Atomtransporte in Hamburg – Radioaktiv über Straßen, Schienen und die Elbe

Atomtransporte im Hamburger Hafen – Verladung von Uranhexafluorid. Foto: Dirk Seifert

Im Rahmen einer aktuellen schriftlichen Kleinen Anfrage haben die beiden Hamburger Abgeordneten der Linken, Dora Heyeen und Christiane Schneider, Informationen über Atomtransporte durch die Hansestadt abgefragt. In der Antwort des Senats sind die zurückliegenden Atomtransporte durch Hamburg aufgelistet. Der Hamburger Hafen ist die internationale Drehscheibe für Atomtransporte: Allein im Jahr 2011 passierten 101 Transporte von Kernbrennstoffen (Uranhexafluorid und unbestrahlte Brennelemente) den Hamburger Hafen, etwa 800 Tonnen Kernbrennstoffe werden pro Jahr im Hafen umschlagenen.

Heyeen und Schneider stellen in der Anfrage fest: „Trotz Stilllegungen deutscher Atomkraftwerke nehmen die Transporte atomarer Stoffe laut Beobachtungen atomkritischer Bürgerinnen und Bürger weiter zu, unter anderem weil die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau im vergangenen September ihre letzte Ausbaustufe erreichte und nun 10 Prozent aller AKWs weltweit beliefern kann. Momentan wird dort noch ein Zwischenlager gebaut. Hamburg ist und scheint ein Drehkreuz des deutschen Atomtransportes zu bleiben.“

Bereits seit vielen Jahren ist es parlamentarische Praxis, dass der Senat im Rahmen Kleiner Anfragen Informationen über zurückliegende Atomtransporte durch die Hansestadt veröffentlicht. Seit Anfang der 90er Jahre lassen sich über die radioaktiven Frachten, die über Straße, Schiene und den Hafen gehen, die weltweiten Wege verfolgen. Auf Antrag der Linken-Fraktion in der Bürgerschaft wird derzeit auch über ein Verbot von Atomtransporten durch den Hamburger Hafen diskutiert. Im April 2012 fand dazu eine Experten-Anhörung statt, in der über die Möglichkeit diskutiert wurde, den Hafen für radioaktive Transporte zu schließen.

Damit wollen die Linken in Hamburg erreichen, was in Bremen bereits Gesetz ist: Bremen hat eine sogenannte Teilentwidmung des Hafens, die das Umschlagen radioaktiver Fracht untersagt, bereits beschlossen. Allerdings: In Bremen sind lediglich sogenannte Kernbrennstoffe von diesem Verbot betroffen. Diese unterliegen einer Genehmigungspflicht durch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Aber nicht alle Atomtransporte unterstehen diesem Verbot. Obwohl ebenfalls radioaktiv, unterliegen Transporte z.B. mit abgereichertem Uran nicht diesem Verbot. Weil ihr Anteil an spaltbarem Material zu gering ist und diese daher nicht vom BfS zu genehmigen sind, hat die Bremer Bürgerschaft diese Transporte nicht verboten. Deshalb haben Bürgerinitiativen und die Linke in Bremen ein Volksbegehren für ein Verbot aller Atomtransporte an den Start gebracht.

Atomtransporte und Sicherheit: Der Spiegel über die Transporte durch Hamburg, 1990

Liste schriftlicher Kleiner Anfragen aus der Hamburgischen Bürgerschaft. Die Daten liegen auf dem Server der Bürgersschaft als PDF.

20/4783Schriftliche Kleine Anfrage30.07.2012
Wie viele Atomtransporte gehen tatsächlich durch Hamburg? Nachfragen zu Drs. 20/3680 und anderen
Dora Heyenn (Fraktion DIE LINKE), Christiane Schneider (Fraktion DIE LINKE)
20/3680Schriftliche Kleine Anfrage29.03.2012
Wie viele Atomtransporte gehen tatsächlich durch Hamburg? Nachfragen zu Drs. 20/2843 und 20/3074 und anderen
Dora Heyenn (Fraktion DIE LINKE), Christiane Schneider (Fraktion DIE LINKE)
20/3074Schriftliche Kleine Anfrage01.02.2012
Transporte von Atombrennstoffen über den Hamburger Hafen
Dr. Anjes Tjarks (GAL)
20/2843Schriftliche Kleine Anfrage12.01.2012
Wie viele Atomtransporte gehen tatsächlich durch Hamburg? Nachfragen zur Drs. 20/1354 und anderen
Dora Heyenn (Fraktion DIE LINKE), Christiane Schneider (Fraktion DIE LINKE)
20/2505Schriftliche Kleine Anfrage06.12.2011
Einsatz von Hamburger Polizeikräften zur Sicherung des Castor-Transportes im November 2011
Karl-Heinz Warnholz (CDU)
20/1354Schriftliche Kleine Anfrage24.08.2011
Wie viele Atomtransporte gehen tatsächlich durch Hamburg? / Nachfragen zu den Drs. 19/3835, 19/3011, 19/1108
Dora Heyenn (Fraktion DIE LINKE), Christiane Schneider (Fraktion DIE LINKE)
20/383Antrag03.05.2011
Hamburger Hafen für Atomtransporte sperren!

