Bundesregierung plant Angriff auf das EEG und die Energiewende

Eurosolar hat gestern scharf auf das von Bundesumweltminister Peter Altmaier vorgelegte 10-Punkte-Programm reagiert. Die Organisation sieht einen massiven Angriff auf die Energiewende und auf den dezentralen Ausbau der Windenergie an Land. Nicht nur Altmaier, auch die FDP bläst zum Sturmangriff. Lindner, Rösler und andere Freidemokraten wollen einen Systemwechsel, meinen damit die weitgehende Abschaffung des EEG. Noch im Herbst will Lindner das EEG zu Fall bringen.

Beim Bundesverband Windenergie haben die Äußerungen für Kopfschütteln gesorgt. TopAgrar zitiert Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes WindEnergie e.V. (BWE): „Die Forderung Christian Lindners nach einem Ausstiegsgesetz aus dem EEG in diesem Herbst und ähnlichen Andeutungen seines Parteivorsitzenden Rösler im heutigen Focus sagen mehr über den Zustand der FDP als über die tatsächliche Lage der Energiewende aus. Es ist überraschend, zu welchem Zick-Zack-Kurs die FDP im Bereich der Energiepolitik im Stande ist. Dass der eigene Koalitionsvertrag ganz klar den Erhalt des EEG festlegt, scheint für das Spitzenpersonal der FDP unerheblich“.

Der Angriff von Altmaier, Rösler, Lindner und Co gefährdet aber auch zahlreiche Arbeitsplätze. Sollte es zu einer Drosselung des landgestützten Ausbaus der Windenergie kommen, dann wäre das nicht nur ein Schaden für die Energiewende und den Klimaschutz. Möglicherweise würde das auch – wie schon in der Solarindustrie – Arbeitsplätze gefährden. Albers: Drosselung des Windenergieausbaus würde deutsche Windindustrie gefährden.

Und zur Frage der Kosten der Energiewende sagt Albers: „Wir müssen genau hinschauen, wen die Bundesregierung neuerdings von der EEG-Umlage befreit und uns fragen, ob das gerecht ist. Der Bundeswirtschaftsminister bleibt der Öffentlichkeit auch die Antwort auf die Frage schuldig, warum er bei der Windenergie mit Offshore den Schwerpunkt seiner Ausbaustrategie gerade auf die teuerste Erzeugungsform legt“.

Es ist absurd: Ausgerechnet diese Bundesregierung macht sich Sorgen um die steigenden Strompreise. Dabei ist es vor allem ihre Politik, die zu dem Anstieg führt, denn immer mehr werden die Kosten auf immer weniger Akteure umgelegt. Kein Wort auch darüber, dass gerade die großen Stromkonzerne E.on, RWE und Vattenfall in ihren Halbjahresbilanzen enorme Gewinne zu bejubeln haben, und gleichzeitig darüber Jammern, dass sinkende (!) Strompreise ihnen die Geschäftsdaten ein wenig verschlechtert hätten.

Die Linie der Bundesregierung in Sachen Energiewende ist offenkundig: Sie will vor allem die großen Stromkonzerne schützen und stärken. Dafür dürfen nicht nur weiter Kohlekraftwerke gebaut werden, auch der Offshore-Windbereich wird deshalb besonders gefördert. Und daher muss der Ausbau vor allem der dezentralen erneuerbaren Energien ausgebremst werden. Erst vor wenigen Monaten hat die schwarz-gelbe Bundesregierung daher eine Deckelung für den Ausbau der Solarenergie durchgesetzt. Diese ist im Ergebnis zwar nicht so schlimm ausgefallen, wie zunächst befürchtet. Aber das Ziel, die Erneuerbaren zu bremsen ist erreicht. Danach hat die Bundesregierung den Kreis der Industrieunternehmen ausgeweitet, die von der Umlage im Rahmen des Erneuerbaren Energie Gesetzes befreit bleiben. Dazu zählen sogar Unternehmen wie Vattenfall, weil deren besonders klimaschädlicher Einsatz von Braunkohle besonders energieintensiv ist. Absurder gehts nicht!

