Uranfabrik Gronau – Materialien zur atomrechtlichen Genehmigung zum Ausbau der URENCO-Anlage (2005)

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ROBIN WOOD Aktion für die Stilllegung der Uranfabrik Gronau

Im Frühjahr 2005 hat das Bundesland NRW eine umfassende Erweiterung der Urananreicherungsanlage in Gronau genehmigt. Bis heute dauern die Erweiterungsmaßnahmen an: Das gilt (vermutlich) für den Ausbau auf eine Jahreskapazität von 4.500 Tonnen angereichertem Uran und auch für den Bau einer neuen Atommülllagerhalle, die 2014 in Betrieb gehen soll.

Die Urananlage in Gronau ist – wie auch die Brennelementefabrik im benachbarten Lingen – nicht von den Atomgesetzänderungen nach Fukushima betroffen. Konkret: Während der Betrieb der Atomkraftwerke befristet wurde, darf die Uranfabrik in Gronau völlig unbefristet für den Weltmarkt Uranbrennstoff herstellen.

Hier werden nun diverse Materialien aus dem Genehmigungsverfahren als (zum Teil sehr große) PDF-Dateien veröffentlicht. Neben Stellungnahmen unterschiedlicher Beteiligter wird hier auch das Wortprotokoll des Erörterungstermins vom Juli 2003  sowie die 680 Seiten umfassende Genehmigung für den noch laufenden Ausbau der Uranfabrik Gronau bereit gestellt. In diesen Dokumenten kann zumindest teilweise nachvollzogen werden, welche Sicherheitsfragen etc. im Rahmen des Genehmigungsverfahren behandelt wurden.

Außerdem gibt es hier die Stellungnahme der „Gruppe Ökologie“ (heute Intac Hannover) vom Juni 2003. Diese Stellungnahme wurde im Auftrag des Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau erstellt. Der AKU gehörte zum Kreis der rund 7.000 EinwenderInnen, die sich damals gegen den Ausbau der Uranfabrik Gronau engagiert haben.

Dokumente zum Genehmigungsverfahren zum Ausbau der Urananreicherungsanlage Gronau (bis 2005, PDF, teilweise sehr große!)

Kurzbeschreibung der URENCO zum Endausbau der Anlage und deren voraussichtlichen Auswirkungen auf die Umgebung vom Dezember 2002

Stellungnahme der Reaktorsicherheitskommission zur Erweiterung der Uranfabrik Gronau

Stellungnahme der Strahlenschutzkommission zur Erweiterung der Uranfabrik Gronau

Wortprotokoll vom Erörterungstermin vom Juli 2003

Genehmigungsbescheid für den Ausbau der Uranfabrik vom 14. Februar 2005 (Nr. 7/6 UAG)

Stellungnahme der Einwender

Stellungnahme der Gruppe Ökologie im Auftrag des AKU Gronau (Einwender)

Weitere Materialien:

Umwelterklärung URENCO Deutschland GmbH Urananreicherungsanlage Gronau 2010

Information der Öffentlichkeit nach der Strahlenschutzverordnung und der Störfallverordnung („Katastrophenschutz-Information der URENCO Gronau, April 2011)

Atomstrom teurer als Ökostrom – Umwelt- und Verbraucherschützer rufen zum Stromwechsel auf

Immer mehr Unternehmen setzen auf die eigene Stromerzeugung. Die alten Stromkonzerne verlieren immer mehr.... Foto: Dirk Seifert
Ökostrom oft billiger als Atomstrom… Foto: Dirk Seifert

Das Bündnis „Atomausstieg selber machen“ hat in einer PM mitgeteilt: „Nachdem die Atomkonzerne EnBW, E.on und Vattenfall bereits seit Beginn des Jahres bis zu 14 Prozent mehr Geld für ihren konventionellen Strom verlangen, kündigt nun auch RWE eine Preiserhöhung von 10 Prozent für März an. Die Grundversorgung von EnBW und RWE ist somit durchweg teurer als alle vier vom Bündnis „Atomausstieg selber machen“ empfohlenen Ökostromanbieter. Auch wer von E.on oder Vattenfall beliefert wird, zahlt für den Atom- und Kohlemix mehr als er für 100-prozentigen Ökostrom eines konzernunabhängigen Ökostromversorgers ausgeben müsste. Umwelt- und Verbraucherschützer fordern Stromkundinnen und -kunden daher zum umgehenden Anbieterwechsel auf.