Uranfabriken zu verkaufen – Urenco künftig mit Kanada?

Uranfabriken zu verkaufen – steigt Kanada ein? Foto: Thommy-Weiss / pixelio.de

Die Hinweise auf einen Verkauf der Uranfabriken der URENCO mehren sich. Offenbar plant das kanadische Unternehmen Cameco, ein Drittel der Anteile zu kaufen. Cameco betreibt vor allem Uranminen und ist einer der größen Uranproduzenten der Welt. Erst vor wenigen Wochen hatte die britische Regierung eine Ausschreibung eröffnet, in der sie einen Finanzdienstleiter sucht, der den Verkauf ihrer URENCO-Anteile organisieren soll.

Im westfälischen Gronau betreibt die URENCO eine Fabrik zur Urananreicherung. Während die Atomkraftwerke in Deutschland inzwischen abgeschaltet oder ihr Betrieb befristet ist, darf die Uranfabrik in Gronau völlig unbefristet weiter produzieren. Allein die Anlage in Gronau versorgt jedes zehnte AKW weltweit mit dem erforderlichen Brennstoff. Die gesamte URENCO-Gruppe mit Anlagen in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und den USA hat einen Marktanteil von rund 30 Prozent.

Das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz haben dazu heute die folgende Pressemitteilung zum möglichen Einstieg von Cameco bei der URENCO veröffentlicht:

„Keine Freude an Urenco-Kauf – Die Anti-Atomkraft-Bewegung plant weitere Proteste gegen die einzige  deutsche Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau. Diese  Botschaft richtet sich an den  kanadischen  Energiekonzern Cameco Corp. Dieser  überlegt einen Anteilskauf an dem Urankonzern Urenco, die Urananreicherungsanlagen in Gronau (D), Almelo (NL), Capenhurst (GB) und New Mexico (USA) betreibt. Nachdem bereits vor einem Jahr sowohl die britische Regierung als auch RWE und EON erklärt hatten, ihre Anteile verkaufen zu wollen, findet sich erst jetzt  der erste Kaufinteressent. Die Anti-Atom-Initiativen im Münsterland warnen Cameco Corp, dass sie keine Freude an den Urananreicherungsanlagen haben werden. Weitere Proteste bis zur Stilllegung der Anlagen sind angekündigt.

Insbesondere die Anlage im westfälischen Gronau wird seit 30 Jahren von Protesten begleitet, zuletzt wurden im Mai und Juli 2012 zwei Urantransporte um mehrere Stunden verzögert, zum 25. Tschernobyl-Jahrestag kamen 15.000 Menschen zusammen um gegen die Urananreicherungsanlage (UAA) zu demonstrieren und immer wieder gibt es Demonstrationen und Blockaden vor den Toren der Urenco.  Das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen kündigt weitere gemeinsame Proteste der Bürgerinitiativen und Umweltverbände an, auch gegen neue Eigentümer: „Wer aus der Atomenergie aussteigen will, darf nicht atomaren Brennstoff in alle Welt liefern. Deshalb werden wir weiter Proteste organisieren, bis die Anlage stillgelegt ist, egal, wer nun Anteilseigner ist..“, so Udo Buchholz  Nachbar der UAA Gronau und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU). Auch die nächste Protestaktion ist bereits in Planung: Am 29. September findet ein internationaler Aktionstag gegen die Uranindustrie statt. Demonstriert wird unter anderem in Almelo und Gronau, auch Initiativen in Finnland und Russland planen Aktionen. Die Münsterländer AtomkraftgegnerInnen suchen jetzt aber auch gezielt nach Kontakten in die USA und Kanada.

