Vattenfall – Kein Partner für Hamburg

Vattenfall hat ein seltsames Gespür dafür, zur richtigen Zeit das falsche zu tun oder zu sagen. Während der Hamburger SPD-Senat versucht, Vattenfall auch künftig als „Partner der Stadt“ im Rennen zu halten, unterläßt Vattenfall wirklich nichts, um sich den Zorn der BürgerInnen aufzuladen. Gegen einen laufenden Volksentscheid, der die 100prozentige Rekommunalisierung der derzeit von Vattenfall betriebenen Netze für Strom und Fernwärme fordert, hat der SPD-Senat sich mit einer Minderheitsbeteiligung von 25,1 Prozent bei Vattenfall eingekauft und stärkt das Unternehmen damit.

Vattenfall stärkt Atomsparte

Im September 2012 hatte Vattenfall eine große organisatorische Neustrukturierung angekündigt, ausgerechnet mit dem Ziel, die Atomenergie im Unternehmen noch mehr zu stärken. Selbst das Hamburger Abendblatt, eher konservativ und wirtschaftsnah, kann nicht fassen, was Vattenfall da ankündigt:

„Der staatliche schwedische Stromkonzern Vattenfall betreibt eine verwirrende Strategie“ heißt es in einem Kommentar.  Und weiter schreibt das Abendblatt an gleicher Stelle: „In einer Zeit, in der Deutschland aus der Nutzung der Atomkraft aussteigt und selbst Japan dies anstrebt, ist das ein großer Schritt zurück. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Atomkraft als Parallelstrategie macht keinen Sinn. Beide Energieträger passen weder technologisch noch regional in irgendeiner Form zusammen. Wenn man die Stromversorgung eines Landes auf erneuerbaren Energien aufbauen will, so wie es in Deutschland geplant ist, braucht man dafür eine weitgehend andere Infrastruktur als für eine Versorgung aus Atomkraftwerken.“

Fassungslos steht das Abendblatt auch vor den Aktivitäten des Konzerns im Heimatland Schweden, wo Vattenfall nicht nur weiter AKWs betreibt, sondern angekündigt hat, neue Atommeiler bauen zu wollen: „Gerade Schweden mit seinen immensen Ressourcen an Wind- und Wasserkraft und seiner relativ kleinen Einwohnerzahl könnte Europas Musterland für den Atomausstieg sein. Schade, dass es diese Chance nicht nutzt.“

Vattenfall und Energiewende? Das klingt nach Systemfehler. Dem Konzern geht es um die Gewinne und darum, die Marktmacht zu erhalten bzw. zurück zu bekommen. Angesichts der bis heute in Deutschland kaum vorhandenen Erneuerbaren Energie bei Vattenfall ist die Energiewende ein absolutes Ärgernis: Da muss man auf die Bremse treten und die Bürger mal richtig erschrecken. Kein Wunder also, dass Vattenfall medienwirksam vor enormen Strompreissteigerungen durch die Energiewende warnt! In den Berichten an seine Aktionäre beklagt Vattenfall das totale Gegenteil: Gesunkene Strompreise belasten die Ertragslage des Konzerns. Nur: an die StromkundInnen werden diese gesunken Preise nicht weiter gereicht! Und das Vattenfall sich von der Umlage für Erneuerbare Energien befreien lässt, weil der Braunkohleabbau als besonders energieintensiv gilt, ist dann nur folgerichtig! Siehe auch hier: Energiewende und Strompreise.

Unterstützung haben Vattenfall und Co von der schwarz-gelben Bundesregierung. Immer mehr Industriebetriebe werden von der EEG-Umlage befreit, die Solarenergie wird gekürzt und nun wollen Umweltminister Altmaier und Freunde auch den Ausbau der Windernergie an Land zusammen kürzen. Die Energiewende – dezentral mit Solarenergie und Bürgerwindparks, an denen Vattenfall nichts verdient – geht zu schnell! Alles klar?

Und wo diese Bundesregierung nicht reicht, da sind die (Hamburger) Sozialdemokraten ja noch am Start: Die SPD in Hamburg hält Vattenfall weiter die Stange und wird als Partner der Stadt hofiert. Dass Vattenfall mit Energiewende nichts zu tun hat und sich nicht um die Belange der Stadt oder der Menschen kümmert, zeigen nicht nur die bisherigen Beispiele.

In und um Hamburg herum lässt Vattenfall nichts aus, um zu demonstrieren, dass der Konzern nur seine Gewinne im Blick hat, nicht aber die Menschen.