Doch nicht nur das bekommen vor allem die priavten Haushalte und kleineren Gewerbebetriebe zu spüren. Die Industrie zahlt für die Durchleitung durch die Stromnetze deutlich weniger als dieser Kundenkreis. Jetzt sollen außerdem die Risiken bei der Anbindung der Offshore-Windparks, mit denen vor allem die großen Energiekonzerne abkassieren wollen, auch noch vor allem privaten und gewerblichen Stromkunden angelastet werden.  Und obendrein sind die großen Industrieunternehmen auch seit vielen Jahren bei der Ökosteuer bevorteilt.

Noch mal Hermann Albers vom BWE: „Aus Sicht des BWE muss daher bei der Berechnung der EEG-Umlage nachgesteuert werden. Der Berechnungsmodus, der eigentlich zu mehr Transparenz auf der Stromrechnung führen sollte, ist nicht mehr zeitgemäß. Denn bei einem Strommixanteil von etwa 25 Prozent drücken die Erneuerbaren Energien den Börsenstrompreis erheblich nach unten.“

Albers betont: „Diese Tatsache sollte auch den Stromkunden verdeutlicht werden. Mit der heutigen Umlageberechnung ist jedoch das Gegenteil der Fall: Ein niedriger Börsenstrompreis führt zu einer Erhöhung der EEG-Umlage. Anstatt konzeptlos den Ausstieg aus dem EEG zu fordern, sollte die FDP lieber ihre Hausaufgaben machen und hier konkrete Lösungsvorschläge anbieten.“

Von den Preisreduzierungen an der Börse profitieren Industrie und Stromhändler wie Vattenfall, E.on und RWE und daher unterlässt die Bundesregierung an dieser Stelle jede Reform des EEG. Diese Effekte an die privaten Stromkunden weiter zu geben und damit die Kosten zu reduzieren, steht derzeit nicht zur Debatte.

„Wer außerdem von Energiemärkten spricht, sollte auch im Bereich des Emissionshandels seine Verantwortungen wahrnehmen. Hier wäre zumindest ein erster Schritt, die kostenlose Verteilung von Zertifikaten zu verringern, um Transparenz in die Kosten konventioneller Energie zu bringen“, fordert Hermann Albers.

Die Pressemitteilung  von Eurosolar finden sie hier im folgenden:

„Nachdem die aktuelle Bundesregierung mit den drastischen Kürzungen der letzten Jahre die Solarwirtschaft an den Abgrund geführt hat, kündigt Bundesumweltminister Peter Altmaier in seinem 10-Punkte-Programm nun den Angriff auf die Onshore-Windkraft an. „Gegen diesen Angriff werden wir uns mit großer Entschlossenheit stemmen“, erklärt der Vorsitzende der EUROSOLAR-Sektion Deutschland Dr. Axel Berg. Vor dem Hintergrund gerade beschlossener überteuerter Geschenke an die Offshore-Windkraft und damit vor allem an die großen Energiekonzerne, die nun die privaten Stromkunden schultern müssen, sei es nur noch zynisch, wenn der Umweltminister behauptet, er wolle die Kosten der Energiewende im Griff behalten.

Wenn er das wirklich wollte, müsste er gerade auf die Windkraft an Land setzen. Der teure und nicht erforderliche Offshore-Ausbau wird die EEG-Umlage und die Netzentgelte für die Verbraucher nach oben treiben. Windkraftanlagenbetreiber bekommen Onshore eine rund halb so hohe Vergütung wie Offshore, bezahlen obendrein den Netzanschluss selbst und können die Haftung für Übertragungsprobleme in der Netzanschlussleitung nicht auf die Stromverbraucher abwälzen. Durch den Offshore-Ausbau müssen wiederum mehr kostenträchtige Energieleitungen von Nord nach Süd gebaut werden, als bei einer dezentralen, onshore-orientierten Energiewende nötig.

