Die großen Stromkonzerne setzen alles daran, die Energiewende zusammen zu schießen. Kein Wunder: Denn der auf 25 Prozent gestiegene Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bedeutet für sie den Verlust von Marktanteilen. Und immer mehr bestimmen die Erneuerbaren Energien zum Ärger der Atomkonzerne die Rahmenbedingungen, in denen die Energieerzeugung stattfindet und in der diese ihr Geld verdienen. Die dezentralen Erneuerbaren machen immer mehr die Grundlastkraftwerke unrentabel. Bei der ehemals teuren Spitzenlast haben sie mit der Solarenergie die alten Kraftwerke längst abgelöst – mit Einnahmeverlusten bei Vattenfall, E.on und Co.
Während eine sozial ungerechte Energiepolitik der Bundesregierung die Kosten der Energiewende fasst ausschließlich auf private und gewerbliche Kunden umlegt, werden immer mehr Unternehmen aus dem Umlagesystem herausgenommen. Nicht nur im Rahmen des Erneuerbare Energien Gesetzes, sondern auch z.B. bei den Kosten für die Netze. Und die Bundesregierung lenkt die Förderung vor allem in Richtung der großen Stromkonzerne, z.B. bei der gegenüber der landgestützten Windenergie deutlich teureren Off-Shore-Technologie und den damit verbundenen Netzanschlusskosten.
Mehrere Studien haben dies in den letzten Wochen deutlich gemacht: Die steigenden Kosten für die privaten Haushalte und kleinen Gewerbebetriebe sind nicht von der Energiewende gemacht, sondern von der unsozialen Politik der Bundesregierung. Zum einen haben die Grünen im Bundestag eine Studie (PDF) vorgelegt, die das aufzeigt. Zum anderen hat der Ökostromanbieter Greenpeace Energy eine detaillierte Studie vorgelegt, die sie hier finden (ZIP).
Wie durchschaubar das Ganze ist, machen Vattenfall, E.on und Co. im Grunde mehr als deutlich: Gegenüber den Aktionären verweisen die Unternehmen in ihren Geschäftsberichten auf sinkende Strompreise, gegenüber der Politik und den VerbraucherInnen drohen/kündigen sie satte Preissteigerungen an.
Beispiel Vattenfall: Ende Juli 2012 klagt Vattenfall, dass die Strompreise am Spotmarkt gegenüber 2011 deutlich niedriger sind als im Vorjahr. Das belastet das Geschäftsergebnis, dessen Daten der Konzern für das zweite Quartal 2012 so zusammenfasst: „… können wir für das zweite Quartal 2012 ein stabiles bereinigtes Betriebsergebnis ausweisen – trotz deutlich niedrigerer Spotpreise für Strom im Vergleich zu 2011. Die Marktaussichten auf die künftige Entwicklung von Stromnachfrage und –preisen bleiben verhalten, was weiter Druck auf unsere Ertragskraft ausüben wird.“ (PM Vattenfall – Quartalsbericht 2/2012)
Auch die Prognose von Vattenfall ist also klar: Verhaltene Marktaussichten, weil die künftige Entwicklung
Infolge der Energiewende werden die Strompreise nach Einschätzung von Vattenfall-Europachef Tuomo Hatakka bis zum Jahr 2020 um 30 Prozent steigen. Allein in den nächsten zehn Jahren seien für die Energiewende Investitionen von 150 Milliarden Euro nötig. „Ein Großteil dieser Kosten wird qua Gesetz auf die Stromrechnung umgelegt werden“, sagte der Europachef des Energiekonzerns der „Süddeutschen Zeitung“ vom Montag.
Dass Vattenfall aber durch das Verlagern der Kosten durch gesetztliche Maßnahmen enorm profitiert, dass es Kosten von Vattenfall wegnimmt, bleibt – natürlich – unerwähnt.
Bundesweit sind acht Atomkraftwerke nach der Katastrophe von Fukushima endgültig stillgelegt worden. Verniedlichend sprechen die Atomkonzerne gern von „grüner Wiese“ – doch die atomaren Hinterlassenschaften werden noch für viele Jahrtausende ein hohes ökologisches Risiko darstellen. Wie sieht der Prozess der Stilllegung aus? Welche Verfahren gibt es? Wie werden BürgerInnen und Öffentlichkeit beteiligt? Welche Gefahren sind damit verbunden? Und was passiert mit dem ganzen Atommüll?
Für die acht Atomkraftwerke, die nach Fukushima per Atomgesetz abgeschaltet wurden, ist die Betriebserlaubnis zur kommerziellen Stromerzeugung faktisch erloschen. Derzeit befinden sich die Reaktoren in der so genannten Nachbetriebsphase. Jetzt müssen die Betreiber entscheiden, wie sie weiter vorgehen wollen. Grundsätzlich stehen ihnen dazu bislang zwei Wege offen: Sie können entweder den Rückbau der Anlagen sofort beginnen oder zunächst den sog. sicheren Einschluss durchführen und den Rückbau dann erst später starten.
Welchen Weg die AKW-Betreiber gehen, ist im Atomgesetz nicht geregelt, grundsätzlich kommen daher derzeit beide Wege in Frage. Die neue Landesregierung in Kiel, die den sofortigen Rückkbau bevorzugt, hat aber inzwischen angekündigt, dass sie eine Gesetzesinitiative starten will, mit der das Atomgesetz künftig den Rückbau vorschreibt.