Nach Störfällen in Krümmel und Brunsbüttel: Vattenfall lügt

Als es im Sommer 2007 erst zu einem Brand in einem Transformator am AKW Krümmel und einer Notabschaltung kommt und wenige Stunden später auch das AKW Brunsbüttel nach einem Kurzschluss vom Netz geht, behauptet Vattenfall, dass es keine Probleme gegeben hätte. Eine glatte Lüge, wie sich schon kurze Zeit später herausstellt.

Nur ein Beispiel: Vattenfall verschweigt, dass durch den Brand im Transformator Rauchgas in das AKW gesaugt wird und in den Kontrollraum eindringt. Die dortigen Reaktorfahrer mussten angesichts der Rauchentwicklung mit Atemschutzmasken arbeiten! Später treten haufenweise Führungspersonen zurück oder werden ausgetauscht. Das Unternehmen verliert über 200.000 Stromkunden.

Seit 2007 bis zur Katastrophe von Fukushima bleiben die beiden AKWs abgeschaltet, weil sich während weiterer Kontrollen immer neue Sicherheitsmängel in den Anlagen zeigen. Krümmel versucht im Sommer 2009 erneut die Inbebriebnahme. Aber kaum wird die Anlage angefahren, kommt es zu erhöhter Radioaktivität, weil Brennelemente offenbar defekt sind. Noch katastrophaler aber ist: Wieder kommt es im gerade neu eingebauten Ersatztransformator zu einem schweren Kurzschluss. Die Anlage wird runtergefahren. In Hamburg führt der Stromausfall zu zahlreichen und teuren Schäden. Seitdem ist auch Krümmel für immer vom Netz. Es zeigt sich, dass Vattenfall von der Atomaufsicht angeordnete Sicherheitseinrichten „vergessen“ hat einzubauen.

Klimakiller: Neues Steinkohlekraftwerk in Hamburg

Gegen massive Proteste setzt Vattenfall den Neubau eines mit 1.600 MW riesigen Kohlekraftwerks in Moorburg durch. Dieses soll – so Vattenfall – das alte Kohleheizkraftwerk Wedel ersetzen, mit dem vor allem die Fernwärme von Hamburg betrieben wird. Alle Diskussionen über Klimaschutz und CO2-Emissionen spielen für Vattenfall keine Rolle. Als die grüngeführte Umweltbehörde den Bau mit hohen Umweltauflagen genehmigt, klagt Vattenfall auf „Diskriminierung“ vor dem Washingtoner Weltbankgericht und droht damit eine massive Schadensersatzklage von über eine Milliarde Euro an: Umweltschutz ist für Vattenfall zu teuer, die Stadt muss klein beigeben.

Widerstand erfolgreich: Moorburg-Fernwärmetrasse kippt

Um die Wirtschaftlichkeit des nun im Bau befindlichen Kohlekraftwerks zu steigern, will Vattenfall quer durch den Hafen und den Grüngürtel von Hamburg-Altona eine Fernwärmeleitung verlegen. Jahrelang würden dadurch zahlreiche Parkanlagen zur Baustelle. Massive Proteste von Anwohner-Initiativen, ROBIN WOOD und dem BUND bringen schließlich die von schwart-grünen Senat genehmigte Leitung zu Fall. Das Oberverwaltungsgericht hebt die Genehmigung auf, weil ausgerechnet die grüne Umweltbehörde die Öffentlichkeitsbeteiligung zu Unrecht massiv eingeschränkt hatte.

Noch mehr Klimakatstrophe: Vattenfall baut neues Braunkohlekraftwerk

Während in Hamburg über Steinkohlekraftwerke gestritten wird, geht Vattenfall in Ostdeutschland weitere Schritte in die Klimakatastrophe: In Boxberg wird ein neues Braunkohlekraftwerk in Angriff genommen. Braunkohle ist selbst gegenüber der Steinkohle noch einmal deutlich klimaschädlicher. Rund 80 Prozent seines Stroms stellt Vattenfall mit dieser besonders klimaschädlichen Braunkohle her!