„Die Lüge vom billigen Atomstrom ist mit einem Blick auf die Stromrechnung widerlegt“, stellt Melanie Ball vom Bündnis „Atomausstieg selber machen“ klar. „Ganz abgesehen davon, dass die Gesellschaft und nicht die Konzerne die Folgekosten der hochriskanten Atomkraft trägt: Die Atomkonzerne lügen uns die Ohren voll mit ihren Märchen vom teuren Ökostrom, während sie sich Milliardengewinne in die Taschen stopfen“, kritisiert Melanie Ball.

E.on, der größte deutsche Energiekonzern, konnte allein in den ersten drei Quartalen des Jahres 2012 rund drei Milliarden Euro Gewinn einstreichen; auch die anderen Atomkonzerne dürften im März wieder Milliarden an ihre Aktionäre auszahlen. „Verbraucherinnen und Verbraucher sollten die Konsequenz ziehen aus dieser Abzocke: den Atomkonzernen kündigen und zu fairen Ökostromanbietern wechseln“, rät das Bündnis „Atomausstieg selber machen“. Wer die Energiewende unterstützen will, ohne übertriebene Preise zu zahlen, dem empfiehlt das Bündnis den Wechsel zu den Elektrizitätswerken Schönau, Greenpeace Energy, Lichtblick oder Naturstrom.

Informationen und Hilfestellungen erhalten Interessierte unter www.atomausstieg-selber-machen.de oder bei der kostenlosen Hotline 0800 7626852. „Atomausstieg selber machen“ ist ein Bündnis aus Umweltorganisationen, Verbraucherschutzverbänden und Anti-Atom-Initiativen.

Ressourcen und Menschenrechte: Blutige Kohle aus Kolumbien für deutschen Strom

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Blutige Kohle aus Kolumbien für Vattenfalls Steinkohlekraftwerk in Hamburg Moorburg. Foto: Dirk Seifert

Markige, aber richtige Worte in der Zeit: „Deutschland braucht kolumbianische Steinkohle – erst recht nach dem Atomausstieg. Doch der Abbau des Rohstoffs zerstört das Leben von Tausenden.“ So titelt Die Zeit im September 2012. Und schreibt: „Im Nordosten Kolumbiens wächst ein riesiges, staubiges Loch. Sein Name ist El Cerrejón, und es ist einer der größten Steinkohle-Tagebaue der Welt: 69.000 Hektar Fläche, 9.500 Angestellte, 32 Millionen Tonnen Jahresausbeute. Aus der Megagrube stammt ein großer Teil der kolumbianischen Steinkohleproduktion.“

Für die deutschen Kohlekraftwerke ist Kolumbien ein wichtiger Lieferant: „Knapp ein Fünftel unseres Stroms wurde im vergangenen Jahr aus Steinkohle erzeugt. Kolumbien gehört zu den wichtigsten Lieferanten der deutschen Stromversorger. Im ersten Halbjahr 2012 lieferten nur Russland und die USA mehr Steinkohle nach Deutschland. Mehr als ein Fünftel aller Importe kam aus Kolumbien, ein Großteil davon vermutlich aus El Cerrejón“, schreibt Alexandra Endres in der Zeit.

Damit die Kohle in Kolumbien im Tagebau gefördert werden kann, bleiben Menschenrechte auf der Strecke. Indigene werden vertriebe. Gewerkschafter ebenso. Und immer wieder kommt es zu Todesfällen.

Die Zeit schreibt deutlich: „Gewalt gegen Gewerkschafter – bis zum Mord

Auch gegen Prodeco und Drummond werden Vorwürfe erhoben. Prodeco ist eine Tochter des Schweizer Konzerns Glencore, der seine Umsätze in Kolumbien klein rechnen soll, um möglichst wenig Steuern zahlen zu müssen. Menschenrechtsorganisationen berichten von gewaltsamen Streiks in den Förderstätten, die teils durch die Bereitschaftspolizei beendet wurden.

Drummond soll vor elf Jahren sogar Paramilitärs beauftragt haben, die beiden Gewerkschafter Valmore Locarno und Victor Orcasita zu ermorden. Außerdem wird dem Familienunternehmen aus den USA vorgeworfen, jahrelang paramilitärische Gruppen finanziert zu haben. Deshalb steht das Unternehmen in den USA vor Gericht. Dem Anwalt Alirio Uribe zufolge gibt es ein weiteres Verfahren in Kolumbien.“

Über all das wollen die deutschen Kunden nichts wissen, nichts sagen.