Im Koalitionsvertrag, der Grundlage für die seit Juni 2012 regierende Koalition aus SPD, Grünen und SSW ist, heißt es dazu: „Wir wollen den eingeleiteten Atomausstieg schnellstmöglich vollenden. Über eine Bundesratsinitiative und die Landesatomaufsicht wollen wir für den unverzüglichen Rückbau der stillgelegten Meiler sorgen. Um dieses sicherzustellen, muss die Option „sicherer Einschluss“ aus dem § 7 Atomgesetz gestrichen werden.“ (S.38)
Für die jetzt anstehenden Diskussionen und Entscheidungen in Sachen Stilllegung der AKWs gibt es bereits Erfahrungen. Wolfgang Neumann von der Intac aus Hannover (früher Gruppe Ökologie): „Es wurden bereits 19 Atomanlagen endgültig abgeschaltet bzw. befinden sich in Stilllegung.“
Im Strahlentelex vom November 2011 findet sich ein ausführlicher Artikel von Neumann, in dem er über die grundsätzlichen Fragen einen Überblick gibt, aber auch zu derzeit laufenden Stilllegungsverfahren konkrete Hinweise gibt. (eine gekürzte Fassung gibt es hier als PDF). Bereits 1999 hat sich Neumann in der Zeitung ak-analyse+kritik ausführlich mit der Frage nach Einschluss oder Rückbau auseinandergesetzt. (PDF)
Im Strahlentelex kommt Neumann zu einer kritischen Bilanz: „Die sicherheitstechnischen Anforderungen werden abgeschwächt und die Öffentlichkeitsbeteiligung wird ausgehöhlt.“ Er verweist vor allem auf das Stilllegungsverfahren für das AKW Obrigheim in Baden-Württemberg. Mit seiner Kritik steht er nicht allein. Bürgerinitiativen rund um Obrigheim haben inzwischen gegen den Rückbau des Atommeilers Klage eingereicht. Die Klage zielt auch darauf, dass bundesweit verbindliche Regelungen her müssen, in denen die Beteiligung der Öffentlichkeit in allen Rückbau- und damit verbundenen Gehnehmigungsschritten sicher gestellt werden.
Inzwischen hat die grün geführte Landesregierung in Baden-Württemberg auf die Kritik der AtomkraftgegnerInnen reagiert und im Mai 2012 per Pressemitteilung zugesagt, mehr Öffentlichkeitsbeteiligung anzubieten „als vorgeschrieben“ und beteuert, dass die Sicherheit beim Rückbau „höchste Priorität“ habe.
Der Grüne Umweltminister Franz Untersteller versucht die Kritik abzuwiegeln: „Im Gegenteil, sagte der Umweltminister, die EnBW Kernkraftwerk GmbH (EnKK) tue sogar mehr als rechtlich erforderlich, um die Bevölkerung insbesondere in der Region am unteren Neckar zu informieren und einzubeziehen. Franz Untersteller: „Die EnKK führt vor der Erteilung der dritten Abbaugenehmigung freiwillig eine Informationsveranstaltung für die Öffentlichkeit durch. Und wir wollen neue Aspekte, die sich eventuell bei dieser Veranstaltung ergeben, im weiteren Verfahren berücksichtigen.“
Aber genau hier zeigt sich das Problem: Die rechtlichen Ansprüche für eine umfangreiche Beteiligung sind derzeit zu vage und es hängt vom Good-Will einer Landesregierung oder Atomaufsicht ab, wie weit sie in Sachen Bürgerbeteiligung geht. Und wenn der AKW-Betreiber nicht will, hat er derzeit gute rechtliche Möglichkeiten, die Beteiligung auf einen schmalen Rahmen zu begrenzen.
Auch die Landesregierung in Schleswig-Holstein hat per Koalitionsvertrag erklärt: „Wir werden für maximale Transparenz sowohl beim Rückbau der stillgelegten Meiler als auch bei Betrieb, Wartung und Störfällen des AKW Brokdorf sowie Atomtransporten sorgen.“ (S.38)
Was das genau bedeutet und in welcher Weise die neue Landesregierung die Bevölkerung nicht nur informieren wird, sondern ihr auch im Rahmen der Genehmigungsverfahren für die Stilllegung rechtliche Einflussmöglichkeiten einräumen wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht wird auf der Veranstaltung der Stadt Geesthacht am 13. September 2012 über die Stilllegung des AKW Krümmel darüber mehr zu erfahren sein, denn dann könnte der Leiter der Atomaufsichtsbehörde in Schleswig-Holstein, Wolfgang Cloosters, dazu einiges darlegen. Inzwischen ist auch klar, wer für Vattenfall an dieser Veranstaltung teilnehmen wird: Dr. Neuhaus und Torsten Fricke vertreten das Unternehmen.
Auch für das AKW in Brunsbüttel ist die Atomaufsicht in Schleswig-Holstein zuständig.
Für die beiden Atommeiler in Biblis hat RWE vor kurzem die Anträge für den Rückbau beim hessischen Umweltministerium eingereicht. Das HMU hat darüber öffentlich informiert und hat auf seiner Homepage auch einen Fragen-Antwort-Katalog veröffentlicht, der einen Überblick über den derzeit geplanten Ablauf und Umfang des Genehmigungsverfahrens und des anschließenden Rückbaus gibt.