Der Druck wächst: Initiative will Vattenfall die Netze abnehmen

Mit Unterstützung der Hamburger SPD will Vattenfall nun ein neues Genehmigungsverfahren für die Trasse an den Start bringen. Im Wahlkampf sieht die SPD keine Alternative zur so genannten Moorburg-Fernwärmetrasse. Doch: Inzwischen ist die Volksinitiative „Unser Hamburg – unser Netz“ gegründet und strebt an, die Netze für Strom, Fernwärme (beide Vattenfall) und Gas (E.on Hanse) zu übernehmen, wenn ab 2015 die bisherigen Konzessionsverträge auslaufen. Das Büdniss für die Rekommunalisierung stellt sowohl für Vattenfall als auch die SPD eine echte Herausforderung dar: Nicht nur einschlägige Umweltorganisationen wie BUND und ROBIN WOOD mischen mit, sondern neben zahlreichen lokalen Initiativen sind auch die Mietervereine der Hansestadt mit dabei, vor allem aber die Kirche (Hamburg Ost) und die Verbraucherinitiative. Derart breit aufgestellt werden die ersten beiden Schritte auf dem Weg zum Volksentscheid überaus erfolgreich: Die Volksinitiative hat nach nur wenigen Wochen die erforderlichen Unterschriften zusammen, um eine parlamentarsiche Befassung durchzusetzen. Nachdem die Bürgerschaft das Anliegen ablehnt, wird das Volksbegehren mit 120.000 Stimmen zum Erfolgt. Der Druck für Vattenfall steigt.

SPD hilft Vattenfall

Die inzwischen regierende SPD hat sich unter dem Druck der Volksinitiative dazu entschlossen, sich künftig mit 25,1 Prozent an den Netzen von Vattenfall und E.on Hanse zu beteiligen. Angeblich könnte sie mit dieser Minderheitsbeteiligung „massgeblichen Einfluss“ auf die Unternehmen und die Energienetze gewinnen. Selbst frühere SPD-Bürgermeister wie Henning Vorscherau und Ortwin Runde widersprechen dem öffentlich! Es ist offenkundig, dass die SPD mit diesem Deal Vattenfall und E.on Hanse vor der Rekommunalisierung zu schützen, deren Marktanteile in Hamburg zu sichern versucht.

Allerdings: Der Druck ist so stark, dass die SPD und Vattenfall die Pläne für die ehemals noch alternativlos geltende Moorburg-Fernwärmetrasse weitgehend einstellen. Nun behaupten Konzern und Regierungspartei mit dem Bau eines gasbetriebenen GuD-Kraftwerks in Wedel, mit dem das dortige Kohle-Heizkraftwerk ersetzt werden soll, die Energiewende voranbringen zu wollen. Vollmundig und sprachgewandt wird dieses als „Innovationskraftwerk“ in Szene gesetzt.

Pikant obendrauf: Erst jüngst wurde bekannt, dass Vattenfall mit Hauke Wagner ein amtierendes Mitglied aus dem SPD-Landesvorstand eingekauft hat. Seine Aufgabe: Die Kooperation mit der Stadt Hamburg bei den Netzen zu gestalten. Manche nennen das Filz.

Statt Moorburgtrasse nun GuD in Wedel – keine Alternativenprüfung

Der Gedanke, mit „Unser Hamburg – Unser Netz“ und den vielen anderen Akteuren in der Hamburger Energiepolitik über Alternativen zur Fernwärmetrasse Moorburg und  eine klimafreundliche Fernwärmeversorgung zu diskutieren, kommt weder der SPD noch Vattenfall.

Kein Wunder also, dass es jetzt in Wedel zu heftigen Protesten kommt. Denn die neuen Planungen für das GuD-Kraftwerk führen zu völlig neuen Bedingungen vor Ort. Direkt an einem Wohngebiet mit Schulen und Kindergärten will Vattenfall nun nicht nur einfach die Fernwärme einspeisen, sonder nun auch ganzjährig Strom erzeugen. Und nicht nur, dass mit den Betroffenen nicht gesprochen wurde. Sowohl Senat als auch Vattenfall haben es unterlassen, Alternativen zu dem geplanten Kraftwerk zu prüfen. Wieder einmal stellen sie sich hin und tun so, als gäbe es keine solchen Alternativen! Klar, dass die Menschen in Wedel sauer sind.

Und der Streit um dieses GuD-Kraftwerk in Wedel dürfte weiter an Brisanz gewinnen. Denn nun wird auch von schleswig-holsteiner Seite überlegt, in Brunsbüttel ein neues GuD-Kraftwerk zu bauen. Nach dem dort das Atomkraftwerk endgültig stillgelegt wurde und gleich zwei neue Kohlekraftwerk schließlich storniert worden sind, wäre dieser Gedanke durchaus der Diskussion wert.