EUROSOLAR wird in Kürze ein Konzept für ein Neugestaltung des EEG vorlegen, mit dem die volkswirtschaftlich vernünftige dezentrale Energiewende zukunftsfähig gestaltet werden kann.“

Atomenergie Belgien – 8.000 Risse im Reaktor des AKW Doel

In dem vor einigen Tagen aus Sicherheitsgründen abgeschalteten Block 3 des belgischen AKW Doel sind rund 8.000 Risse bei  Ultraschallprüfungen entdeckt worden, berichten örtliche Medien heute, am Freitag, unter Berufung auf den Chef der belgischen Atomaufsichtsbehörde AFCN, Willy de Roovere. Ein weiteres AKW – Tihange 2 – in dem der Reaktordruckbehälter von der gleichen Firma hergestellt wurde, wird am 10. September weiter untersucht.

Vom gleichen Reaktor-Typ existierten weltweit noch 21 weitere Reaktorbehälter. Sie wurden von einer seit 1996 nicht mehr bestehenden niederländischen Firma in Rotterdam gefertigt.

Zwei dieser Druckbehälter sollen auch in deutschen Reaktoren eingesetzt sein. Laut neueren Meldungen könnte einer im stillgelegten AKW Brunsbüttel zum Einsatz gekommen sein. Ein weiterer ist im stillgelegten AKW Philippsburg 1 verbaut. Dies bestätigte der Betreiber EnBW der Nachrichtenagentur dpa in Karlsruhe. Allerdings betonte der Unternehmenssprecher demnach: „Im Philippsburger Reaktorbehälter haben wir keine Risse festgestellt.“

Schwäbische.de zitiert weiter: „„Sie sind nicht vergleichbar“, so der EnBW-Sprecher. In Belgien handele es sich um einen Druckwasserreaktor, auf dessen Behälter mehr Druck wirke als auf den im Philippsburger Siedewasserreaktor. Die EnBW überprüft nach den Meldungen aus Belgien sicherheitshalber aber intensiv auch ihren Behälter.“

Interessant ist auch diese Information: Im Reaktorbehälter von Philippsburg 1 „sind der EnBW zufolge keine radioaktiven Brennelemente mehr. „Sie sind zum Abklingen im Brennelemente-Lagerbecken“, erläuterte der Sprecher.“

Hilflose Helfer – Kein Schutz bei nuklearer Katastrophe

Wohin wenn es im AKW kracht? Die Katastrophenschützer können nicht helfen. Foto: Gerd Altmann/pixelio.de

„Sollte es in Krümmel zur Katastrophe kommen, gäbe es in Hamburg «nichts mehr zu schützen», sagte Hamburgs oberster Katastrophenschützer Werner Hackmann dem Spiegel – im Jahr 1986.“ (Zitiert nach Hamburgs Horrorszenario, AKW Krümmel, 2009)

An diesem Eingeständnis hat sich bis heute nicht wirklich was verändert. Bis heute ist der Katastrophenschutz rund um die deutschen Atommeiler auf einen wirklichen Störfall in keinster Weise eingerichtet. Nicht erst der Unfall von Fukushima hat gezeigt, welche riesigen Gebiete von einer radioaktiven Katastrophe betroffen wären, die dauerhaft unbewohnbar blieben. Noch heute sind zahlreiche Gebiete rund um den 1986 explodierten Reaktor von Tschernobyl großräumig für Menschen gesperrt.

Auch wenn inzwischen das Bundesamt für Strahlenschutz nach einer Untersuchung auf Basis der Ausbreitung der radioaktiven Wolken von Fukushima feststellt, dass es Handlungsbedarf beim Katastrophenschutz gibt. Großstädte wie Hamburg (AKW Brokdorf), Hannover oder Bielefeld (AKW Grohnde) oder München (Isar, Gundremmingen) sind nicht zu evakuieren, wenn es zum Fall der Fälle käme.