In den Fragen/Antworten werden in Frage 4 zwar indirekt Hinweise gegeben, dass die Öffentlichkeitsbeteiligung erfolgen wird, zumindest im ersten Schritt. Unklar bleibt aber, wie sich das „gestufte Genehmigungsverfahren“ im einzelnen konkret darstellt und ob an allen einzelnen Schritten die Öffentlichkeit beteiligt wird. Genau das war beim Rückbau des AKW Obrigheim zum Problem geworden, wo ledliglich im ersten Schritt eine Öffentlichkeitsbeteiligung erfolgte, nicht aber mehr im zweiten.
Ein wichtiger Hinweis auf die Sicherheitsfrage wird in der Antwort zur Frage 10 geliefert. Da es bundesweit an Castor-Behältern mangelt, stehen alle AKW-Betreiber derzeit vor dem Problem, dass die hochradioaktiven Brennelemente nicht schnell aus den Nasslagern und dem Reaktor herausgeholt und in Castorbehältern in die vorhandenen Standortzwischenlager transportieren werden können. Deshalb scheinen die Betreiber zu planen, den Rückbau zu beginnen, auch wenn die hochradioaktive Fracht noch im Reaktor steht. Das stellt ein enormes Risiko dar! Nicht nur in Biblis, auch in den AKW Krümmel und Brunsbüttel, Unterweser etc. dürfte es hier zu gravierenden Problemen kommen. Sicherer wäre in jedem Fall, das die Brennelemente vor einem Rückbau ausgelagert sind!
Aber auch zahlreiche weitere Probleme stehen bei der Stilllegung im Raum: Für leicht- und mittelradioaktive Atomabfälle soll der Schacht Konrad genutzt werden. Der ist zwar genehmigt, aber der Ausbau verzögert sich seit Jahren immer wieder. Eine Inbetriebnahme ist nicht vor 2019 zu erwarten. Bis heute bestehen beim Schacht Konrad massive Sicherheitsbedenken, vor allem was die Langzeitsicherheit und das Risiko von Wassereinbrüchen angeht. Aber auch die zahlreichen Atomtransporte zum Schacht Konrad stehen immer wieder in der Kritik. Zuletzt hatte die Nachbar-Stadt Salzgitter, die gegen das Atommülllager geklagt hatte, eine Studie veröffentlicht, in der über die massiven Unfallrisiken berichtet wurde (siehe auch hier).
Risse in Reaktoren und Rohren. Da hilft kein Knoten… Foto: Kurt Michel/pixelio.de
In zwei Atomreaktoren in Belgien sind in den Druckbehältern zahllose Risse entdeckt worden. „Risse und Reaktoren“ sind kein neues Thema bei Fragen der Sicherheit der Atommeiler. Nicht nur die Reaktordruckbehälter (RDB), sondern auch wichtige Kühlleitungen und Pumpen müssen besonderen Anforderungen in einem AKW standhalten, denn ein Versagen könnte fatale Folgen haben. Auch in Deutschland waren Atomreaktoren wiederholt für längere Zeit wegen Rissen in Rohrleitungen und Armaturen abgeschaltet.
Bei Rissen bzw. Materialfehlern ist ausschlaggebend, nicht nur einzelne Komponenten zu betrachten. Viele kleine Materialfehler in einzelnen Komponenten können sich in Folge eines Störfallereignisses aufaddieren und so zu einer Katastrophe führen, obwohl jedes einzelne Teil für sich genommen, noch im Rahmen der Toleranz erschien. Genau das ist in Fukushima passiert, wo unabhängige Einzelereignisse in der Summe zur Katastrophe führten.
—- Aktualisierung vom 28. August 2012
In Deutschland ist das AKW Würgassen, das 1975 in Betrieb ging, wegen Haarrissen im Stahlmantel des Reaktorkerns im April 1997 endgültig stillgelegt worden! Die Risse waren bereits im August 1994 entdeckt worden. „Der Befund ergab sich bei der routinemäßigen Revision, als erstmals auch der Reaktor-Kernmantel mit Unterwasserkameras untersucht wurde. Nach der bisherigen Interpretation der Videoaufnahmen sind die Risse bis zu 60 Millimeter lang. Das Kraftwerk bleibt vorerst abgeschaltet, bis weitere Untersuchungen durchgeführt worden sind und Klarheit über den Umfang der notwendigen Reparaturen besteht. Der Technische Leiter des Kernkraftwerks, Jörg-Dieter Peters, äußerte sich zuversichtlich, den Betrieb noch in diesem Jahr wiederaufnehmen zu können. Ein „Gefährdungspotential“ sei durch die Risse nicht entstanden.“ (siehe Leuschner)
Über Probleme mit Rissen berichtet der Spiegel der schon 1978! ausführlich, besonders verweist er dabei auf die Anfälligkeit vor allem der Siedewasserreaktoren. Der Spiegel führt mehrere Beispiele an:
„Am 5. Januar 1977 machte das Kernkraftwerk Lingen dicht — Risse in den Dampfumformern und schwere Defekte am Notkühlsystem wurden entdeckt. Die Anlage brauchte nach gründlicher Erneuerung sogar eine neue Betriebsgenehmigung; womöglich wird sie für immer stillgelegt.“
Hinwies: „Im Jahr 1977 wurde der nukleare Teil des Kraftwerks nach einem Schaden im Dampfumformersystem stillgelegt und befindet sich seit 1988 im sicheren Einschluss. Ab 2013 soll das Kraftwerk total beseitigt werden.“
Weitere Beispiele aus dem Spiegel:
„* Würgassen, das ohnehin nur mit 80 Prozent der vorgesehenen Leistung gefahren werden durfte, hatte schon drei Monate dieses Jahres stillgestanden (Risse am Dampftrockner), als ein Turbinenschaden es am 7. Oktober lahmlegte.