Zum Schaden der Stadt Hamburg – Vattenfall trickst bei der Fernwärme

Skandalös auch die Vorgänge bei der Fernwärme: Mitte 2011 berichtete der Spiegel, dass Vattenfall seine Bilanzen im Bereich Fernwärme mit Buchungstricks runter rechnet, um Zahlungen an die Stadt Hamburg zu vermeiden (siehe auch hier). Auch die taz-Hamburg berichtete über diesen Vorgang. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat Vattenfall daraufhin im November 2011 verklagt.

Atomausstieg – Vattenfall klagt und schweigt

Die Katastrophe von Fukushima und der in Deutschland darauf hin beschlossene Atomausstieg trifft Vattenfall: Die beiden Atomkraftwerke in Krümmel und Brunsbüttel werden per Atomgesetzänderung endgültig stillgelegt. Die Einsicht, dass diese beiden Atomkraftwerke besonders störanfällig waren und die Stilllegung daher völlig zurecht erfolgt, hat Vattenfall nicht! Der Atomkonzern verklagt nicht nur gemeinsam mit E.on und RWE die Bundesrepublik beim Verfassungsgericht auf Schadensersatz. Vattenfall geht noch einen Schritt weiter und verklagt die Bundesregierung erneut vor dem Weltbankgericht in Washington. Damit nicht genug: Vattenfall kündigt die Umwandlung der Atomsparte in Deutschland an. Die AG wird zur GmbH. Was angeblich aus steuergründen erfolgt hat einen viel entscheidenderen Kern: Damit reduziert der Gesamtkonzern seine Haftung für die AKWs Brunsbüttel und Krümmel. Sollte es zu Schäden kommen oder bei der Finanzierung der Verschrottung der AKWs in Brunsbüttel und Krümmel kommen, wird dafür nicht mehr der schwedische Staat belastet, sondern die deutschen SteuerzahlerInnen.

Und während das Industrieland Japan nun den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie beschließt, erklärt Vattenfall, dass es künftig an der Atomenergie festhalten will (siehe oben).

Das Vattenfall diese Drohung ernst meint, dürfte die Menschen rund um das AKW Krümmel überzeugen. Dort hatte vor einigen Tagen die Stadt Geesthacht zu einer Veranstaltung geladen, auf der Vattenfall erklären sollte, wie es denn nun mit der Stilllegung des AKW weiter gehen würde, nach dem sich die anderen Betreiber E.on, RWE und EnBW öffentlich bereits zum Rückbau ihrer Atommeiler bekannt hatten.

Doch Vattenfall schweigt. Lediglich teilte der Konzern mit, dass zunächst für das AKW Brunsbüttel eine Entscheidung angestrebt würde. Erst danach würde man sich um Krümmel kümmern. Wann das sein werde, sagte Vattenfall nicht. Kein Wunder, wenn angesichts der laufenden Klagen gegen den Atomausstieg  und der Tatenlosigkeit viele der BürgerInnen den Eindruck bekamen, dass Vattenfall die Hoffnung habe, dass AKW Krümmel doch wieder in Betrieb nehmen zu können.

Vattenfall? Partner für Hamburg? NEIN DANKE!

 

 

 

Plutonium-Transporte zum AKW Grohnde – zahlreiche Sicherheitsmängel

Der Transport von Plutonium-Brennelementen von Sellafield/UK über den Hafen von Nordenham zum AKW Grohnde hat begonnen. Der überalterte und unsichere Frachter Atlantic Osprey ist mit acht so genannten MOX-Brennelementen seit gestern auf dem Weg.

Während vor Ort die Proteste ab heute beginnen, häufen sich Informationen über Sicherheitsmängel bei diesem Plutonium-Transport. (Hier online protestieren!)

Kritik gibt es aber auch, was den Einsatz der MOX-Brennelemente im Reaktor angeht. Selbst E.on sieht bei MOX nur Nachteile gegenüber herkömmlichen Uranbrennelementen. In den USA gibt es noch kein einziges AKW, dass MOX einsetzen mag. Noch rund 100 solcher Plutonium-Transporte sollen in den nächsten Jahen erfolgen, dabei müssen rd. 5.000 Kilogramm Plutonium transportiert werden.

Der Atomfrachter Atlantic Osprey, der für den jetzt laufenden Transport eingesetzt wird, ist im Gegensatz zu anderen Schiffen für solche gefährlichen Transporte nur einwandig gebaut und verfügt über nur eine Antriebs-Maschine.

