und Rathjen: Verwundert „registrieren die Sprecher dabei auch, dass die Öffentlichkeit von einer durch den Netzbetreiber erzwungenen Verschiebung der Revision im Kernkraftwerk Brokdorf kaum Notiz genommen habe. „Dabei werden wir schon gefragt, ob mit einem Blackout in Norddeutschland zu rechnen sei.“ Offenbar gehe es derzeit ohne Atomkraftwerke gar nicht. Tatsächlich hatte Netzbetreiber TenneT den für 14. Juni geplanten Start der Revision auf der Grundlage des Energiewirtschaftsgesetzes schlicht untersagt. Für MIT Kernenergie ein bislang einmaliger Vorgang – und ein klarer Beleg dafür, dass „die Sicherheit der Stromversorgung bei einem Stillstand in Brokdorf derzeit nicht gewährleistet werden kann.“ Nun soll der Meiler erst morgen abgeschaltet werden. Die erheblichen Kosten für die Verschiebung müsse die TenneT tragen, die diese wiederum an die Stromkunden weitergebe. Mit anderen Worten: „Der Verbraucher muss nun auch noch dafür bezahlen, dass der dringend benötigte Atomstrom weiter fließen kann.““
Pressemitteilung vom Energieministerium Schleswig-Holstein zur Revision im AKW Brokdorf 2014
„Kernkraftwerk Brokdorf zur Jahresrevision vom Netz BROKDORF/KIEL. Das Kernkraftwerk Brokdorf soll morgen (21. Juni) zum jährlichen Brennelementwechsel und der damit verbundenen Revision vom Netz genommen. Wie innerhalb jeder Revision werden umfangreiche Prüfungen, Instandhaltungsarbeiten und Maßnahmen zum Erhalt und zur Erhöhung der Sicherheit der Anlage durchgeführt. Die Atomaufsicht des Energiewendeministeriums wacht darüber, dass alle Sicherheitsanforderungen eingehalten werden, die durch Rechtsvorschriften oder behördliche Auflagen festgelegt worden sind.
Aufgrund von Befunden in anderen Kernkraftwerken werden umfangreiche Untersuchungen an Drosselkörpern durchgeführt, wodurch sich die Revisionsdauer gegenüber den ursprünglichen Planungen um einige Tage verlängern wird. Während des diesjährigen Anlagenstillstandes soll der Reaktordruckbehälter mit 40 neuen Brennelementen, davon 12 Mischoxid (MOX)-Brennelemente, beladen werden. Hierzu und zum Umsetzen von bestrahlten und unbestrahlten Brennelementen ist es notwendig, den Reaktordruckbehälter zu öffnen. Dieses erfolgt, dem Fortgang der Arbeiten entsprechend, in den ersten Tagen der für gut drei Wochen geplanten Revision. Im Laufe der Revision werden unter anderem auch wieder Funktionsprüfungen an Ventilen im nicht-nuklearen Wasserdampfkreislauf durchgeführt. Dabei kann es zum Austritt von reinem Wasserdampf kommen.
Sämtliche Arbeiten werden von der Atomaufsicht des Energiewendeministeriums intensiv kontrolliert. Die Einhaltung der Grenzwerte, die Ableitungen mit Luft und Wasser sowie die durch den Brennelementwechsel der Anlage bedingte Strahlenexposition von Personal und der Bevölkerung werden dabei auch überwacht. Sachverständigenorganisationen wie TÜV Nord, Energiesysteme Nord und Zerna wird das Ministerium im erforderlichen Umfang hinzuziehen.
Hintergrund zu den Drosselkörpern: Drosselkörper dienen zur Strömungseinstellung im Reaktorkern. Im Kernkraftwerk Grohnde (Niedersachsen) wurden kürzlich an neun von insgesamt 132 Drosselkörpern gebrochene Druckfedern festgestellt. Sämtliche Drosselkörper – auch die befundfreien – werden dort in den nächsten beiden Jahren vorbeugend getauscht.“
Geht vorerst nicht wieder ans Netz: Bürgerinitiativen sorgen für längere Abschaltung. Foto: AKW Grohnde, Dirk Seifert
UPDATE 21-6-2014: Das Atomkraftwerk (AKW) Grohnde im Landkreis Hameln-Pyrmont darf wiederangefahren werden, meldet der NDR. „Das hat das niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz am späten Freitagabend entschieden. Das Ministerium hat nach eigenen Angaben die Zustimmung erteilt, da der Betreiber E.ON die Fragen der Atomaufsicht zu den umstrittenen Reparaturen beantwortet und nachgewiesen hat, dass alle Arbeiten ordnungsgemäß ausgeführt und dokumentiert wurden. Außerdem habe der TÜV bestätigt, dass alle Reparaturen sachgerecht ausgeführt wurden. Die Staatsanwaltschaft, die von Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) in diesem Fall eingeschaltet wurde, sieht zudem keinen Anfangsverdacht und wird daher keine Ermittlungen aufnehmen.“
„Der Atomreaktor Grohnde bei Hameln bleibt vorerst abgeschaltet. Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) stoppte am Donnerstag das für Freitag geplante Wiederanfahren des Atomreaktors, nachdem ein Atomkraftgegner aus Ostwestfalen-Lippe Beschuldigungen gegen den Betreiber e.on erhoben hatte“. So ist es aktuell im Göttinger Tageblatt zu lesen. Hier auf der Seite des Umweltministeriums. Bürgerinitiativen hatten in den letzten Tagen massiv Druck gemacht und u.a. über 4.000 Unterschriften für die Stilllegung des maroden Atommeilers übergeben.