* In Brunsbüttel, bereits letztes Jahr durch Mängel der Hauptpumpen beschädigt, riß am 18. Juni ein Leitungsblindstutzen — 97 Tonnen radioaktiver Dampf strömten ins Maschinenhaus und teilweise ins Freie; die Mannschaft griff regelwidrig ins automatische Sicherheitssystem ein. Inzwischen überflutete auch noch Elbwasser das Pumpenhaus, stürzte ein Reparaturschlosser zu Tode. Für die Wiederaufnahme des Betriebs hat sich Bundesinnenminister Gerhart Baum die Zustimmung vorbehalten.
Beim neuesten Kraftwerk mit Siedewasser-Reaktor schließlich verzögerte sich der Probelauf durch immer weitere Nachbesserungen um Jahre: Philippsburg, dessen 864-Megawatt-Kapazität schon 1974 Nutzen bringen sollte, erhielt die Teilbetriebsgenehmigung letzte Woche — der zweite Block aber wird nun mit einem Druckwasser-Reaktor bestückt (Verlust durch die Umrüstung: rund 100 Millionen Mark).“
Auch für das damals noch im Bau befindliche AKW Krümmel hatten diesen Störfälle Auswirkungen. Längst verlegte Rohrleitungen mussten heraus gerissen und durch Rohrleitungen aus neuen Materialien ersetzt werden. Durch diese und andere Probleme verzögerte sich der Bau des AKW Krümmel damals immer mehr und betrug schließlich von Baubeginn 1972 bis zur Inbetriebnahme im Frühherbst 1983 fast zehn Jahre! Detaillierte Informationen über die Bauphase und den Reaktor Krümmel hat die Gruppe Physik-Geowissenschaften aus Hamburg zusammengestellt (1980). Hier als PDF.
————— Ende Aktualisierung
Risse im AKW Stade
Lange Jahre wurde über die Risse im Reaktordruckbehälter des inzwischen stillgelegten AKW Stade zwischen Gutachtern und Aufsichtsbehörde gestritten. Dabei ging es vor allem um die Frage, wie sich der RDB unter dem radioaktiven Dauerbeschuss von Radioaktivität und Neutronen verhält. Kritiker gingen davon aus, dass die Radioaktivität zu einer Versprödung des Stahls führt und der so weniger elastische Stahl zu Rissbildungen neigt. Die Frage ist, ab wann solche Risse für den Behälter, der unter hohem Druck steht, zum Problem werden.
Nicht, ob es Risse im RDB im AKW Stade gibt, sondern welche Bedeutung sie sicherheitstechnisch haben, war der Streitpunkt. Die Zeit berichtet 1990 über den RDB im AKW Stade: „Kann der Riß sich durch die gesamte Wand ausbreiten, so bricht der Druckbehälter. Was dann passiert, ist umstritten, zweifellos wäre es jedoch so schwerwiegend, daß die Sicherheitsphilosophie der Betreiber einen Bruch des Reaktordruckbehälters mit allen Mitteln auszuschließen versucht. Um die Anzahl der Neutronen, die auf die kritischen Stellen treffen, zu senken, entschloß man sich in Stade, ein „Schonprogramm“ zu fahren.“ (zur Komplexität und den Prüfverfahren siehe ausführlich in dem o.g. Zeit-Artikel).
Der RDB im AKW Krümmel
Schon während der Bauphase des AKW Krümmel gab es Kritik an dem Reaktordruckbehälter: „Noch während des Genehmigungsverfahrens wurde kritisiert, daß ein zu hoher Kupferanteil im Reaktorstahl durch den permanenten Neutronenbeschuß eine frühzeitige Versprödung verursachen könnte. Die Folge einer solchen Versprödung: Kommt es im Verlauf eines Störfalls zu starken Temperaturschwankungen und stark ansteigendem Druck im Inneren des Behälters, so kann das nun spröde und fest gewordene Material nicht mehr elastisch genug reagieren, der RDB kann auseinander brechen. “ (AkteX – Die unheimlichen Risiken des AKW Krümmel)
Der Spiegel berichtete damals: „Seit Mitte der siebziger Jahre hatten Experten immer wieder gewarnt, den Stahl „22NiMoCr37″ für Reaktordruckbehälter zu verwenden. Er ist zu spröde und kann im Ernstfall platzen …TÜV-Experten hatten … erhebliche Schlamperei beim Bau des Behälters, der dem Reaktorkern als Gehäuse dient, festgestellt: „Verunreinigungen in den meisten Blechen“ und an den Schweißnähten „zahlreiche Anzeigen“, die als „systematische Fehler angesehen werden mußten.““ (Spiegel 1986, Nr. 48, S. 113, aus AkteX, S. 5)
Und weiter wußte der Spiegel damals zu berichten: „Außerdem hatte sich schon früh erwiesen, daß ein Teil der Behälterbleche zu dünn ist. Jahrelang war es den Betreibern des Krümmel-Projekts gelungen, die Experten des TÜV immer wieder auf ihre Seite zu ziehen. Großzügig setzten sich da die TÜV-Prüfer über ihre eigene Sicherheitsphilosophie hinweg. So heißt es in einem internen Protokoll über eine Besprechung zwischen Krümmel-Planern und TÜV-Experten aus Hamburg, die Experten seien zu der Ansicht gelangt, `daß man mit den Festigkeitswerten ´ der zu dünnen Bleche ` leben könne ´.“
Schon während der Bauphase, die sich über Jahre verzögerte, mussten auch Rohrleitungen die längst eingebaut waren, wieder ausgetauscht werden, weil sich in anderen Reaktoren gezeigt hatte, dass die verwendeten Stähle zu Rissbildungen neigten.