Am Montag haben der Kreistag Wesermarsch und die Stadt Nordenham auf einer gemeinsamen Sondersitzung aus Anlass der Plutonium-Transporte eine Resolution verabschiedet. Darin stellen sie fest: „Nordenham darf keine Drehscheibe für internationale Atomtransporte, für den Umschlag brisanter, hochgefährlicher strahlender Güter sein und werden!“ und fordern „die Genehmigung für den Umschlag der MOX-Elemente in Nordenham zu widerrufen und keine weiteren Genehmigungen für den Umschlag von Kernbrennstoffen in Nordenham mehr zu erteilen.“

Bremen hat seine Häfen für solche gefährlichen Transporte per Gesetz gesperrt. Cuxhaven und Wilhelmshaven weigern sich, solche atomaren Frachten über ihre Häfen umzuschlagen.

Der umweltpolitische Sprecher der Fraktion Die Linke im niedersächsischen Landtag, Kurt Herzog, fordert eine umgehende Sicherheitsüberprüfung der Atlantic Osprey. Herzog  sagte: „Uns ist das Protokoll einer Sicherheitsüberprüfung des Frachters bekannt geworden, welche die französische Atomaufsicht ASN am 6. September 2006 im Hafen von Dünkirchen durchgeführt hat. Der Bericht zeigt, dass es auf dem Schiff erhebliche Mängel gibt – beim Strahlenschutz für die Mannschaft, bei der Lagerung des radioaktiven Materials und bei der Handhabung von Beförderung und Entladung.“

Laut ASN hätten sich die Verantwortlichen auf der „Atlantic Osprey“ nicht einmal um die täglichen Strahlenmessungen gekümmert, kritisierte Kurt Herzog: „Auf dem Schiff wird mit hochradioaktivem Material offenbar ähnlich sorglos hantiert wie seinerzeit in der Schachtanlage Asse. Das niedersächsische Umweltministerium und das Gewerbeaufsichtsamt müssen das unbedingt kontrollieren, bevor die Entladung freigegeben wird.“

Auch die Grünen-Fraktion im Landtag von Niedersachen protestiert und fordert die Rücknahme der Transportgenehmigung durch das Bundesamt für Strahlenschutz. In einer Pressemitteilung kündigten die Grünen gestern an, die MOX-Transporte mit einer Kleinen Anfrage zum Thema der nächsten Landtagssitzung zu machen. Die Grünen-Abgeordnete Ina Korter aus der Wesermarsch und der Fraktionsvorsitzende Stefan Wenzel wollen wissen, mit welchen Maßnahmen die Landesregierung für die Sicherheit der Bevölkerung während der umstrittenen Transporte sorgen wird.

Es sei zu befürchten, dass die vom Transport betroffenen Landkreise aufgrund der mangelnden Informationspolitik des Umweltministeriums über keinerlei Katastrophenschutzpläne verfügten, sagten die Grünen-Politiker heute (Donnerstag) in Hannover. Korter: „Nicht einmal der Landrat des Landkreises Wesermarsch ist von der Landesregierung informiert worden“.

Wenzel kritisierte, dass Umweltminister Birkner zunächst versucht habe, dem Bundesamt für Strahlenschutz den „schwarzen Peter zuzuschieben“, obwohl eindeutig das Land Niedersachsen für die Gewährleistung der Transportsicherung zuständig sei.

Die Grünen-Politiker forderten die Landesregierung auf, die Transporte wegen mangelhafter Katastrophenschutzpläne sofort auszusetzen. Nach Fukushima müsse eine Neubewertung des Einsatzes von MOX-Elementen erfolgen.“

Die kleine Anfrage zum Thema finden Sie unter: http://www.fraktion.gruene-niedersachsen.de/cms/default/dokbin/416/416738.pdf

Plutonium-Transporte: Mahnwache am AKW Grohnde – Protest-Paddeln Sonntag in Nordenham

Die Atlantic Osprey ist mit ihrer Plutonium-Fracht auf den Weg nach Nordenham. Die Proteste gegen den Atomwahnsinn beginnen heute.

Heute, am Freitag startet vor dem AKW Grohnde eine Dauermahnwache aus Protest gegen die hochgefährlichen Transporte mit plutoniumhaltigen Brennelementen. Am Sonntag beginnen die Proteste im Umschlaghafen von Nordenham. Anti-Atom-Initiativen rufen zum Protest entlang der vermuteten Strecke von Nordenham zum AKW Grohnde auf.