„Die deutschen Konzerne haben kaum Antworten auf die Vorwürfe. Vattenfall etwa will überhaupt keine Details in der Öffentlichkeit sehen. Man stehe mit seinen Lieferanten in ständigem Austausch, teilt das Unternehmen mit. EnBW erklärt, keine direkten Lieferkontakte in das mittelamerikanische Land zu haben. Lediglich über Zwischenhändler habe man 2010 rund eine Million Tonnen kolumbianischer Steinkohle aus den Minen von Cerrejón, Prodeco und Drummond erworben“, heißt es in der Zeit.

Ökologisch ist schon der Kohleabbau ein Desaster: „Die Vorwürfe gegen El Cerrejón, die zu je einem Drittel den Bergbauriesen BHP Billiton, Anglo American und Xstrata gehört, sind womöglich am besten dokumentiert. „Diese Mine ist schon jetzt so groß, dass sie jeden Lebensraum zerstört“, sagt Menschenrechtsexperte Ofteringer. „Die Sprengungen wirbeln Staubwolken auf, die kilometerweit übers Land ziehen. Regnet es, lagert sich der Staub überall ab.“ Das hat Folgen für die Gesundheit der Menschen. Ofteringer sagt, das auf dem Gebiet von El Cerrejón früher 60.000 Menschen lebten. Nur wenige hätten Arbeit in der Mine gefunden.“

Schon 2008 hat auch die Inititive Lateinamerika-Nachrichten über Kolumbien, die Kohle und Deutschland berichtet: „Kohle ist eine deutsch-kolumbianische Angelegenheit“, schrieb Bettina Reis. Und im Oktober 2012 berichtete auch die Frankfurter Rundschau unter der Überschrift „Blut für Kohle“ über die deutschen Importe für die hiesigen Kohlekraftwerke. 

Im Mai will ein Hamburger Bündnis Gegenstrom13 gegen das Vattenfall-Kohlekraftwerk in Moorburg mit einer symbolischen Elbblockade demonstrieren. Das 1.600 MW Kraftwerk ist noch im Bau und soll 2014 in Betrieb gehen. Hier sorgt es für noch mehr Klimakatastrophe und die Blockade der Energiewende. In Kolumbien ist es für die Vertreibung der Indigen, für Umweltzerstörungen und für Morde verantwortlich.

 

Atomkraftwerke Brokdorf und Grohnde werden be-warn-streikt: Verdi und IGBCE fordern mehr Geld

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Warnstreik in Brokdorf (Foto) und im AKW Grohnde. Verdi und IGBCE fordern mehr Geld. Foto: Dirk Seifert

Heute haben nach einem Aufruf der Gewerkschaften Verdi und IGBCE in Norddeutschland ca. 2.500 MitarbeiterInnen unterschiedlicher Betriebe, darunter auch Beschäftigte der Atommeiler in Brokdorf und Grohnde, einen Warnstreik durchgeführt. Bundesweit sollen sich rund 7.000 Beschäftigte beteiligt haben. Der NDR berichtet: „Ver.di wirft E.ON vor, ein Scheitern der Tarifverhandlungen zu provozieren. Die zuletzt angebotene Erhöhung der Bezüge um 1,1 Prozent sei „völlig inakzeptabel“. Die Gewerkschaft verlangt eine Verbesserung um 6,5 Prozent bei einer Laufzeit des Vertrages von zwölf Monaten. Außerdem sollten alle Azubis nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung für mindestens zwölf Monate übernommen werden.“ Die Tarifverhandlungen sollen morgen fortgesetzt werden.

Die Lage für die Beschäftigten bei den Atomkonzernen wie E.on, RWE, Vattenfall und EnBW ist überaus heikel: E.on will allein in Deutschland 6.000 Arbeitsplätze abbauen, RWE mindestens 5.000. Auch bei den kleinen Unternehmen Vattenfall und E.on sind massive Sparmaßnahmen angekündigt und in Umsetzung.

Siehe hier: Energiewende und Strukturwandel: Massiver Arbeitsplatzabbau bei den alten Stromkonzernen und Siemens

Aber auch bei der Energiewende und den Erneuerbaren gibt es Probleme: IG Metall Küste – Verpatzte Energiewende gefährdet tausende Arbeitsplätze in Norddeutschland

Regenwolken über Solarzeitung PHOTON – gegen Arbeitnehmerrechte und Insolvent

Energiewende Öko-Sozial – “REpower bricht Tarifverhandlungen unter vorgeschobenen Gründen ab”