Beim Hersteller im Hof – RDBs für deutsche Reaktoren aus Oberhausen
Ein Problem für die Entwicklung und Verarbeitung der Stähle für die Reaktordruckbehälter war auch, dass es bereits Anfang der 70er Jahre zu erheblichen Verzögerungen beim Ausbau der Atomenergie kam. Jahrelang lagerten die Behälter bzw. Teile davon, bei den Herstellern in den Hallen.
Die Zeit berichtet bereits 1981: „Im Firmenjargon heißt sie die „Leichenhalle“. Betritt man sie, so liegt links Hamm, rechts Grohnde. In der Mitte ist noch Platz für Biblis C (wurde nie gebaut, Anmerk. d. Autors) und Philippsburg 2. Aber was da auf dem Gelände der Gutehoffnungshütte in Oberhausen-Sterkrade in einem Stahlskelettbau mit Wellblechverkleidung gelagert ist, sind eigentlich keine Leichen. Eher könnte man sagen, daß die dort auf starken Fundamenten deponierten Kernkraftwerkskomponenten lebendig begraben sind. Denn sie haben durchaus noch die Chance, eines Tages ihren ursprünglichen Zweck zu erfüllen.“ (Die Zeit, 1981)
Zum Teil mussten die Komponenten über Jahre deponiert werden. Jahre, in denen die Sicherheitstechnik mit immer neuen Erkenntnissen aufwartete, die in diesen Alt-Materialien nicht mehr berücksichtigt werden konnten (siehe oben). Der Grund dafür, so die Zeit weiter: „Was aber überhaupt nicht auf der Rechnung stand, war der faktische Baustopp für Kernkraftwerke. So erhielt die GHH mit der Bestellung der Komponenten für den Block C im RWE-Kraftwerk Biblis 1975 den letzten Inlandsauftrag; aus dem Ausland kamen zuletzt 1977 Aufträge für zwei komplette Sätze aus Brasilien. Und die Argentinier bestellten 1980 Teile für ihr Kraftwerk Atucha II.“
Nicht nur die Druckbehälter, auch andere Schwergewichte würden in Oberhausen-Sterkrade hergestellt, z. B. die Dampferzeuger: „Der erst vor wenigen Wochen (1981) eingegangene Auftrag für Druckgefäß und Dampferzeuger für das Kraftwerk Isar I sichert wenigstens für die Restmannschaft die Beschäftigung bis ins Jahr 1982 hinein.“
Und auch von anderen Herstellern musste Material eingelagert werden: „Deshalb läßt … derzeit eine neue „Leichenhalle“ herrichten, in der weitere Druckgefäße und Dampferzeuger eingelagert werden sollen. Dazu werden auch schon an die KWU abgelieferte Komponenten gehören, die derzeit fertig verpackt im Hafen von Rotterdam liegen. Die ursprüngliche Bestimmung der Heimkehrer: Iran. Für die Kosten muß der jeweilige Kunde aufkommen.“
AKW Grohnde – RDB am Rande des Limits und Betrug bei der Qualitätskontrolle?
Ausführlich widmet sich eine Broschüre über die Sicherheitsrisiken des AKW Grohnde auch den Problemen beim Reaktordruckbehälter: „In Grohnde wurde für den Sicherheitsbehälter der Feinkornbaustahl WSt E 51 verbaut, der außer in Grafenrheinfeld nirgendwo sonst in bundesdeutschen Sicherheitsbehältern verwendet wird. Eine allgemeine Zulassung für WStE51 liegt nicht vor, die Hersteller beantragten deshalb für die beiden AKWs eine Einzelzulassung.“ Und weiter wird in der Broschüre festgestellt: „Am 15.8.1976 wurde der Werkstoff von der Reaktorsicherheitskommission außerordentlich negativ beurteilt. Der AKWs befürwortende Prof. Kußmaul sprach damals von „offensichtlich negativen Erfahrungen“, die man mit diesem Werkstoff in anderen Kraftwerksbauteilen gemacht hatte. Nach der RSK-Sitzung erging ein „Weisungsbeschluß“ des TÜV, nach dem Werkstoffe mit einer höheren Festigkeit als 360 Newton pro mm² (Newton ist die physikalische Einheit der Kraft) nicht mehr zugelassen werden sollen. WSt E 51 hat einen Wert von 510 Newton/mm². Zu der Zeit war der Stahl jedoch schon fertig.“
Mit einer Kleinen Anfrage im Landtag von Niedersachen fragte der Abgeordnete Kurt Herzog im März 2012 die Landesregierung nach Sicherheitsdefiziten des AKW Grohnde, unter anderem zum RDB. Die Antworten finden Sie hier (PDF). Auch im Bundestag fragt die Linke nach, im Januar 2012 wird diese Anfrage zur Sicherheit des AKW Grohnde gestellt.
