Urenco: Geheimpolitik der Bundesregierung – Niederlande macht Runden Tisch

robinwood_uranfabrig_gronauHier zur Dokumentation eine Pressemeldung des Linken-Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel zur geplanten Anhörung im Niederländischen Parlament und dem Schweigen der deutschen Bundesregierung zum Verkauf der Uranfabriken der URENCO. Bei URENCO wird Uran angereichert. Die Technik ist grundsätzlich auch in der Lage, waffenfähiges Uran anzureichern und unterliegt daher strengen Sicherheitskontrollen, damit das nicht passiert. Aber: Die URENCO mit ihren vier Uranfabriken, eine davon in Deutschland (Gronau), soll verkauft und privatisiert werden.

Der Linken-Abgeordnete hatte der Bundesregierung schriftlich Fragen gestellt, wie es aktuell mit dem Verkauf der URENCO und damit zusammenhängenden Sicherheitsfragen steht. Die – wenig aussagekräftigen – Antworten gibt es hier in dieser PDF. Dort ist auch zu lesen, dass die Bundesregierung bislang keine Information oder Beteiligung des Bundestages plant.

Hier die PM: „Die Bundesregierung möchte die Privatisierung der URENCO offenbar still und heimlich, ohne öffentliche Debatte, über die Bühne bringen. Deswegen will sie auch den Deutschen Bundestag und die NRW-Landesregierung nicht einbeziehen. Weil die deutsche Bundesregierung nichts mitteilt, werde ich mich am kommenden Donnerstag im niederländischen Parlament über den geplanten URENCO-Verkauf schlau machen“, so der aus Münster stammende Bundestagsabgeordnete der LINKEN, Hubertus Zdebel.

Zdebel weiter: „Bereits im September ist bekannt geworden, dass die Eigentümer von URENCO, namentlich Großbritannien, die Niederlande und die deutschen Konzerne E.on und RWE, einen Verkauf planen.  ‚Die Bundesregierung sieht derzeit keinen Anlass für eine weitergehende Beteiligung des Deutschen Bundestages‘, war diese Woche die Reaktion der Bundesregierung auf meine Frage. Politisch ist diese Geheimpolitik in Sachen URENCO eine Kapitulationserklärung der Bundesregierung. Gerade gegenüber den Menschen im Münsterland, die zu Recht befürchten, dass ihre Region zum Atomklo Deutschlands gemacht werden soll, ist das eine Unverschämtheit. Das niederländische Parlament reagierte auf die Verkaufspläne mit der Einrichtung eines Runden Tisches. Ich werde deshalb am 5. Dezember an der Anhörung des niederländischen Parlaments in Den Haag teilnehmen, um mich dort über die Vorgänge zu informieren.

In den Uranfabriken der URENCO, zum Konzern gehört unter anderem die Anreicherungsanlage im westfälischen Gronau, wird Uranbrennstoff für Atomkraftwerke hergestellt. Die dort eingesetzte Technologie ist aber auch zur Herstellung von atomwaffenfähigem Uran nutzbar. Die Tatsache, dass die Bundesregierung weder einen Börsengang  der URENCO ausschließt, noch den Verkauf an einen Pensions-, Investment- oder Hedgefonds ist zutiefst Besorgnis erregend. Es ist nämlich völlig unklar, wie unter solchen Besitzverhältnissen die Weiterverbreitung dieser Technologie an Dritte sicher ausgeschlossen werden kann. Die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen muss allerhöchste Priorität für die Politik haben.“

ATOMMÜLL: Wir müssen uns Sorgen machen – Eine Bestandsaufnahme für die Bundesrepublik Deutschland

cover_sorgenberichtZu Beginn der Reaktorkatastrophe von Fukushima rief die Bundesregierung zwar den Atomausstieg aus, doch verändert hat das nichts. Der Atommüll strahlt weiter. Der aktuelle „Sorgenbericht der Atommüllkonferenz“ 2013 zeigt das deutlich.

Wir müssen uns Sorgen machen

Daten zu über 90 Atommüllstandorten in Deutschland hat die Politologin Ursula Schönberger für diese Bestandsaufnahme zusammengetragen, dabei sind „Spezialitäten“ wie 1.900 Altlastanlagen der Wismut, für die keine Sanierungspflicht besteht, nicht einmal mit gerechnet. Gemeinsam mit einem Redaktionsteam auf Initiative der Atommüllkonferenz (*) ist ein 272 Seiten starkes Buch entstanden, das die Atommüllmisere der Bundesrepublik Deutschland abbildet.