Krieg um Uran? Mali, Niger und der Uranabbau für Atomkraftwerke

atommüllfassFrankreich hat in der letzten Woche militärisch in den Konflikt in Mali eingegriffen. Unterschiedliche Kräfte haben im Norden von Mali im letzten Jahr große Gebiete erobert. Dabei spielen auch fundamentalistische Kampfverbände eine bedeutsame Rolle, die eine separatistische Abspaltung von Mali erreichen bzw. insgesamt in der Sahel-Region islamistisch geprägte Herrschaftsverhältnisse aufbauen wollen, in der die Scharia als gesellschaftlicher bzw. gesetzlicher Rahmen gilt. Möglicherweise nicht in erster Linie dürften für das französische Eingreifen aber auch schlichte materielle Interessen eine Rolle spielen: z.B. die Uranvorkommen in der Region Mali und Niger.

Nach dem Zusammenbruch des Gaddafi-Regimes in Libyen ist es zu einer Destabilisierung auch in der Sahelregion gekommen. Nicht nur islamistische Kräfte sind von dort aus in Richtung Mali gezogen. Auch die Tuareg, deren Siedlungsgebiete in der gesamten Sahel-Zone liegen und die Länder Libyen, Niger, Mali und weitere Staaten umfassen, spielen in den Konflikten eine wachsende Rolle.

Die Sahel-Region gehört zum ehemaligen Kolonialgebiet Frankreichs und noch heute hat Frankreich herausragende politische und wirtschaftliche Beziehungen zu dieser Region. Neben Mali gilt dies auch für den Niger.

In immer mehr Konflikten spielen auch Rohstoff-Ressourcen eine große Rolle. Nicht mehr nur Öl (aber auch davon soll es in Mali große Vorkommen geben)  steht dabei oft im Blickpunkt. In Mali und im benachbarten Niger gibt es große Uran-Vorkommen. Im Niger ist der französische Atomkonzern AREVA schon seit Jahrzehnten im Urangeschäft und betreibt dort im großen Stil den Uranabbau. Neue Uranminen sollen demnächst im Niger in Betrieb genommen werden. Siehe dazu ausführlich auch hier: Uranlieferant Niger – Hunger und Krieg.

Bereits seit vielen Jahren gibt es um die Uranminen im Norden des Niger immer wieder auch militärische Auseinandersetzungen. In der Gegend um Arlit, wo Uran oberirdisch abgebaut wird, sind in den letzten Jahren mehrfach Mitarbeiter von AREVA entführt worden (siehe auch die gescheiterte französische Aktion zur Befreiung von Geiseln in Somalia). Erst im September 2010 berichtete die Frankfurter Rundschau über eine solche Entführung unter der Überschrift: „Franzosen in Niger verschleppt: Entführung löst Uran-Krise aus“. Aktuell berichtet Alfred Hackensberger auf Telepolis unter der Überschrift:  „Al-Qaida und der Uran-Boom in Afrika“.

Immer wieder war damit die Forderung der Entführer verbunden, dass mehr Geld aus den Gewinnen beim Uranabbau auch im Lande bleiben müsste und der Bevölkerung zu gute kommen müsse. Der Niger gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, Straßen gibt es kaum, in vielen Regionen gibt es keine Wasserversorgung, Schulen oder Krankenhäuser. Außerdem bedeutet der Uranabbau eine enorme Umweltverschmutzung: Der Staub von den oberirdisch gelagerten radioaktiven Abraumhalden verseucht große Gebiete und gelangt ins Wasser, die Menschen atmen den Staub ein und erkranken.

Diese Lage wird noch verschlimmert, weil in der Sahelzone seit längerer Zeit aufgrund einer Dürre eine Hungerkatastrophe droht. Immer wieder hatten im letzten Jahr internationale Organisationen davor gewarnt und Hilfsprogramme initiiert. (Siehe z.B. hier einen ZDF-Video-Bericht aus dem Mai 2012)

Aus dem Niger stammt das Uran für jede zweite Glühbirne in Frankreich, heißt es in einem Artikel von Claudia Frank im ROBIN WOOD-Magazin. Das Uran aus dem Niger wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in der Uranfabrik in Gronau und in deutschen Atomkraftwerken eingesetzt. Genaues lässt sich nicht sagen, weil die Bundesregierung keine Angaben über die genaue Herkunft des in Deutschland verwendeten Urans macht. Die Bundesregierung gibt lediglich die Information, dass ein großer Teil der Importe aus Frankreich stammen. Daher ist anzunehmen, dass über Frankreich und AREVA das Uran aus dem Niger auch in deutschen Anlagen eingesetzt wird.

 

 

 

 

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