In der Broschüre über die Sicherheitsmängel des AKW Grohnde wird berichtet, dass man sich im Bundesinnenministerium während der Genehmigungsphase des AKW Grohnde erhebliche Sorgen machte und sorgar überlegte „die Teilerrichtungsgenehmigung zurückzuziehen“.
Weiter berichten die Autoren der Broschüre: „Die Bundesregierung antwortete auf eine Anfrage im Bundestag, die Reaktorsicherheitskommission habe für Grohnde den verwendeten Werkstoff für gerade noch geeignet erklärt, unter der Voraussetzung, dass strenge Verarbeitungsbedingungen eingehalten werden.“
Wurde bei der Qualitätskontrolle betrogen?
Die Frage, wie gründlich gearbeitet wurde und ob die Stähle am Ende wirklich die hohen Sicherheitsanforderungen erfüllten, musste mit umfangreichen Qualitätskontrollen überprüft und nachgewiesen werden. Nur, wenn hier alles umfassend und gründlich überprüft wurde, konnte man sicher sein, dass die Verarbeitung in Ordnung war. Aber, so die Autoren der Grohnde-Broschüre: „Mit der Verarbeitung des Stahls und der Kontrolle war es aber wohl nicht weit her…. Bei den Bauarbeiten am Kraftwerk kam es immer wieder zu Unregelmäßigkeiten.“
Anfang der 80er Jahre kamen die Betrieber in finanzielle Schwierigkeiten, der Arbeitsdruck auf der Baustelle war enorm. Folge davon soll gewesen sein, dass Sicherheitsprüfungen mangelhaft durchgeführt wurden: „Offenbar wurden bereits beim Bau des Atomkraftwerks Sicherheitsprüfungen gefälscht. Beim Erörterungstermin zum Zwischenlager Grohnde am 7. 6.2001 erhob der Einwender und Zeuge Michael N. aus Hameln entsprechende Vorwürfe“.
Konkret: „Der Zeuge behauptete, die Firma Kraftanlagen AG, Heidelberg“ habe „große Probleme mit der Schweißerei und im Bereich der Qualitätssicherung gehabt, wie auch weitere nicht namentlich genannte Firmen“. Der Zeuge berichtet von Manipulationen bei der Qualitätssicherung: „Fand man in Anforderungsstufe 2 bzw. 3 eine defekte Schweißnaht, schmiss man die Filme weg. (…) Konnte eine defekte Schweißnaht nicht repariert werden, so wurde bei der Fa. Kraftanlagen AG, Heidelberg, Baustelle Grohnde, der Vorgang den Bauleitern Krönung/Wilde bzw. dem Leiter QS Karrer weitergegeben. Nach 2-3 Tagen kam dann der Fall zurück in die Qualitätssicherung. Protokolle und Filme waren äußerlich dann in Ordnung. Jeder in der QS wusste, dass Protokolle und Filme falsch waren.“
Risse in Rohren und Armaturen in andern Reaktoren
2007 kam es im AKW Krümmel zu einem Brand eines Transformators und in der Folge zu einer Not-Abschaltung. Der Unfall hat schwere Folgen auch für den Reaktorbetrieb und seit diesem Störfall ist das AKW Krümmel bis zu seiner endgültigen Stilllegung nach der Katastrophe von Fukushima im Grunde nicht mehr ans Netz gegangen. Kurz nach dem Brand im Sommer 2007 wurden bei weiteren Überprüfungen eher zufällig weitere Sicherheitsrisiken entdeckt: In mehreren Rohrleitungen und Armaturen wurden Risse festgestellt.
Durch diese Rissbefunde aufmerksam geworden, wurde im ebenfalls nach einer Pannenserie im Sommer 2007 abgeschalteten AKW Brunsbüttel gründlicher nachgeschaut. Auch hier fanden sich bei einer Überprüfung Risse in verschieden Bauteilen des Reaktors.
Noch mehr Hinweise auf Betrug bei der Qualitätskontrolle
Ausführlich berichtet der Spiegel 1993 über diese Rissbildungen und ihre sicherheitstechnische Bedeutung. Dabei deutet der Spiegel an, dass es auch hier in Sachen Qualitätskontrolle erhebliche Mängel gegeben haben muss:
„Röntgenfotos von damals, die dem SPIEGEL vorlagen, sind zum Teil derart unscharf und dunkel, daß allenfalls grobe Konturen von Werkstücken auszumachen sind. Ein Vergleich mit heutigen Röntgenaufnahmen taugt schon deswegen kaum etwas.
Manche der Bild-Störungen sind womöglich gar nicht auf veraltete Technik oder handwerkliche Mängel zurückzuführen. Materialprüfer der Hamburger Firma Aweco (Gesellschaft für zerstörungsfreie Materialprüfung mbH), die beispielsweise während des Kraftwerkbaus in Krümmel jahrelang Schweißnähte mit Röntgen- und Ultraschallgeräten überprüft hat und auch in Brunsbüttel kontrollierte, berichten von einer abenteuerlichen Praxis.
„Wenn eine Teilabnahme bevorstand, wurden Prüfergebnisse hingemauschelt auf Deubel komm raus“, behauptet einer der Techniker. Baufirmen hätten die Prüfer „unter Druck gesetzt“, über die „gefährlichen Machenschaften“ zu schweigen.