Die so genannten MOX-Brennelemente kommen aus Sellafield per Schiff über den Hafen von Nordenham und sollen dann weiter per LKW zum AKW Grohnde transportiert werden. Der Atomfrachter, die Atlantic Osprey, ist offenbar inzwischen mit dem Plutonium an Bord auf dem Weg nach Nordenham. Ein weiterer Transport steht für November an, insgesamt müssen noch rd. 5.000 kg Plutonium aus Sellafield und La Hague zurück genommen werden. Weitere Infos siehe auch hier.

Die mögliche Straßen-Transportstrecke sehen sie hier.

PROTEST IN GROHNDE

Beginn der Dauermahnwache: am Freitag ab 18 Uhr
Wo: natürlich vor dem AKW Grohnde/Emmerthal
Wie lange: voraussichtlich bis der Transport beendet ist
Anreise: Routenplaner über Google-Maps hier
Mit der Bahn fahrt Ihr ab Hannover oder Paderborn zum Bahnhof Emmerthal und folgt den anderen Aktivisten. Bringt Schlafsack, Isomatte etc. und Sachen wie Instrumente, Bücher etc. zum Zeitvertreib mit!
Infos zum MOX-Transport und den Aktionen auf Twitter: https://twitter.com/castorticker

PROTESTE IN NORDENHAM

Für Sonntag, 23.9., rufen Atomkraftgegner zu einem “Protestpaddeln” auf der Weser, nahe des Umschlagplatzes für den LKW vom Schiff aufs Land auf. Natürlich brauchen die PaddlerInnen landseitig Unterstützung!

  • Um 13.30 Uhr ist Treffen am Weserufer, Neptunstraße, 26954 Nordenham. Um 14 Uhr ist Paddeln auf der Weser angesagt mit Fahnen und Transparenten.

Für die Menschen die Paddeln (um schwimmfähige Gefährte solltet Ihr Euch selber kümmern) sollten Schwimmwesten selbstverständlich sein. Am Ufer wird Unterstützung benötigt, Traktoren sind natürlich gerne gesehen. Ende soll gegen 15 Uhr sein. Eine Versammlung ist bei der Stadt Nordenham angemeldet.

Vattenfall setzt weiter auf Atomenergie

Der schwedische Staatskonzern Vattenfall setzt weiter auf die Atomenergie. Erst vor kurzem hatte der Konzern in Schweden angemeldet, dass er dort künftig neue Atommeiler bauen will. Jetzt teilt das Unternehmen mit, dass es erneut einen organisatorischen Umbau in Angriff nimmt, um die Sparte Atomenergie zu bündeln und zu stärken. Außerdem hat Vattenfall gestern die Umwandlung von der AG zur GmbH für die Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel umgesetzt. Damit begrenzt Vattenfall nun seine Haftung für die Atommeiler und macht in letzter Instanz den deutschen Steuerzahler verantwortlich.

Über die Umstrukturierung bei Vattenfall berichten gestern zahlreiche Medien, u.a. hier im Stern:  Vattenfall baut um: Fokus auf Atomkraft und erneuerbare Energien und in der Welt: Stromkonzern Vattenfall wertet Atom-Sparte auf.

Der Stern schreibt: „Konzernchef Øystein Løseth sagte zur Umstrukturierung: „Vattenfall möchte der Atomkraft die besondere Aufmerksamkeit geben, die ihr zukommt.“ Deshalb werde die neue Geschäftseinheit Nuklear „ihr Augenmerk auf derzeitige und künftig mögliche Aktivitäten bei der Atomkraft richten.“ Hauptverantwortlich für diesen Bereich und damit auch für Fragen zum Atomausstieg in Deutschland wird der Schwede Torbjörn Wahlborg.“

Auch der Bereich Erneuerbare Energien wird umstrukturiert. Die bisherige Business Unit Erneuerbare Energien wird – wenn wundert es – abgeschafft und nun in die Sparte „Wasserkraft-, Gaskraft-, Braun- und Steinkohlekraftwerke“ eingeordnet, wie die Welt schreibt.

Die Verantwortung für die Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel rückt nach dieser Umstrukturierung Richtung Schweden. Die Welt schreibt: „Für Probleme rund um die stillgelegten deutschen Pannenmeiler Krümmel und Brunsbüttel ist damit künftig der Schwede Torbjörn Wahlborg verantwortlich, der zum Chef der neue gegründeten „Business Division Nuclear“ ernannt wurde.“ Auch die Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht und vor dem Weltbankgericht in Washington übernimmt er damit.