Ebenso wie Eon und RWE sich als Noch-Anteilseigner sich Ihres Uranmülls einfach in Russland entledigten, hat auch Cameco schon lange keine weiße Weste mehr. Im Westen der USA betreibt der Konzern Uranminen, die zu hohen Strahlenbelastungen, vorallem in von Indianern bewohnten Gebieten führen. Laut einem Presseartikel liegen die Strahlenwerte teilweise über den Grenzwerten für Kinder in der Fukushima-Region und weit über den in Deutschland geltenden Grenzwerten. „Bei allen Atomkonzernen ist nicht die geringste Rücksichtsnahme zu erkennen“ so Irene Thesing von der Initaitve für den Sofortigen Atomausstieg aus Münster, „deshalb fordern wir die Stilllegung der UAA statt einen Verkauf und solidarisieren uns mit den Betroffenen in den Uranabbaugebieten weltweit“. Zudem musste Cameco im aktuellen Quartal massive Umsatzverluste hinnehmen und hofft nun auf ein Wiederanfahren der japanischen AKW. Statt der Opfer hat der Konzern nur seine Finanzen im Blick und ignoriert dabei die Interessen der japanischen Bevölkerung, welche sich massiv gegen das Wiederanfahren der Reaktoren zur Wehr setzt.

Doch auch schon die Anteilseigner RWE und EON mussten sich für ihre Beteiligung am Urenco-Konzern vor ihren eigenen Hauptversammlungen verantworten, immer wieder wurde nachgefragt, wann sie denn nun aus der Atomenergie aussteigen und wann sie die Anlage in Gronau stilllegen. So lange, bis sie schließlich im letzten Jahr verkündeten, sich ihrer „unpopulären Beteiligung“ zu entledigen und einen Verkauf ihrer Urenco-Anteile diskutierten.

Da die Urananreicherungsanlage in Gronau militärisch nutzbar ist und zum Bau von Atomwaffen verwendet werden könnte, genießt die Bundesregierung Mitspracherechte beim Verkauf der Urenco-Anteile. Sie wird aufgefordert, keinem Verkauf zuzustimmen sondern ein Gesetz zur Stilllegung der Anlage zu beschließen.

„Urananreicherungsanlagen gehören zu einer veralteten und gefährlichen Technologie, sie müssen stillgegelegt und nicht verkauft werden – auch die Bundesregierung muss da endlich einschreiten! Ein drittes Tschernobyl oder Fukushima brauchen wir nicht!“, so Marita Wagner vom Trägerkreis des Gronauer Ostermarsches.“

Kontakt: Udo Buchholz 02562-23125, Marita Wagner 02562-20316

 

AKW Fessenheim – Vom Netz mangels Strombedarf

Da fürchten alle, dass es nach der Energiewende zu wenig Strom gäbe, die Netze zusammen brechen könnten und was auch immer schlimmes möglich wäre. Frankreich hat nun mal kurzerhand einfach einen Block des AKW Fessenheim abgeschaltet, weil es derzeit zu wenig Nachfrage nach Grundlaststrom gibt. So einfach geht das! Leider ist dies laut Badischer Zeitung nur eine befristete Maßnahme. Um die Bedürfnisse im Bereich von Spitzenlaststrom zu befriedigen, der meist so um die Mittagszeit besonders groß ist, importiert Frankreich übrigens gern den deutschen Solarstrom, – auch weil der besonders billig zu haben ist!

Atomtransporte – Plutonium auf dem Weg zum AKW Grohnde

Die Zugmaschine eines Plutonium-Transports (1991) auf dem Weg zum AKW Brokdorf, Foto: Dirk Seifert

Das AKW Grohnde bekommt in den nächsten Monaten neuen Brennstoff geliefert. Diese Atomtransporte aus England werden über den Midgard-Hafen in Nordenham importiert und bestehen aus plutoniumhaltigen – sogenannten Mischoxid-Brennelementen. Jeweils acht solcher MOX-Brennelemente sind pro Transport geplant. Der erste Atomtransport ist für September vorgesehen, der zweite für November.

Eine E.on-Sprecherin hat diese Angaben inzwischen bestätigt. Die genauen Transporttermine werden ebenso geheim gehalten wie die konkreten Transportstrecken.

Schon der Einsatz von MOX-Brennelementen birgt besondere Risiken in den AKWs, die schwieriger regelbar sind. Davor haben Anti-Atom-Initiativen immer wieder gewarnt.