So seien etwa ausgetauschte Rohrstücke „gar nicht mehr abgenommen“ oder schadhafte Schweißnähte mit gefälschten Befunden „okaygemeldet“ worden. Von „Merkwürdigkeiten und Nachlässigkeiten“ auch in Brunsbüttel, bis hin zu Verwechslungen ganzer Rohrsysteme, sei unter beteiligten Prüfern offen geredet worden, bestätigt ein Kollege. Der Sachkenner über die Ursachenforschung in Brunsbüttel: „Da lach‘ ich mir ’n Ei.“
Die Firma ist in Konkurs gegangen und 1990 aus dem Handelsregister gelöscht worden.“
Auch im inzwischen stillgelegten AKW Isar 1 hat es immer wieder Probleme mit Rissbildungen gegeben, wie die taz 2010 berichtet.
All diese Beispiele zeigen, dass Materialprobleme und Risse nicht die Ausnahme sind, sondern zum Regelfall der Atomenergie gehören. Doch nicht nur diese Probleme sind entscheidend. Ist der Verdacht begründet, dass nicht nur in den genannten Beispielen bei der Qualitätskontrolle geschlampt worden ist, so ist zu vermuten, dass es auch in den noch in Betrieb befindlichen Atomreaktoren möglicherweise mehr Probleme gibt, als wir heute wissen.
Die Uranfabriken der URENCO-Gruppe werden bis heute im Rahmen eines Staatsvertrages zwischen Deutschland, England und den Niederlanden betrieben. Ihr Ziel: Die Förderung der Urananreicherung! Neu im Boot ist seit einigen Jahren Frankreich. Gemeinsam mit der Areva betreibt die Urenco nun die Forschung und Entwicklung sowie den Bau neuer Urananreicherungsanlagen.
Für die Sicherheit der Urenco-Fabrik in Gronau ist das Bundesland NRW zuständig. Die alte und neue rot-grüne Landesregierung kündigt zwar gern Sicherheitprüfungen an, passiert ist aber bis heute – über ein Jahr nach der Katastrophe von Fukushima – so gut wie nichts. Der Artikel aus dem neuen ROBIN WOOD Magazin „Atomaufsicht im Dornröschenschlaf zeigt, was die rot-grüne Landesregierung im Koalitionsvertrag (nicht) verabredet hat, was bislang (nicht) passiert ist und dass es anders gehen könnte.
Zum Stresstest der Bundesregierung in Sachen Uranfabriken und Atommülllager siehe hier und hier die Reaktionen der Urenco auf den Test.
Eurosolar hat gestern scharf auf das von Bundesumweltminister Peter Altmaier vorgelegte 10-Punkte-Programm reagiert. Die Organisation sieht einen massiven Angriff auf die Energiewende und auf den dezentralen Ausbau der Windenergie an Land. Nicht nur Altmaier, auch die FDP bläst zum Sturmangriff. Lindner, Rösler und andere Freidemokraten wollen einen Systemwechsel, meinen damit die weitgehende Abschaffung des EEG. Noch im Herbst will Lindner das EEG zu Fall bringen.
Beim Bundesverband Windenergie haben die Äußerungen für Kopfschütteln gesorgt. TopAgrar zitiert Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes WindEnergie e.V. (BWE): „Die Forderung Christian Lindners nach einem Ausstiegsgesetz aus dem EEG in diesem Herbst und ähnlichen Andeutungen seines Parteivorsitzenden Rösler im heutigen Focus sagen mehr über den Zustand der FDP als über die tatsächliche Lage der Energiewende aus. Es ist überraschend, zu welchem Zick-Zack-Kurs die FDP im Bereich der Energiepolitik im Stande ist. Dass der eigene Koalitionsvertrag ganz klar den Erhalt des EEG festlegt, scheint für das Spitzenpersonal der FDP unerheblich“.
Der Angriff von Altmaier, Rösler, Lindner und Co gefährdet aber auch zahlreiche Arbeitsplätze. Sollte es zu einer Drosselung des landgestützten Ausbaus der Windenergie kommen, dann wäre das nicht nur ein Schaden für die Energiewende und den Klimaschutz. Möglicherweise würde das auch – wie schon in der Solarindustrie – Arbeitsplätze gefährden. Albers: Drosselung des Windenergieausbaus würde deutsche Windindustrie gefährden.
Und zur Frage der Kosten der Energiewende sagt Albers: „Wir müssen genau hinschauen, wen die Bundesregierung neuerdings von der EEG-Umlage befreit und uns fragen, ob das gerecht ist. Der Bundeswirtschaftsminister bleibt der Öffentlichkeit auch die Antwort auf die Frage schuldig, warum er bei der Windenergie mit Offshore den Schwerpunkt seiner Ausbaustrategie gerade auf die teuerste Erzeugungsform legt“.
Es ist absurd: Ausgerechnet diese Bundesregierung macht sich Sorgen um die steigenden Strompreise. Dabei ist es vor allem ihre Politik, die zu dem Anstieg führt, denn immer mehr werden die Kosten auf immer weniger Akteure umgelegt. Kein Wort auch darüber, dass gerade die großen Stromkonzerne E.on, RWE und Vattenfall in ihren Halbjahresbilanzen enorme Gewinne zu bejubeln haben, und gleichzeitig darüber Jammern, dass sinkende (!) Strompreise ihnen die Geschäftsdaten ein wenig verschlechtert hätten.