Während Konzerne wie RWE und E.on in den letzten Monaten dabei sind, ihre Aktivitäten in der Atomenergie zurückzufahren, hält Vattenfall nicht nur an der Atomenergie fest, sondern will offenbar auch in Zukunft neue Projekte bauen. Bedenkt man, dass über 80 Prozent der Stromerzeugung von Vattenfall in Deutschland derzeit vor allem aus der besonders klimaschädlichen Braunkohle stammt, muss man sich schon Fragen, ob dem Konzern das Image völlig egal ist. Braunkohle, Atomenergie und ein wenig Wind werden in den nächsten Jahren vermutlich nicht reichen, um StromkundInnen zu überzeugen, dass Vattenfall die Energiewende will.

Dabei steht das Unternehmen schon heute an vielen Fronten unter Druck: In Berlin und Hamburg sind Volksinitiativen auf gutem Weg, im nächsten Jahr per Volksentscheiden dem Unternehmen die Strom- und Fernwärmenetze abzunehmen, in Berlin hat Vattenfall gerade mehrere Projekte mit Erneuerbaren Energien verschoben und dafür den Einsatz von Braunkohle verlängert. In Hamburg untermauert Vattenfall mit dem Großkraftwerk Moorburg, ein Kohlekraftwerk, seinen Ruf als Klimakiller, eine geplante Fernwärmeleitung wurde nach heftigem Widerstand durch Gerichte gestoppt und auch in Wedel bei Hamburg schlägt dem Unternehmen für den geplanten Neubau eines GuD-Kraftwerks nun der Wind ins Gesicht: Vattenfalls Planungen über die Köpfe der Betroffenen hinweg und ohne Alternativen zum Kraftwerk geprüft zu haben, wollen die BürgerInnen jetzt stoppen. Und zuletzt hatte Vattenfall in Sachen Atommeiler Brunsbüttel und Krümmel für Empörung gesorgt. Während sich die anderen Atomkonzerne allesamt entschieden haben, den schnellen Rückbau ihrer stillgelegten Atommeiler anzustreben, hält sich Vattenfall zum Unmut der Betroffenen BürgerInnen alle Türen offen.

Da könnte etwas Imagewerbung eigentlich nicht schaden. Die Ankündigung, auch in Zukunft voll auf Atomenergie zu setzen, dürfte da sicherlich nicht helfen.

 

 

Plutonium – fast 5.000 Kilogramm warten auf AKW-Einsatz

Noch fast 5.000 Kilogramm hochgefährliches Plutonium aus der Wiederaufarbeitung bestrahlter Brennelemente in Frankreich und England sollen in den nächsten Jahren in Form von so genannten Mischoxid-Brennelementen (MOX) in deutschen Atomreaktoren eingesetzt werden.  Das geht aus Daten der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) hervor.

Aktuell sollen MOX-Brennelemente mit dem Atomfrachter Atlantic Osprey von Sellafield über den Midgard-Hafen in Nordenham und dann weiter per LKW zum AKW Grohnde transportiert werden. Zahlreiche Initiativen und ROBIN WOOD rufen zum Protest gegen diese gefährlichen Transporte auf. Der Transport geht über Nordenham, nachdem Bremen und andere niedersächische Hafenstädte ihre Häfen für diese gefährlichen Atomtransporte gesperrt haben.

Jährlich erstellt die GRS im Auftrag der Bundesregierung (Bundesamt für Strahlenschutz) einen Bericht über die „Entsorgung abgebrannter Brennelemente aus den Kernkraftwerken in der Bundesrepublik Deutschland“, die so genannte Länderumfrage. Der letzte dieser Berichte ist im November 2011 erstellt worden. Die dort angeführten Daten haben den 31.12.2010 zum Stichtag, liegen also noch vor der Atomkatastrophe von Fukushima.

In der Zusammenfassung des Berichts heißt es: „Im Jahr 2010 wurden 590 kg Pu-fiss in Form von MOX-Brennelementen in die Reaktoren eingesetzt und rezykliert. Für weitere 4.993 kg Pu-fiss aus der Wiederaufarbeitung ist der Einsatz als MOX-Brennstoff in den Reaktoren bis 2019 geplant.“

Bei einem Anteil von durchschnittlich rund 13 Kilogramm Plutonium je Brennelemente entspräche dies einer Menge von rund 384 MOX-Brennelementen, die in den Jahren bis 2019 noch hergestellt, transportiert und in den Reaktoren eingesetzt werden sollen.