Zuvor waren während der Revision ein aus bislang ungeklärten Gründen defekter Generator und zahlreiche defekte Drosselkörper für die Regelung der Brennelemente gefunden worden. Zuletzt hatten die AtomkraftgegnerInnen darauf hingewiesen, dass der Reaktor möglicherweise ohne vorgeschriebene Explosionsdokumente, die nach einer EU-Richtlinie vorschgeschrieben sind – morgen wieder in Betrieb gehen sollte. Sie hatten deshalb Anzeige erstattet und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.
Moniert wird konkret: Die Umstände des Schadens am wasserstoffgekühlten Generator im AKW Grohnde wurden bisher nicht aufgeklärt und es existiert kein Explosionsschutz im nicht-nuklearen Bereich des AKW Grohnde. Beim Umweltministerium angeforderte Nachweise, die das Gegenteil belegen sollen, bleiben aus. Der Generator, der sich im Maschinenhaus des AKW Grohnde befindet, wird mit Wasserstoff gekühlt – ein Gefahrstoff. Bei Wasserstoff handelt es sich um ein extrem entzündbares Gas. Beim Mischen mit Luft ab 4 Volumen% ist Wasserstoff entzündlich, was in der Umgebung des Generators und dessen Zuleitungen und Versorgungsstationen schnell erreicht werden kann. Bei einer Konzentration von 18 % in der Luft ist Wasserstoff sogar explosiv, heißt es in einer Mail an die Staatsanwaltschaft. Diese hat umgehend die zuständige Gewerbeaufsicht eingeschaltet.
Auch aus grünen Partei-Kreisen wurde in den letzten Tagen die Forderung immer lauter, den Reaktor nicht wieder in Betrieb zu nehmen. Schließlich forderte sogar der Landrat die Abschaltung. Landrat Tjark Bartels bemängelt die Informationspolitik von e.on, hieß es in der DeWeZet und weiter: „Sorge bereite aber, dass die technischen Probleme im nuklearen Teil bis heute nicht erklärt werden können und auch nicht transparent gemacht wurde, welches Gefährdungspotential damit verbunden ist. „Der Betreiber erklärt uns beständig, dass die eingesetzte Technik lange erprobt sei und jeder erdenkliche Fall mehrfach abgesichert sei, da darf man doch wohl zu recht irritiert sein, warum in diesem Falle noch immer keine schlüssige Erklärung für die fehlerhaften Teile geliefert werden könne“, so Bartels, und weiter „wir warten im Landkreis auf das Abschalten des Kraftwerkes und wären selbstverständlich froh, wenn es gar nicht mehr zu einem Anfahren käme und der Meiler damit einige Jahre früher als geplant vom Netz ginge. Es gibt sicherlich nur wenige Menschen im Landkreis Hameln-Pyrmont, die nicht mit Jubel auf die Abschaltung reagieren würden.“
Nun hat Umweltminister Stefan Wenzel reagiert und die von E.on geforderte Zustimmung zum Wiederanfahren des Atomreaktors vorerst verweigert.
Bürgerinitiativen überreichen Unterschriften und fordern Stilllegung: „AKW Grohnde abreißen statt wieder anfahren“ – weitere gravierende Mängel während der Revision nur notdürftig geflickt – Mit einer Aktion „AKW Grohnde abreißen statt wieder anfahren“ haben Vertreter von Bürgerini-tiativen aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen dem niedersächsischen Umweltminister Wenzel (GRÜNE) heute, 24 Stunden vor der von e.on geplanten Wiederinbetriebnahme des AKW, mehr als 4.000 Unterschriften für die Stilllegung des umstrittenen Reaktors überreicht.
Gleichzeitig nehmen die Turbulenzen zu: Die Stadtwerke Bielefeld, zu 16,7% am AKW beteiligt, vermelden einen Gewinneinbruch, Hameln-Pyrmonts Landrat Bartels äußert angesichts der Infor-mationspolitik des Betreibers Zweifel an der Sicherheit und jüngsten Informationen hat sind während der Revision weitere gravierende Mängel festgestellt, aber nur notdürftig geflickt worden. Auch innerhalb der GRÜNEN Partei nimmt die Kritik zu.