Im April 2011 – direkt nach der Katastrophe in Fukushima – hat der Spiegel detailliert über den Zustand des nuklearen Katastrophenschutzes berichtet und kommt zu einer fatalen Einschätzung: „Der deutsche Katastrophenschutz ist auf ein nukleares Unglück wie in Japan nicht vorbereitet. Ein durchdachter Notfallplan existiert ebenso wenig wie genügend Ausrüstung für den Fall einer atomaren Verseuchung. Eine Evakuierung größerer Städte halten Experten für nicht machbar.“ Spiegel, Größter unmöglicher Unfall, April 2011.

Während die AKW-Betreiber und politisch Verantwortlichen bis heute so tun, als würden sie im Krisenfall den atomaren Wahnsinn kontrollieren können, kommen von den in der Praxis verantwortlichen Akteuren erschreckende Wahrheiten. Der Spiegel zitiert Heribert Koob, den obersten Katastrophenschützer des Kreises Bergstraße (Biblis): „Doch seit er die Bilder von den explodierenden Reaktoren in Fukushima gesehen hat, ist Koob das Scherzen vergangen: „In einem solchen Katastrophenfall könnte man hier nicht mehr viel regeln.“

Doch noch immer laufen Atomkraftwerke, gegen die es keinen Schutz gibt. Der Bevölkerung wird von Betreibern und Genehmigungsbehörde immer noch erzählt, dass sie das nukleare Chaos kontrollieren könnten: Mit einem Ratgeber (!) muss jedes AKW die Bevölkerung in der direkten Nähe der Atommeiler über die behördlichen Katastrophenpläne informieren. Der Ratgeber Katastrophenschutz für das AKW Brokdorf (PDF) und der  Ratgeber Katastrophenschutz für das AKW Grohnde (PDF) stammen jeweils aus dem Jahr 2008.

Wie wenig realitätstüchtig das alles ist, was in diesen hübschen Broschüren beschrieben wird, machen die Behörden rund um das AKW Grohnde derzeit deutlich. Derzeit liegen neue Entwürfe zum nuklearen Katastrophenschutz aus und BürgerInnen können diese einsehen und Einwände erheben. Wie absurd das ist wird klar, wenn man weiß: Diese neuen Pläne basieren nicht etwa auf den Ereignissen von Fukushima, ignorieren auch weiter die Hinweise der im April veröffentlichen Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz und sehen immer noch Evakuierungszonen von nur zehn Kilometern rund um das AKW vor. Auf viel Papier werden viele Maßnahmen beschrieben, die nur eines verhindern: Das Eingeständnis, dass es im Falle einer Nuklearkatastrophe keine Hilfe geben wird.

Der Spiegel zitiert im April 2011 Peer Rechenbach, Hamburgs obersten Katastrophenschützer: „“Wir müssen alles, was wir bislang angenommen, durchgerechnet und simuliert haben, noch einmal auf den Kopf stellen“, fordert etwa Peer Rechenbach, oberster Katastrophenschützer Hamburgs.

Horst Schnadt, der SSK-Experte für Notfallplanung, fordert laut Spiegel: „“Dazu zählt auch, die Größe der Evakuierungszonen in Deutschland zu überdenken“, berichtet der ehemalige Sachverständige des TÜV.“

Für den Strahlenschutzexperten Schnadt ist klar, dass ohne ausreichenden Schutz Atomkraftwerke abgeschaltet werden müssen. Der Spiegel schreibt: „Aus seiner Sicht, so Schnadt, stehe schon jetzt fest: „Wenn wir einen Unfall wie in Fukushima bei uns nicht mehr ausschließen können, dann bedeutet dies das Ende der Kernenergie in Deutschland.““

Die Katastrophenschützer aus Politik, Behörden und Unternehmen gehen in ihren Vorstellungen im Grunde davon aus, dass eine radioaktive Wolke zeitlich begrenzt aus einem Reaktor austritt. Das ist nicht erst seit der Katastrophe von Fukushima völlig unrealistisch.