Aber Plutonium-Brennelemente erhöhen auch die Risiken in Folge einer Atomkatastrophe. Das hat sich in Fukushima gezeigt, wo teilweise solche MOX-Brennelemente im Einsatz waren. Über die Gefährdung durch Plutonium schreibt der Spiegel im März 2011: “Die Radiotoxizität von Plutonium ist allerdings enorm: Schon die Einnahme einer Menge im zweistelligen Milligramm-Bereich gilt als tödlich, während die letale Dosis bei Uran zwischen einem Gramm und fünf Gramm liegt – je nachdem, wie es in den Körper gelangt. Noch gefährlicher ist allerdings die radioaktive Strahlung von Plutonium. Wird der Stoff eingeatmet, genügt vermutlich schon eine Menge von wenigen Mikrogramm, um Krebs auszulösen. Die Alphastrahlung des Plutoniums kann zwar nicht die Haut durchdringen, im Innern des Körpers aber schwere Strahlenschäden verursachen – insbesondere an den Knochen und in der Leber.”

Nicht nur in Grohnde werden MOX-Brennelemente eingesetzt. Auch z.B. das AKW Brokdorf und andere deutsche Reaktoren setzen diesen besonderen Brennstoff ein.

MOX-Transport zum AKW Brokdorf (1991), Spezialfahrzeuge sind für den Plutoniumtransport erforderlich. Foto: Dirk Seifert

Die Plutonium-Brennelemente für das AKW Grohnde kommen aus einer Fabrik bei Sellafield in England. In der dortigen Wiederaufarbeitungsanlage ist das Plutonium aus abgebrannten Uran-Brennelemente separiert worden. Die Wiederaufarbeitung ist seit 2005 in Deutschland verboten. Bis dahin haben deutsche AKW-Betreiber ihren Atommüll mangels Endlagermöglichkeiten per Castortransport in die Wiederaufarbeitungsanlagen nach Frankreich (La Hague) und England (Sellafield) geschickt. Die Wiederaufarbeitung gilt als einer der gefährlichsten und dreckigsten Arbeitsschritte in der Atomspirale. Die hohen radioaktiven Emissionen dieser Anlagen sind in der Nordsee noch weit entfernt nachweisbar und verstrahlen die Umgebung der Anlagen. Die hochradioaktiven Brennelemente werden hier chemisch bearbeitet, um das in geringen Anteilen entstandene Plutonium zur erneuten Energieerzeugung einzusetzen.

Weitere Informationen zu Atomtransporten und Plutonium auf der Seite von ROBIN WOOD.

In Deutschland sind die Pläne für eine eigene Plutoniumwirtschaft bereits in den 80er bzw. frühen 90er Jahren vollständig aufgegeben worden. Die geplante Wiederaufarbeitungsanlage im bayersichen Wackersdorf war aufgrund des massiven Widerstands der Anti-Atom-Bewegung und wegen der enormen Kosten eingestellt worden. Der Neubau einer MOX-Brennelementefabrik im hessischen Hanau scheiterte nach einer Serie von Störfällen und der geplante “Schnelle Brüter” in Kalkar, in dem Plutonium im großindustriellen Maßstab hergestellt werden sollte, wurde 1991 aufgegeben.

Zur Problematik der Wiederaufarbeitung siehe auch hier.

Weitere Hintergrund-Informationen – Plutonium in Atomreaktoren: VERDAMMT IN ALLE EWIGKEIT,  (1991, PDF)  und am Beispiel der damaligen HEW/heute Vattenfall: Plutonim – powerd by HEW. Außerdem: Öko-Institut Darmstadt

Rösler und Konsorten gegen die Energiewende

Rösler und seine Bande im Kampf gegen die Energiewende. Foto: REGIERUNGonline/Chaperon

Bundeswirtschaftslobbyist und Freidemokrat Rösler ist offenbar nicht mehr zu stoppen. Schon seit Wochen erklärt er immer wieder – ohne jede Fachkompetenz durchblicken zu lassen, dass Bürgerrechte und Naturschutz der Energiewende entgegen stehen. Die FDP scheint sich im Sommerloch so richtig in Rage zu reden.

Die FAZ berichtet: „Wirtschaftsminister Rösler hat sich nun abermals für einen Systemwechsel ausgesprochen. Nordrhein-Westfalens FDP-Chef Christian Lindner fordert gar, das Erneuerbare-Energien-Gesetz abzuschaffen“. In einem Interview mit der F.A.Z. im Juni bezeichnete Rösler das Erneuerbare-Energien-Gesetz als die Wurzel vieler Energiemarktprobleme und forderte mehr Wettbewerb und mehr Marktintegration.

Derweil feiern die Atomkonzerne ihre Gewinne: E.on zeigt sich über sich selbst begeistert und hat einen Nettogewinn von über drei Milliarden Euro für das erste Halbjahr zu verzeichnen. Und auch der etwas kleinere Konzern Vattenfall ist in Partylaune, weil er seinen Aktionären wieder Gewinne vorzeigen kann.

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