Karte_zum_SorgenberichtZu lesen sind diese Datenblätter der gesamtdeutschen Atommüllära wie Szenen aus einem Kriminalroman. Im Anhang wird in kurzen Essays auf standortübergreifende Probleme eingegangen: Das „Freimessen“ von Atommüll, Transparenz oder der ungelösten Frage nach dem Lagerkonzept für das gesamte Atommüllaufkommen.

Wohlgemerkt, diese Bestandsaufnahme zeichnet nicht nur die ca. fünf Prozent hochradioaktiver Abfälle auf, die das Standortauswahlgesetz umfasst, sondern auch die restlichen 95 Prozent des bundesrepublikanischen Atommülls, den die Politik gerne verschweigt. Dem Sorgenbericht ist eine gefaltete, DIN A 1 große, Karte beigelegt, die alle Atommüllstandorte noch einmal visuell sichtbar macht und die für 3 Eur auch gesondert bezogen werden kann. Von einer weißen Landkarte kann heute niemand mehr sprechen.

ReferentInnen-Service

ursulaschoenberger-sorgenberichtFür alle Arten von Veranstaltungen und Aktionen zur Vorstellung der Bestandsaufnahme vermitteln wir gerne ReferentInnen, die an der Ausarbeitung mitgearbeitet haben, inbesondere Ursula Schönberger, die die Arbeit geleitet hat und als Autorin firmiert oder Peter Dickel. Kosten: Fahrtkosten, falls erforderlich Übernachtung. Über ein Honorar freuen wir uns, es ist aber keine Bedingung.

Veranstaltungen könnten z.B. im Buchhandel, Volkshochschulen oder als eigene Abendveranstaltung stattfinden; können aber auch Pressegespräche oder Gespräche mit KommunalpolitikerInnen sein.

Zur weiteren Absprache bitte eine Mail an bestandsaufnahme@atommuellkonferenz.de, wenn schon möglich mit Termin-Wunsch und kurzer Info zur Art der geplanten Veranstaltung.

web-banner-sorgenberichtBericht bestellen

Das 272-seitige Buch incl. einer beigefügten farbigen A1-Übersicht kann im Webshop der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD (shop.ag-schacht-konrad.de), per eMail an bestandsaufnahme@atommuellkonferenz.de oder im Buchhandel (ISBN 978-3-00-043228-6) bestellt werden und kostet 15 Eur (zzgl. 2,50 Eur Versandkostenpauschale).

Bestellen bei ROBIN WOOD: Hier im Shop von ROBIN WOOD kann der Sorgenbericht online bestellt werden.

Bestandsaufnahme Atommüll weiter bekannt machen

Die weitere Verbreitung der Bestandsaufnahme kann unterstützt werden durch z.B.:

  • Buchhandlungen im Wohnort ansprechen, ob sie Exemplare (auch in Kommission und mit dem üblichen Buchhandelsrabatt) ins Programm aufnehmen
  • eine Veranstaltung organisieren, ReferentIn einladen (s.o.)
  • ein Pressegespräch/eine Pressekonferenz organisieren
  • den Flyer an geeigneten Orten auslegen
  • das A1-Plakat bestellen und gut sichtbar aufhängen
  • den Sorgenbericht bestellen, lesen und mit den Informationen weiterarbeiten
  • diese Info in eigene Verteiler weiterleiten

Thomas Erbe, Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD e. V.

(*) Die ATOMMÜLL-Konferenz ist ein fachpolitisches Forum von Standorten, Verbänden und unabhängigen WissenschaftlerInnen; mehr: www.atommuellkonferenz.de

Mongolei: Atomindustrie und Bergbaukonzerne contra Nomaden

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Atomgigant AREVA aus Frankreich: Weltweite Umweltzerstörung und Gesundheitsrisiken durch Atomenergie und Uranabbau. Auch in der Mongolei.

Weltweit forcieren Konzerne und Investoren die Suche nach Rohstoffen. Ganz weit oben auf der Liste der begehrten Stoffe ist das für die Atomenergie wichtige Uran. Auch in der Mongolei spitzen sich die Konflikte um den überaus umwelt- und gesundheitsschädlichen Uranabbau zu. Mit dabei ist der französische Atomgigant AREVA, der dort zur Zeit Probebohrungen zur Erkundung für künftige Uranminen durchführt. Darüber berichtet die deutschsprachige Homepage „Munx-Tenger“ (Ewiger Himmel). Über die aktuelle Lage berichtet der folgende Text, der auch in der Zeitung „ak-analyse und kritik“ (Nr. 588) erschienen ist.