Im Namen vieler Menschen aus NRW überreichte Karsten Schmeißner (Klimaforum Detmold) Unterschriften aus Ostwestfalen-Lippe: „Die betroffenen Menschen erwarten mit aller Dringlichkeit von der Atomaufsicht, ihren Ermes¬sensspielraum nicht wie bisher üblich im Interesse der Betreiber, sondern endlich im Sinne eines wirksamen Bevölkerungsschutzes zu nutzen.“ Er berichtete von der mit dem Alterungsprozess einhergehenden Sorge vieler Menschen um ihre Sicherheit. „Ihre Befürchtung, dass bei den Betreibern die wirtschaftlichen Interessen im Vorder-grund stehen, sind gerade erst wieder bestätigt worden durch den Vorschlag, die noch im Betrieb befindlichen AKW und somit die finanziellen Konsequenzen … an den Staat zu übertragen.“ Zwar habe man durchaus zur Kenntnis genommen, dass der Minister diesen Aspekt mehr in den Fokus nehme, es dürfe aber nicht bei Ankündigungen bleiben und die zur Beseitigung der Schwach¬stel-len des AKW Grohnde erforderlichen Arb eiten müßten dringend durchgeführt werden. Dies zu veranlassen liege im Ermessen der Atomaufsicht. (nachfolgend: Im Wortlaut)
Weitere Unterschriften aus Niedersachen und dem Internet überreichte Joachim Müller-Blanck aus Gehrden bei Hannover. Müller-Blanck kritisierte das Verhalten des Ministers beim Generator-scha¬den. Es reiche nicht aus, zu sagen: Dafür bin ich nicht zuständig, ohne sich um die Ursache und Folgen des Schadens zu küm¬mern. Als Mitglied der GRÜNEN sei er auch persönlich enttäuscht vom GRÜNEN Umweltminister, ergänzte Müller-Blanck und verwies auf eine wachsende Zahl GRÜNER Gliederungen, die jetzt die endgültige Stilllegung forderten.
„Ob es im Falle des Wiederanfahrens des Reaktors zu spontanen Protesten kommt, wissen wir nicht“, erklärt Peter Dickel, „aber als Regionalkonferenz AKW Grohnde abschalten rufen wir nicht dazu auf. Da wir die Ursachen des Generatorschadens und der weiteren gravierende Mängel nicht kennen, müssen wir davon ausgehen, dass das Wiederanfahren eine kritische Situation ist und wir können niemandem zumuten, sich dieser Gefahr auszusetzen.“
Die Regionalkonferenz wird das weitere Vorgehen am kommenden Samstag, dem 21. Juni, 11.00 Uhr in Hannover (ver.di-Höfe, Goseriede 10) beraten. Rückfragen: Peter Dickel 0174 – 3576821 dickel@ag-schacht-konrad.de
Im Wortlaut:
Stellungnahme zur Unterschriften-Übergabe an Minister Wenzel am 19.6.2014 in Hannover von Karsten Schmeißner, Klimaforum Detmold und Ratsmitglied der GRÜNEN
„Guten Tag Stefan Wenzel, im Namen vieler Menschen aus NRW überreiche ich hier eine Sammlung von Unterschriften. Diese Menschen wohnen im Bereich Ostwestfalen-Lippe, nicht weit vom Atomkraftwerk Grohnde entfernt. In Gesprächen mit ihnen wird eines ganz deutlich: Sie machen sich Sorgen um ihre Sicherheit. Und je älter dieser Meiler wird, desto größer wird auch ihre Sorge. Ihre Befürchtung, dass bei den Betreibern die wirtschaftlichen Interessen im Vordergrund stehen, sind gerade erst wieder bestätigt worden durch den Vorschlag, die noch im Betrieb befindlichen AKW und somit die finanziellen Konsequenzen während der Restlaufzeiten und des späteren Rückbaus an den Staat zu übertragen. Die betroffenen Menschen haben durchaus vernommen, dass es dir, Stefan Wenzel, sehr am Herzen liegt, den Alterungsaspekt der Anlage in Grohnde mehr in den Fokus zu nehmen. Es wird aber in diesem Zusammenhang ganz eindringlich von dir als Chef der Atomaufsicht gefordert, dass es nicht bei dieser Ankündigung bleiben darf. Die erforderlichen Maßnahmen, die zur Beseitigung der Schwachstellen des AKW Grohnde dringend durchgeführt werden müssen, liegen laut eines uns vorliegenden Gutachtens sehr im Ermessen des Umweltministeriums.
Die betroffenen Menschen erwarten mit aller Dringlichkeit von der Atomaufsicht, diesen Ermes-sensspielraum nicht wie bisher üblich im Interesse der Betreiber sondern endlich in ihrem Sinn, nämlich im Sinne des Bevölkerungsschutzes, zu nutzen. Denn wenn der Betreiber all diese Maßnahmen unverzüglich umsetzen muss, ist ein wirtschaftlicher Betrieb des AKW Grohnde nicht mehr zu erwarten, und der Betreiber wird aus eigenem Antrieb den Betrieb einstellen. Erst dann ergibt sich der wirksamste Schutz für die hier lebenden Menschen: die endgültige Stilllegung des Atomkraftwerks Grohnde.“