Die Linie der Bundesregierung in Sachen Energiewende ist offenkundig: Sie will vor allem die großen Stromkonzerne schützen und stärken. Dafür dürfen nicht nur weiter Kohlekraftwerke gebaut werden, auch der Offshore-Windbereich wird deshalb besonders gefördert. Und daher muss der Ausbau vor allem der dezentralen erneuerbaren Energien ausgebremst werden. Erst vor wenigen Monaten hat die schwarz-gelbe Bundesregierung daher eine Deckelung für den Ausbau der Solarenergie durchgesetzt. Diese ist im Ergebnis zwar nicht so schlimm ausgefallen, wie zunächst befürchtet. Aber das Ziel, die Erneuerbaren zu bremsen ist erreicht. Danach hat die Bundesregierung den Kreis der Industrieunternehmen ausgeweitet, die von der Umlage im Rahmen des Erneuerbaren Energie Gesetzes befreit bleiben. Dazu zählen sogar Unternehmen wie Vattenfall, weil deren besonders klimaschädlicher Einsatz von Braunkohle besonders energieintensiv ist. Absurder gehts nicht!
Doch nicht nur das bekommen vor allem die priavten Haushalte und kleineren Gewerbebetriebe zu spüren. Die Industrie zahlt für die Durchleitung durch die Stromnetze deutlich weniger als dieser Kundenkreis. Jetzt sollen außerdem die Risiken bei der Anbindung der Offshore-Windparks, mit denen vor allem die großen Energiekonzerne abkassieren wollen, auch noch vor allem privaten und gewerblichen Stromkunden angelastet werden. Und obendrein sind die großen Industrieunternehmen auch seit vielen Jahren bei der Ökosteuer bevorteilt.
Noch mal Hermann Albers vom BWE: „Aus Sicht des BWE muss daher bei der Berechnung der EEG-Umlage nachgesteuert werden. Der Berechnungsmodus, der eigentlich zu mehr Transparenz auf der Stromrechnung führen sollte, ist nicht mehr zeitgemäß. Denn bei einem Strommixanteil von etwa 25 Prozent drücken die Erneuerbaren Energien den Börsenstrompreis erheblich nach unten.“
Albers betont: „Diese Tatsache sollte auch den Stromkunden verdeutlicht werden. Mit der heutigen Umlageberechnung ist jedoch das Gegenteil der Fall: Ein niedriger Börsenstrompreis führt zu einer Erhöhung der EEG-Umlage. Anstatt konzeptlos den Ausstieg aus dem EEG zu fordern, sollte die FDP lieber ihre Hausaufgaben machen und hier konkrete Lösungsvorschläge anbieten.“
Von den Preisreduzierungen an der Börse profitieren Industrie und Stromhändler wie Vattenfall, E.on und RWE und daher unterlässt die Bundesregierung an dieser Stelle jede Reform des EEG. Diese Effekte an die privaten Stromkunden weiter zu geben und damit die Kosten zu reduzieren, steht derzeit nicht zur Debatte.
„Wer außerdem von Energiemärkten spricht, sollte auch im Bereich des Emissionshandels seine Verantwortungen wahrnehmen. Hier wäre zumindest ein erster Schritt, die kostenlose Verteilung von Zertifikaten zu verringern, um Transparenz in die Kosten konventioneller Energie zu bringen“, fordert Hermann Albers.
Die Pressemitteilung von Eurosolar finden sie hier im folgenden:
„Nachdem die aktuelle Bundesregierung mit den drastischen Kürzungen der letzten Jahre die Solarwirtschaft an den Abgrund geführt hat, kündigt Bundesumweltminister Peter Altmaier in seinem 10-Punkte-Programm nun den Angriff auf die Onshore-Windkraft an. „Gegen diesen Angriff werden wir uns mit großer Entschlossenheit stemmen“, erklärt der Vorsitzende der EUROSOLAR-Sektion Deutschland Dr. Axel Berg. Vor dem Hintergrund gerade beschlossener überteuerter Geschenke an die Offshore-Windkraft und damit vor allem an die großen Energiekonzerne, die nun die privaten Stromkunden schultern müssen, sei es nur noch zynisch, wenn der Umweltminister behauptet, er wolle die Kosten der Energiewende im Griff behalten.
Wenn er das wirklich wollte, müsste er gerade auf die Windkraft an Land setzen. Der teure und nicht erforderliche Offshore-Ausbau wird die EEG-Umlage und die Netzentgelte für die Verbraucher nach oben treiben. Windkraftanlagenbetreiber bekommen Onshore eine rund halb so hohe Vergütung wie Offshore, bezahlen obendrein den Netzanschluss selbst und können die Haftung für Übertragungsprobleme in der Netzanschlussleitung nicht auf die Stromverbraucher abwälzen. Durch den Offshore-Ausbau müssen wiederum mehr kostenträchtige Energieleitungen von Nord nach Süd gebaut werden, als bei einer dezentralen, onshore-orientierten Energiewende nötig.
EUROSOLAR wird in Kürze ein Konzept für ein Neugestaltung des EEG vorlegen, mit dem die volkswirtschaftlich vernünftige dezentrale Energiewende zukunftsfähig gestaltet werden kann.“