Und hier der Artikel über die Atomindustrie und Bergbaukonzerne in der Mongolei:

„Der Konflikt zwischen den Tierhaltern und der Bergbauindustrie spitzt sich zu. Im Frühjahr 2013 protestierten 319 Tierhalter aus der Ostgobi (Dornogobi) gegen die Uran-Bohrungen des französischen Atomriesen AREVA und machten diese Probebohrungen verantwortlich für Mißbildungen und Totgeburten bei ihrem Vieh. Im September protestierten Nomaden und Umweltschützer gegen eine Revidierung des „Gesetzes mit dem langen Namen“, das den Bergbau an Flußufern und in Waldgebieten untersagt. Ende Oktober hat nun AREVA  ein Abkommen mit der mongolischen Atombehörde Monatom geschlossen, um zwei Lagerstätten in der Ostgobi mit insgesamt 60.000 Tonnen Uranerz auszubeuten.“ Weiterlesen auf der Seite von Munx-Tenger…

Stilllegung von Atomanlagen – Betreiber und Begleitgrupppe in Geesthacht im „konsensorientierten Dialog“

Die alte Reaktorhalle der GKSS. Foto: Dirk Seifert
Wie geht Stilllegung von Atomanlagen? In Geesthacht sollen die Anlagen der ehemaligen Forschungsreaktoren per konsensorientiertem Dialog zurück gebaut werden. Foto: Dirk Seifert

Vor etwas über einem Jahr haben die Betreiber der Atomanlagen der ehemaligen GKSS, heute das Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG), einen überraschenden Vorschlag veröffentlicht: Sie wollten die Stilllegung der Atomanlagen am Standort in einem konsensorientierten Dialog-Prozess auf den Weg bringen. Inzwischen ist dieser Prozess ein Jahr alt. Eine erste – positive – Bilanz und wichtige Arbeitsergebnisse legten das HZG und die inzwischen etablierte Begleitgruppe, in der AnwohnerInnen ebenso wie Anti-Atom-Gruppen aus der Region beteiligt sind, vor wenigen Tagen vor.

Über den Auftakt, die ersten Probleme und die Lösungen, wurde auf umweltfairaendern.de in mehreren Beiträgen informiert.

Grundzüge der Zusammenarbeit

Bislang haben HZG und Begleitgruppe einen Alternativenvergleich durchgeführt, welches der sicherheitstechnisch bessere Weg für die Stilllegung des Forschungsreaktors und der heißen Zelle in Geesthacht wäre und dazu mit Wolfgang Neumann von der Intac einen unabhängigen Experten einbezogen. (Siehe dazu: Dialog für die Stilllegung: Antrag für den Rückbau der Atomforschungsreaktoren der GKSS ist gestellt!).

Außerdem war es wichtig, dass HZG und Begleitgruppe intensiv die weitere Zusammenarbeit und die jeweiligen Erwartungen und Probleme intensiv miteinander besprochen haben. Denn rechtliche Vorgaben, wie ein solcher konsensorientierter Dialog eigentlich funktionieren kann, gibt es nicht. Daher haben beide Seiten ein Papier erarbeitet, das die „Grundzüge der Zusammenarbeit“ im Dialog-Prozess in Eckpunkten beschreibt und außerdem ihr jeweiliges Selbstverständnis in diesem Prozess definiert.

Diese Papiere sind jetzt auf der Homepage des HZG online unter diesem Link: www.hzg.de/dialog oder direkt hier als PDF herunterzuladen:

Über das Pressegespräch berichtet die Bergedorfer Zeitung – Lauenburgische Landeszeitung in – sehr verkürzter Weise – in diesem Artikel.

Siehe auch hier den Artikel von der LAGA Lüneburg.

Außerdem wurde vereinbart, dass auch Ereignisse aus der Geschichte der Atomforschungsanlage aufgearbeitet und öffentlich zur Diskussion gestellt werden sollen. Dazu gehört die Frage nach den Gründen für die weltweit einzigartige Erhöhung von Leukämieerkrankungen von Kindern und Jugendlichen in der Elbmarsch rund um die Atomanlagen der GKSS und des Vattenfall-Atomreaktors Krümmel. Ebenso soll die Frage diskutiert werden, welche Motive zur Gründung der GKSS in den 50er Jahren führten.