Der Spiegel berichtet denn auch über die letzte Katastrophenschutzübung am AKW Brokdorf, bei der eine abgerissene Hauptkühlmittelleitung als Unfallursache unterstellt worden ist: „Eine längere Evakuierung atomar verseuchter Gebiete im Umkreis von 30 Kilometern wie in Fukushima ist in Deutschland nicht vorgesehen. Pläne gibt es allenfalls für einen Evakuierungsradius von zehn Kilometern.“

Gegenüber dem Spiegel beschreibt der  Hamburger Katastrophenschützer Rechenbach auf der Basis der Ereignisse von Fukushima den Verlauf einer Reaktorkatastrophe: „Die Linie (der Strahlung) steigt stark an und bleibt konstant auf hohem Niveau. „Das ist der Alptraum für uns“, gesteht er: „Ein so lang anhaltendes Großschadensereignis frisst unsere Ressourcen in Windeseile auf.““

Praktisch sieht auch Hamburgs derzeitiger Katastrophenschützer – wie einst Werner Hackmann – keine Chance, im Ernstfall wirklich eine Millionenmetropole wie Hamburg zu evakuieren. Der Spiegel fasst seine Einschätzung mit den Worten zusammen:  „Müsste etwa ein Radius von 30 Kilometern um das AKW Krümmel geräumt werden, wären auch die südlichen und östlichen Teile der Millionenstadt Hamburg betroffen. Einige zehntausend Menschen wären vielleicht gerade noch zu bewältigen. Aber wenn die Zahl in die Hunderttausende ginge? Keine Chance.“

Zwar ist das AKW Krümmel inzwischen stillgelegt, aber bereits 1992 hatte eine Studie im Auftrag der Hansestadt deutlich aufgezeigt, dass die Dimension eines Super-GAUs und die erforderlichen Katastrophenschutzmaßnahmen noch weit über das von Rechenbach gedachte Szenario hinausgeht. Nicht von hunderttausend ist in dieser Studie die Rede: Sollte es nach einem Unfall zu einer schnellen Freisetzung einer massiven radioaktiven Wolke kommen, müssten rund eine Million Menschen allein aus Hamburg evakuiert werden, so eine der zentralen Aussagen der damaligen Studie.

Auszüge aus dem Gutachten finden Sie hier: Katastrophenschutz – Krümmel – Gutachten 1992 (PDF)

Altenheime, Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten, Betriebe… überall müsste eine Evakuierung in wenigen Stunden organisiert werden. Dabei ist völlig offen, wohin mehrere hunderttausend Menschen dann sollen. Rechenbach zum Spiegel: „Ich müsste eigentlich heute schon mit einem Tourismusverband im Süden Verträge abschließen, damit die Pensionen dort im Krisenfall Hamburger Atomflüchtlinge aufnehmen“, sagt Rechenbach. „Doch die Kosten für ein solches Abkommen würde mir keiner zahlen.“

Der Spiegel führt im April 2011 zahlreiche weitere Beispiele an und zitiert eine Serie von ratlosen Helfern. Hier weiterlesen.

Weitere Informationen:

Krümmel: Hamburg bei Reaktorunfall bedroht – Greenpeace-Berechnungen: Flugzeugabsturz würde Katastrophe auslösen

Katastrophenmedizin – Leitfaden für die ärztliche Versorgung im Katastrophenfall (PDF)

 

 

Vattenfall – Unterlagen für GuD-Kraftwerk werden ausgelegt

Trotz Sommer-Ansicht: Das Kohle-Heizkraftwerk von Vattenfall ist ein Klimakiller. Foto: Cekora/pixelio.de

Nachdem Vattenfall mit einer Fernwärmeleitung vom Kohlekraftwerk Moorburg  mitten durch den Hafen und durch den Grüngürtel von Hamburg-Altona am Widerstand aus der Bevölkerung gescheitert ist, soll nun ein neues gasbetriebenes GuD-Kraftwerk am Standort Wedel gebaut werden. Damit soll auch das bisherige kohlebetriebene Heizkraftwerk ersetzt werden.