Der Bericht listet die verbleibenden Plutoniummengen der jeweiligen Eigentümer auf. Dabei ist zu beachten, dass Vattenfall in den AKWs Brunsbüttel und Krümmel keinen Einsatz von MOX durchgeführt hat. Das Plutonium von Vattenfall ist daher an die Gesellschaft VENE übergeben worden, ein Unternehmen, dass überschüssige Plutonium-Mengen der einzelnen Betreiber wie ein Pool verwaltet und für „Interessenten“ zur Verfügung stellt. Auf der S. 29f listet die GRS auf:

  • „E.ON KK besitzt 645 kg Pu-fiss, verwertet aber darüber hinaus weitere 1545 kg von anderen EVU. Insgesamt werden etwa 2190 kg in eigenen Reaktoren eingesetzt. Das Fremdplutonium stammt von RWE (109 kg aus KRB-C mit Einsatz in KKI-2 und/oder KBR) und VENE (264 kg aus KRB/KKK mit Einsatz in KWG, 1158 kg aus KKK mit Einsatz in KKI-2 und/oder KBR).
  • RWE besitzt 1965 kg Pu-fiss, verwertet davon aber nur 1856 kg in eigenen Reaktoren (KRB 865 kg, KKE 991 kg). Die Differenz von 109 kg übernimmt E.ON KK.
  • VENE besitzt 1709 kg Pu-fiss, verwertet aber nichts in eigenen Reaktoren. 264 kg sollen in KWG (E.ON KK), 1158 kg in anderen E.ON KK-Reaktoren und 287 kg in Reaktoren, die noch nicht festgelegt wurden, eingesetzt werden.
  • EnKK besitzt 660 kg Pu-fiss und will diese komplett im eigenen Reaktor GKN-Il einsetzen.“

Zum Einsatz von MOX siehe auch den Bericht: E.on räumt ein – Plutonium-Brennelemente machen nur Probleme. Und hier.

Seit Anfang der 80er Jahre bis Ende 2005 wurden bestrahlte Brennelemente aus deutschen Reaktoren zur Wiederaufarbeitung nach Frankreich und England transportiert. Der Anteil des spaltbaren Plutonium 239 beträgt dabei weniger als ein Prozent! In der Antwort zu einer Kleinen Anfrage teilt die Bundesregierung im April 2010 mit (PDF): „Aus der Wiederaufarbeitung bestrahlter Brennelemente im In- und Ausland sind insgesamt etwa 62,4 Tonnen Plutonium zu erwarten.“

Außerdem teilt die Bundesregierung mit: Bis zum 31. Dezember 2008 sind 838 Tonnen als MOX-Brennelemente entsprechend 50,8 Tonnen Plutonium in deutsche Reaktoren zurückgeführt worden.“

In einem Artikel hat die Osnabrücker Zeitung gestern davon gesprochen, dass nach ihren Recherchen noch insgesamt ca. 100 Atomtransporte mit plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen zu den verschiedenen Atomkraftwerken in Deutschland zu erwarten sind. Eine nachvollziehbare Darstellung erfolgt in dem Artikel allerdings nicht. Die Zeitung berichtete: „Nach Informationen unserer Zeitung werden noch zahlreiche weitere derartige Transporte in den kommenden Jahren erfolgen – trotz Atomausstieg. Kraftwerksbetreiber EnBW teilt auf Anfrage mit, dass aus Sellafield etwa 28 Mox-Brennelemente zurückerwartet werden. Das ergebe sich aus der Menge des bei der Wiederaufarbeitung angefallenen Plutoniums.“

Außerdem berichtet die OZ, dass E.on auch aus Franreich noch weitere MOX-Brennelemente erwartet: „Abgesehen von der letzten Fracht aus England steht bei Eon noch die Lieferung von etwa 60 Mox-Brennelementen aus der Wiederaufarbeitungsanlage im französischen La Hague aus. Hierhin wurden über die Jahre 5379 Tonnen strahlende Fracht geliefert. Keine genauen Angaben wollte RWE machen, nur so viel: Auch der Essener Konzern muss noch Mox-Brennelemente zurücknehmen.“

Entgegen der Behauptung in der Osnabrücker Zeitung, dass das AKW Emsland laut RWE keine Genemigung für den MOX-Einsatz hat, verfügen alle neun noch in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke über eine Genehmigung für den Einsatz von MOX-Brennelementen: Brokdorf, Grohnde, Emsland, Philippsburg 2, Neckarwestheim 2, Gundremmingen B und C, Isar 2, Grafenrheinfeld.

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