URENCO Verkauf und Risiko Weiterverbreitung Atomwaffentechnologie: Linker Abgeordneter Zdebel fragt Bundsregierung

URENCO-Uranfabrik in Gronau: Gaszentrifugen zur Urananreicherung können auch Waffen-Uran herstellen.
URENCO-Uranfabrik in Gronau: Gaszentrifugen zur Urananreicherung können auch Waffen-Uran herstellen.

Während in den Niederlanden am 5. Dezember ein Runder Tisch im Parlament über Risiken eines Verkaufs der Uranfabriken der URENCO diskutieren wird, hüllt sich die Bundesregierung weiterhin in einen Mantel des Schweigens. Der Verkauf der URENCO ist nicht nur von Bedeutung, weil der Konzern über ein Drittel des Weltmarkts für Urananreicherung dominiert und damit einer der wichtigsten Lieferanten für den in Atomkraftwerken eingesetzten Uranbrennstoff ist. Die Technologie der Gas-Zentrifugen, die dabei zur Anwendung kommt, kann auch zur Herstellung von waffenfähigem Uran für militärische Zwecke eingesetzt werden. Der Linken-Abgeordnete Hubertus Zdebel hat jetzt die Bundesregierung schriftlich um Antworten über die Risiken des URENCO-Verkaufs gebeten und will u.a. wissen, ob auch der Deutsche Bundestag beteiligt und vor dem Abschluss der Verhandlungen um Zustimmung ersucht wird.

Auf Schriftliche Kleine Anfragen hat die Bundesregierung in der Vergangenheit recht einsilbig reagiert und weder zu den Interessenten noch zu den Weiterverbreitungs-Risiken Stellung genommen. Eine Beteiligung des Bundestags, so die Regierung Anfang September, sei derzeit nicht vorgesehen. Die Bundesregierung und die Regierungen der Niederlande und Großbritannien sind über den Vertrag von Almelo für die Überwachung der URENCO-Anlagen gemeinsam zuständig und müssten einem geplanten Verkauf zustimmen. Aufgrund der hohen militärischen Bedeutung der URENCO-Fabriken und der enormen Risiken für die Weiterverbreitung von Atomwaffen-Technik, verhandeln die drei Regierungen seit Monaten über die Sicherheitsbedingungen im Falle eines Verkaufs der URENCO. Interessenten gibt es weltweit, von Canada über Frankreich bis hin in den asiatischen Raum.

Der aus Münster, unweit der deutschen URENCO-Uranfabrik in Gronau, stammende Linken-Abgeordnete Hubertus Zdebel hat jetzt die Bundesregierung per Einzelfragen um Auskunft zu den Risiken eines Verkaufs aus bundesdeutscher Sicht und zum Stand der Verhandlungen ersucht. Mit Datum vom 21. November hat er die folgenden Einzelfragen zur schriftlichen Beantwortung für den Monat November 2013 an die Bundesregierung gerichtet. Die Antworten der Bundesregierung dürften dann Ende nächster Woche vorliegen, wenige Tage bevor das niederländische Parlament den Runden Tisch zum URENCO-Verkauf durchführt:

„1)  Welche Probleme bestehen aus Sicht der Bundesregierung bei einem geplanten Verkauf der Urananreicherungsfirma URENCO und dem damit verbundenen 50 Prozent Anteil der URENCO an der Enrichment Technology Company (ETC) an Privat-Unternehmen mit Blick auf die Weiterverbreitungs-Risiken und wie sollen diese gelöst werden?

2)  Welche Ergebnisse hatten die Gespräche zwischen der Bundesregierung und der britischen sowie niederländischen Regierungen zu einem Rechtsrahmen, der den drei Regierungen die Durchsetzbarkeit des völkerrechtlichen Vertrages von Almelo auch in der Zukunft bei möglicherweise anderen Anteilseignern sicherstellt und wann ist mit einem Abschluss der Gespräche zwischen den drei Regierung zu rechnen?

3)  Sieht die Bundesregierung auch angesichts des Runden Tisch des niederländischen Parlaments zum Verkauf von URENCO am 5. Dezember 2013 weiterhin keine Notwendigkeit, den Bundestag über die eigenen Aktivitäten im Zusammenhang mit der Veränderung der Eigentümerstruktur bei URENCO zu unterrichten, und wird sie die Zustimmung des Deutschen Bundestages einholen, bevor sie einer Änderung der Eigentümerstruktur bei URENCO oder einem neuen Rechtsrahmen zur Regelung der staatlichen Aufsicht der URENCO-Aktivitäten zustimmt?“

Mehr Informationen über die Bedeutung und Rolle der URENCO und der Uranfabrik in Gronau hier:

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