Bereits am 27. August werden in der Stadt Wedel die Antrags- und Genehmigungsunterlagen sowie die Umweltverträglichkeitsprüfung für das rund 500 Millionen Euro teure GuD-Kraftwerk ausgelegt. Vier Wochen lang haben dann die BürgerInnen Zeit, die Unterlagen einzusehen und gegebenenfalls Einwände zu erheben. Bis zum 10. Oktober können diese dann bei der zuständigen Behörde eingereicht werden. Die Wedeler Bürger-Initiative „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel“ hat bereits angekündigt, dass sie gegen das neue Kraftwerk Widerspruch erheben wird.

Das Wedel-Schulauer-Tageblatt berichtet: „Gibt es Einwendungen, stellt sich Vattenfall am Mittwoch, 21. November, ab 10 Uhr im Audimax der Fachhochschule in einem Erörterungstermin denjenigen, die sie vorgebracht haben.“

Bis spätestens Mitte 2013 erwartet Vattenfall dann eine Genehmigung für den Bau des neuen Kraftwerks. Doch die Entscheidung, ob das Kraftwerk dann auch gebaut wird, fällt abschließend wohl erst im September 2013. Dann nämlich wird in Hamburg parallel zur Bundestagswahl ein Volksentscheid über die vollständige Rekommunalisierung der Energienetze stattfinden.

Das Bündnis „Unser Hamburg – unser Netz“ (UHUN) will erreichen, dass die Energienetze wieder vollständig von der Stadt übernommen werden und sowohl Vattenfall (Fernwärme- und Stromnetz) sowie E.on Hanse (Gasnetz) als bisherige Netzbetreiber abgelöst werden.

Bereits die ersten beiden Schritte in diesem Verfahren – die Volksinitiative und das Volksbegehren – hat UHUN überaus erfolgreich abgeschlossen und jeweils deutlich mehr BürgerInnen mobilisiert, als nötig gewesen wäre.

Aufgrund des Drucks, den das Rekommunalisierungs-Bündnis aus Kirche, Verbraucherzentrale, Mieterorganisationen und Umweltverbänden entwickelt hat, hat die Hamburger SPD schließlich beschlossen, sich mit 25,1 Prozent als Minderheitsgesellschafter an den drei Netzgesellschaften von Vattenfall und E.on zu beteiligen – und dann in der Bürgerschaft gegen das Volksbegehren gestimmt. Mit dieser Minderheitsbeteiligung versucht der Hamburger-SPD-Senat den laufenden Volksentscheid zu unterlaufen.

Auf den bislang zwei Bürgerschaftsanhörungen haben nahezu alle geladenen Experten gegen das Modell einer Minderheitsbeteiligung argumentiert. Aber auch UHUN hat mit eigenen Studien gezeigt, dass die vollständige Rekommunalisierung machbar und gut für das Klima in Hamburg ist. Das jetzt geplante GuD-Kraftwerk in Wedel ist Teil der Vereinbarung mit der Hansestadt Hamburg.

Mehr Informationen:

Mehr über Unser Hamburg – unser Netzt gibt es hier in einem aktuellen Flyer (PDF) und hier.

Über die Hamburger Gewerkschaften IG Metall und Ver.di und ihre Haltung zur Rekommunalisierung erfahren Sie hier mehr. Außerdem zur Haltung des DGB Nord.

 

Medienberichte – Katastrophaler Katastrophenschutz

Viele Medien berichten heute über den mangelhaften Katatrophenschutz für den Fall eines schweren Unfalls in deutschen Atommeilern. Eine Übersicht finden Sie unten.

Gestern hatten mehrere Anti-Atom-Initiativen aus der Umgebung des AKW Grohnde und aus Niedersachsen auf einer Pressekonferenz die Ergebnisse ihrer Recherchen präsentiert. Sie hatten die Entwürfe für den neuen Katastrophenschutzplan zum AKW Grohnde durchgearbeitet und dabei haarsträubende Mängel festgestellt. Selbst ohne die neuen Erkenntnisse aus der Katastrophe von Fukushima sind dieses Pläne im Krisenfall eine weitere Katastrophe! Noch bis zum 7. September können gegen die Grohnde-Pläne Einspruche erhoben werden, die Sammeleinwendung finden Sie hier.

Hinzu kommt aber, dass die Behörden bis heute nicht wirklich die Konsequenzen ziehen: Immer noch bleiben sie dabei, Evakuierungen lediglich in einer Entfernung von bis zu zehn Kilometern vorzunehmen. Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte bereits im April mit einer neuen Studie, die die Folgen von Fukushima auswertet, gezeigt, dass auch in Entfernungen deutlich über 100 Kilometer noch Evakuierungen erforderlich sein können. Davon ist der heutige Katastrophenschutz Lichtjahre entfernt. Doch auch ohne Fukushima könnten die Katastrophenbehörden längst wissen, dass es im Zweifelsfall erheblich umfangreicherer Rettungsmaßnahmen bedarf, will man nicht zehntausende Tote und Strahlenopfer riskieren.

Das genau das eintreten kann, hat schon 1992 eine Studie im Auftrag der Hansestadt Hamburg gezeigt, die die Folgen eines Super-Gau in dem inzwischen stillgelegten Atomkraftwerk Krümmel untersucht hat. Rund eine Million Menschen müssten nach einem Reaktorunfall allein aus Hamburg evakuiert werden, so eine der zentralen Aussagen der Studie. Diese Dimension macht deutlich, welch enormes Gefahrenpotential der Betrieb von Atomkraftwerken darstellt und dass im Ernstfall die Katastrophenschützer hilflos sein werden.

Auszüge aus dem Gutachten finden Sie hier: Katastrophenschutz – Krümmel – Gutachten 1992 (PDF)

Medienübersicht zum mangelhaften Katastrophenschutz

Print:

dapd via t-online:   Atomkraftgegner: Niedersachsen nicht auf Atomkatastrophe vorbereitet,  http://nachrichten.t-online.de/atomkraftgegner-niedersachsen-nicht-auf-atomkatastrophe-vorbereitet/id_58710276/index?news

DRadio, Atomkraftgegner: Niedersachsen nicht auf Katastrophe vorbereitet

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=125823

Bürgerinitiativen fordern neue Notfallpläne für AKW-Unfälle

http://www.braunschweiger-zeitung.de/nachrichten/Niedersachsen/buergerinitiativen-fordern-neue-notfallplaene-fuer-akw-unfaelle-id734777.html

Kommentar Braunschweiger Zeitung:

Machtwort nötig – Peter Mlodoch zu AKW-Notfallplänen,   http://www.braunschweiger-zeitung.de/debatte/kommentare/machtwort-noetig-id734775.html

taz Nord:  Im Ernstfall kein Plan,  http://www.taz.de/Atomkraftwerke/!99739/

Hamburger Abendblatt:   AKW-Gegner fordern größere Evakuierungszone,     http://www.abendblatt.de/region/niedersachsen/article2371030/AKW-Gegner-fordern-groessere-Evakuierungszone.html

Videos:

NDR:   Beim GAU ist jeder auf sich gestellt 2:00 min,    http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/akw203.html

Was passiert nach einem Super-GAU? 3:39 min, http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/media/hallonds10967.html

SAT 1: http://www.hannover.1730sat1.de/sendungen.html, Sendung vom Mittwoch, ab 5:45 min

RTL-Nord: http://www.rtlregional.de/player.php?id=20763,

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